Wohnhaus

Sebastianstraße 139 · Niehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8613
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Sebastianstraße 139, 50735 Köln
Baujahr1904
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 24.02.2003
Stadtteil Niehl

Erbaut 1904 für Herrmann Dick. 3-achsiges, 2-geschossiges, traufständiges Gebäude mit ausgebautem Dachgeschoss und Satteldach.

Vorderfassade:

Putzfassade mit schlichtem Stuck mit Anklängen an den Jugendstil. Fenster und Türöffnung mit aufwendiger Stuckrahmung; Fenster erneuert.

EG: Über dem Sockel horizontaler Fugenschnitt, Sohlbankgesims und flächige Putzfelder unter den Fenstern; Haustür in der linken Achse erneuert. Über der Haustür Supraporte mit Zwillingsrundbogen und Puttenkopf zwischen den Bögen.

Stockgesims;

1. OG: über den Fenstern Putzfelder; Dachgesims.

Rückseite: verputzt; Fenster und Hoftür erneuert.

Im Inneren original erhalten:

Grundriss weitgehend; zwischen Vestibül und Treppenhaus Rundbogendurchgang (mit Oberlicht und Flügeltüren); Bodenfliesen mit floral-geometrischem Muster; Holztreppe, Antrittspfosten, Geländer mit gedrechselten Stäben und Handlauf in Holz; Kellertür.

Das ehemalige Bauern- und Fischerdorf Niehl ist urkundlich erstmals 927 im Zusammenhang mit einer erzbischöflichen Schenkung an das Ursulastift und 1080 mit einer solchen an das Kunibertstift erwähnt. Das Kunibertstift besaß spätestens seit jenem Zeitpunkt die Pfarrhoheit über Niehl. Politisch gehörte Niehl zur Grafschaft Hülchrath, 1314 zum Erzstift Köln und seit der französischen Besetzung des Rheinlands zu der 1798 neugeschaffenen Bürgermeisterei Longerich, mit der es 1888 nach Köln eingemeindet wurde. An der Sebastianstraße, einer alten Römerstraße, liegt am Rheinufer bis heute das älteste Niehler Baudenkmal, die Landkirche Alt-St. Katharina. Der beherrschende Standort dieser alten Pfarrkirche an der höchsten Stelle der Ortschaft auf dem Steilufer des Rheins sowie die benachbarten Hofbauten bilden den erhaltenen alten Dorfkern zwischen Merkenicher Straße und Rheinufer. Zahlreiche Kapellen und Wegekreuze des 18. und 19. Jahrhunderts haben sich im alten Dorfbereich erhalten.

Von den einstigen umfangreichen Hofanlagen sind nur noch einige Wohnbauten erhalten. Niedrige giebel- und traufständige Hausbauten des 19. Jahrhunderts entlang der ungeregelten Straßenführung mit zahlreichen gassenartigen Durchlässen zeugen von ländlich-dörflicher Struktur. Bis ins 20. Jahrhundert bewahrte Niehl seinen ländlich-dörflichen Charakter, erfuhr in den 20er Jahren mit der Ausweitung des stadtkölnischen Gebiets und in den 30er Jahren durch die Ansiedlung der Fordwerke im Norden eine allmähliche städtische Prägung. Siedlungsbau und weitgehende Veränderung der ländlich geprägten Wohnbebauung zu Mietwohnobjekten veränderten den dörflichen Charakter Niehls hin zum Arbeiterwohnort im Einzugsbereich von Industrieanlagen. Die ehemals ländlich-dörfliche Bebauungsstruktur ist heute dennoch im näheren Bereich zur alten Pfarrkirche, unweit des Rheinufers erlebbar. Teile ehemaliger Hofanlagen, die den überkommenen alten Dorfkern zwischen Merkenicher Straße, Hermesgasse und dem Niehler Damm markieren, haben sich dort erhalten.

Die Sebastianstraße verläuft in Nord-Süd-Richtung parallel zum Niehler Damm in Rheinnähe. Unweit des Kreuzungsbereiches Merkenicher-, Schiffer- und Sebastianstraße liegt das traufständige zweigeschossige Gebäude Nr. 139.

Es bildet gemeinsam mit weiteren ein- und zweigeschossigen traufständigen Wohnbauten der Zeit um die Jahrhundertwende ein Ensemble. Die ländlich-dörfliche Bauweise ist in diesem Abschnitt der Sebastianstraße anhand der zahlreichen freistehenden und zum Teil schräg zum Straßenraum platzierten, zum Teil niedriggeschossigen Gebäuden noch deutlich nachvollziehbar.

Die für dörfliche Verhältnisse aufwendig gestaltete Fassade mit Supraporte weist auf die repräsentationsbewusste (Bauherren)- und Bewohnerschaft hin, die sich bei der Gestaltung an städtischen Vorbildern orientiert hat.

In unmittelbarer Umgebung eingerahmt von Neubauten der Nachkriegszeit dokumentiert das Gebäude mit anderen noch erhaltenen Beispielen die frühe Bebauung in Köln-Niehl. Die noch heute erkennbare charakteristische Bauform dokumentiert die ländlich-dörflich geprägte Struktur mit kleinmaßstäblicher Bebauung zur Zeit des Übergangs zu vorstädtischen Verhältnissen seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0