Kirche St. Johann Baptist u. Pfarrhaus
Honschaftsstraße 339 · Höhenhaus
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8627 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Kirche St. Johann Baptist u. Pfarrhaus |
| Adresse | Honschaftsstraße 339, 51061 Köln |
| Baujahr | 1954 bis 1958 |
| Eigentum | kirchliches Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.08.2003 |
| Stadtteil | Höhenhaus |
Erbaut 1954-55 und 1958
Architekt Paul Krücken
Nach Norden ausgerichteter Langhausbau aus geschlämmten Ziegelmauerwerk, in freier Abwandlung des basilikalen Schemas mit sich erweiterndem Mittelschiff, ‚Querhaus‘ und Apsis errichtet. Satteldächer aus Schiefer. Dachreiter. Auf der Westseite der Apsis angebauter Gebäudekomplex mit Kapelle, Sakristei, Pastorat und Kaplanei.
Außenbau
Südfassade (Im Weidenbruch)
Hochaufragende Giebelwand aus geschlämmtem Ziegelmauerwerk über Bruchsteinsockel (Grauwacke). Fassade im Mittelfeld von Maßwerkfenster durchbrochen, Öffnungen in Form von umgekehrten Tropfen in vier Reihen angeordnet, Umrisse mit Ziegeln verblendet. Im Giebel senkrechter Mauerschlitz. Über dem Eingangsportal verschiefertes Vordach (1981 hinzugefügt), zwei Treppenstufen, Eingang mit vierflügeliger Kassettentür aus Holz. Seitlich des Portals rechts zwei senkrechte Mauerschlitze, links ein Mauerschlitz (dahinter zwei heute stillgelegte Windfänge).
An der Südostecke der Fassade ein turmartiger Raumschacht (Steigleiter im Innern). Der ‚Turm‘ vor dem Seitenschiff errichtet und bis in Traufhöhe des Hauptschiffs als quadratischer Baukörper aufgeführt (Breite ca. 2 m ). Zwischen Hauptschiff und Turmschacht eine trapezförmige Fassadenöffnung oberhalb des Seitenschiffdachs. Dazwischen ein sattelförmiges Querdach getragen von zwei eingestellten Ziegelpfeilern sowie ein eingezogener Geschossboden zur Überbrückung der Bauteile und als Zugang zum Dachraum der Kirche sowie zum Dachreiter.
Ostseite (Honschaftsstraße)
Längsseite der Kirche parallel zur Straße errichtet, bestehend aus Turmschacht im Süden, Mittelschiff mit Obergaden und niedrigem Seitenschiff, ‚Querhaus‘ sowie Apsis im Norden. Die süd- und nördlichen Querbauten im Grundriss nicht aus der Ostmauer hervortretend, im Aufriss jedoch als eigene Baukörper ausgebildet. Satteldächer mit Schiefer. In der Turmostmauer drei axial angeordnete Mauerschlitze zur Belichtung des Schachtinnern. In der Ostmauer des Querhauses Betonmaßwerk, die Öffnungen in umgekehrter Tropfenform in fünf Reihen angeordnet, die Betonteile (anders als im Innenraum) mit Ziegeln verblendet. Im Querhausgiebel ein tropfenförmiges Fenster.
Seitenschiffmauer in der üblichen Weise rechtwinklig zur Fassade stehend, Obergadenwand des Mittelschiffs jedoch nicht parallel zum Seitenschiff errichtet. Hauptschiff sich in Richtung Querhaus verbreiternd, Seitenschiffe dadurch zu Zwickelräumen reduziert. Über dem Hauptschiff Satteldach aus Schiefer. Dachneigung trotz zunehmender Schiffbreite gleich bleibend, Dachfirst folglich von Süden nach Norden ansteigend. Traufgesims aus Betonbalken und zwei Ziegelbändern. Fünf Obergadenfenster in Form von umgekehrten Tropfen. – Über dem Seitenschiff ungleichmäßiges Pultdach mit Kupferblech gedeckt (Ersatz für Schiefer). Dachfläche nach Süden (gegenläufig zum Hauptdach) ansteigend und sich verbreiternd. In der Seitenschiffmauer vier Rundfenster und im südlichen Teil vier schmale Bogenfenster (Belichtung der Taufkapelle). Im Anfallspunkt von Hauptdach und Querhausdach hoher runder Dachreiter als Glockenträger. Rundherum Schallbretter (Schallöffnungen verändert), polygonales Schieferdach.
Nordseite (Jungbornweg)
Halbrunde Apsis mit insgesamt fünf Fenstern in umgekehrter Tropfenform unterhalb der Traufe. Traufgesims aus einem Betonringbalken und zwei Ziegelbändern. Halbrundes Schieferdach niedriger als das Querhausdach. Auf Westseite der Apsis Anbau eines Gebäudetrakts mit Werktagskapelle, Sakristei und Pfarrbüro (s.u.).
Westseite der Kirche (Innenhof)
Seitenansicht der Kirche gegliedert in Apsis, Querhaus mit Maßwerkfenster, Seitenschiffmauer und Obergaden der Ostseite entsprechend ausgeführt. Ungleichmäßiges Pultdach hier mit Pfannen gedeckt (Ersatz für Schiefer). Vier tropfenförmige Obergadenfenster. Satteldach aus Schiefer. Vor der Westseite der Kirche Pfarrgarten im Norden und Süden von Gebäudeflügeln umschlossen. Im Norden an die Apsis angebauter Gebäudetrakt mit Kapelle, Sakristei, Pastorat und Kaplanei, im Süden zweigeschossiges Gebäude mit Jugendheim und Kindergarten als Anbau an das westliche Seitenschiff. In diesem daher nur drei Rundfenster (statt der vier im östlichen Seitenschiff).
Innenraum der Kirche
Wände des Mittelschiffs durch drei Segmentbogen-Arkaden geöffnet. Obergaden auf jeweils drei Rundpfeilern aus Beton ruhend. Diese auf das ‚Querhaus‘ schräg zulaufend, so dass das Mittelschiff sich trapezförmig verbreitert und zwickelförmige ‚Seitenschiffe‘ entstehen. Das ‚Querhaus‘ im Innern nur durch Mauerrücksprung angedeutet. Die halbrunde Apsis in Breite des Mittelschiffs an das Querhaus angeschlossen. Verputzte, weiß gestrichene Wände.
Im Hauptschiff weiße Stuckdecke, innerhalb der Raumwände frei aufgehängt (Entwurf Günter Hagen, 1969 anstelle von Holzpressplatten angebracht). In der Deckenachse zwölf eingelassene vergoldete Kugeln, d.h. elf kleinere und eine größere Kugel über dem Altar. Betonfertigteile des Maßwerks in den Querhausarmen sowie in südlicher Eingangswand gestrichen, Verglasung in Grautönen. Fußboden aus Kunststein- und Asphaltplatten. In der Apsis ovales Podium seitlich durch Brüstungsgitter begrenzt, vorne fünf Stufen, Kunststeinbelag. Auf dem Podium ovale dreistufige ‚Altarinsel‘ mit rechteckiger Mensa (Altarpodest im Anschluss an die Liturgiereform nachträglich abgesenkt).
Seitenräume mit relativ niedrigen, flachen Putzdecken. Im rechten ‚Seitenschiff‘ die Kreuzwegstationen, im linken zwei Beichtstühle. Im Südteil der Seitenschiffe jeweils ein abgeteilter Raum: Im östlichen Schiff Taufkapelle, Zugang von Norden über vier Stufen zum abgesenkten Fußbodenniveau. Höhenunterschied zum Mittelschiff durch Brüstungsgitter mit Tropfenmotiven gesichert. In der Ostwand der Kapelle vier buntfarbig verglaste Bogenfenster. Im westlichen Schiff Treppenhaus zur Orgelempore. Vor dem Eingang vier Stufen, Bogen mit Gittertür.
Orgel- und Sängerempore vor der Südwand auf zwei Rundpfeilern aus Beton errichtet. Stark geschwungene, an den Seiten vorgezogene Brüstung. Orgel mit Rücksicht auf das Fassadenfenster an der Ostwand aufgestellt.
Werktagskapelle
In westlicher Apsiswand Mauerbogen als Durchgang zur Kapelle. Schmiedeeisernes Gitter mit konkavem Querschnitt dem Apsisverlauf entsprechend, darin zweiflügelige sowie einfache Gittertür gestaltet in Tropfenmotiven. Rechteckiger Kapellenraum. In südlicher Kapellenwand sechs Bogenfenster mit opaker Verglasung. Abgehängte Decke aus offenen Holzkassetten. Altarstandort ursprünglich in einer an die Apsismauer angrenzenden Kapellennische, diese 1977 zugemauert. Stattdessen ein Altartisch von Sitzen umgeben im Kapellenraum aufgestellt. In der Westwand Holztür zur Sakristei, ferner schmiedeeiserne Gittertür mit Tropfenmotiven (Kopie nach Gitteroriginal) sowie Holztür zum Windfang, dort die Außentür zum Jungbornweg (s. u.).
Ausstattung
Glasfenster
5 Farbfenster (Christus, Maria, hl. Johann Baptist, Peter und Paul), 1955 (Ernst Jansen-Winkeln), Apsis
7 farbige Rundfenster (Die sieben Sakramente), um 1955, Seitenschiffe
3 geometrische Maßwerkfenster, 1950er Jahre (Paul Weigmann), Eingangsfassade und Querhaus.
10 geometrische Obergadenfenster, 1950er Jahre (Paul Weigmann), Mittelschiff
4 Fenster mit 12 Szenen (Leben der Getauften), 1964 (Franz Pauli), Taufkapelle im östl. Seitenschiff
Skulptur
Kreuzigung mit Maria, Johannes u. Maria Magdalena, Ende 19. Jh., Werktagskapelle
3 ehem. Kommunionbankreliefs, ehem. Carlsstift, Ende 19. Jh., am Altartisch der Werktagskapelle
Madonna auf der Mondsichel, 1958 (Wilhelm Tophinke), westliches Seitenschiff
Schatzkunst
Turmmonstranz, ehem. Carlsstift in Mülheim, 1890er Jahre (Gabriel Hermeling), Sakristei
Kelch, ehem. Carlsstift, 1894 (Heinrich Joseph Wilms, Düsseldorf), Sakristei
Kelch, ehem. Carlsstift, um 1906 (August Wüsten), Sakristei
Ziborium, 1911 (Franz Wüsten), Sakristei
Sonstige Ausstattung
3 geschnitzte Leuchter, 1948 (Toni Zenz), Werktagskapelle
Altarmensa aus Lahnmarmor, 1955, Apsis
Altarkreuz, Emailarbeit, 1959-60 (Lioba Munz OSB, Fulda), Apsis
Tabernakel, Emailarbeit, 1961 (Lioba Munz OSB), Altarpodium
Glocken
Hubertusglocke aus der Notkirche, 1934 (Otto, Bremen-Hemelingen), Mittelschiff (Träger des Weihwasserbeckens)
4 Glocken, 1987 (Eifeler Glockengießerei H. A. Mark, Brockscheid), Dachreiter
Gebäudetrakt mit Kapelle, Sakristei, Pastorat sowie Kaplanei
Außenbau
Nord- und Westseite (Jungbornweg)
An die Apsis angebautes traufständiges Gebäude aus geschlämmten Ziegelmauerwerk über Bruchsteinsockel, Satteldach aus Pfannen. Zugang zum hochliegenden Kapellenteil von Osten über eine Rampe, von Westen über eine Treppe. Zurückgesetzte zweiflügelige Holztür mit Glaskassetten. Oberhalb der Tür Rundfenster, rechts der Eingangstür vier rechteckige Holzfenster. Im westlichen Gebäudeteil zweigeschossiges Pfarramt. Im Erd- und Obergeschoss jeweils zwei rechteckige Holzfenster. Eingangstür aus Holz mit Glaskassetten (postalische Adresse: Honschaftsstraße 339a). - Auf der Gebäudewestseite Giebelwand mit vier kleineren rechteckigen Holzfenstern im Erdgeschoss, zwei größeren Holzfenstern im Obergeschoss (ursprünglich zweiflügelig und mit Fensterläden), kleines halbrundes Giebelfenster.
An die Giebelwand angefügt zurückgesetztes eingeschossiges Traufenhaus aus geschlämmten Ziegelmauerwerk. Östlicher Teil im ersten Bauabschnitt errichtet und zum Pastorat gehörig, ein rechteckiges Fenster. Westlich in gleicher Bauweise angefügter Erweiterungsbau der ‚Kaplanei‘ (heute Wohnhaus des Diakons). Gemeinsames Satteldach aus Pfannen. Drei größere und drei kleinere Fenster, Holztür mit Glaskassetten (postalische Adresse: Honschaftsstraße 339b). ‚Kaplanei‘ bereits im Gesamtplan vorgesehen. Bauabschnitte außen lediglich an Baufuge ablesbar.
Südseite (Innenhof)
Der an die Apsis angebaute Flügel rechtwinklig zum Querhaus errichtet. Geschlämmtes Ziegelmauer über Bruchsteinsockel, Pfannendach. Im östlichen Teil zwei Bogenfenster im Erdgeschoss (Heizungsräume), sechs schmale Bogenfenster mit Schutzverglasung im hochliegenden Kapellengeschoss. Im mittleren, etwa 1 m vorspringenden Gebäudeteil ein Bogenfenster im Erdgeschoss (Lagerraum), drei schmale Bogenfenster im Sakristeigeschoss. Im zum Pastorat gehörigen Gebäudeteil breites Fenster und Außentür mit Austritt zu Vorplatz und Pfarrgarten, Holztür mit Glaskassetten. Im Obergeschoss drei rechteckige Fenster. Westlich anschließend eingeschossiges Wohngebäude, seine Front etwa 4,40 m gegenüber dem zweigeschossigen Flügel vorgezogen. Im älteren zum Pastorat gehörigen Teil breites dreigeteiltes Fenster, im jüngeren Erweiterungsbau der ‚Kaplanei‘ Außentür zum Pfarrgarten in Verbindung mit Fenster über Brüstung, ferner zwei rechteckige Fenster.
Bestandteil des Denkmals ist auch der Kirchplatz mit dem ornamentalen Pflaster vor der Kirchenfassade sowie die Freifläche östlich und nördlich der Kirche, ferner der Pfarrhof auf der Westseite der Kirche gelegen und von Gemeindebauten im Norden und Süden umschlossen. Seine Freifläche mit Rasen, Beeten und einzelnen Bäumen als Pfarrgarten gestaltet. Außerdem werden alle ortfesten Bodendenkmale einbezogen, die u.U. untertägig im Boden verborgen sind. Bestandteil des Denkmals sind die liturgischen Geräte und anderen Ausstattungsstücke, welche der Gemeinde St. Johann Baptist aus dem Besitz des Carlsstifts in Mülheim überlassen wurden (wohl um 1940). Sie stammen aus der Kapelle der 1889 von der Witwe von Franz Carl Guilleaume gestifteten Einrichtung, in der Kinder von Arbeitern des Carlswerks zunächst von Vincentinerinnen betreut wurden. Bestandteil des Denkmals sind auch die übrigen im Besitz der Kirchengemeinde befindlichen liturgischen Geräte, Reliquiare, Skulpturen, Paramente, Fahnen und historischen Ausstattungsstücke, für die auf das Karteikarteninventar beim Stadtkonservator verwiesen wird.
Bestandteil des Denkmals sind nicht das Vordach an der Kirchenfassade, das in konstruktiver Verbindung mit einem überdachten Zugang zum Kindergarten errichtet wurde, ferner die Vordächer über den Eingängen zu Pfarrbüro und Kaplanei am Jungbornweg sowie die durch Umbau veränderten Gebäude von Kindergarten, Kinderhort und Jugendheim an der Honschaftsstraße. Die offenen Laubengänge der winkelförmigen Anlage wurden 1979/81 geschlossen und in die dahinter liegenden Innenräume einbezogen. Zwischen die Laubenpfeiler wurden Mauerbrüstungen mit Fenstern sowie Fenstertüren eingebaut. Als Baumaterial bzw. zur Verblendung wurden Ziegelsteine (Vormauersteine) verwendet, diese jedoch nicht durch Schlämmen dem Mauerwerk der übrigen Gebäude angeglichen.
Die Pfarrkirche St. Johann Baptist ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die Anfänge der Gemeinde St. Johann Baptist verbinden sich mit dem Fest Peter und Paul 1923, an dem der erste Gottesdienst im Sportheim der Carlswerk A.G. gehalten wurde. In diesem Gebäude (heute Jungbornweg 17) hatte die Firma Felten & Guilleaume einen Raum als Kapelle zur Verfügung gestellt. 1926 wurde aus Teilen der Pfarreien St. Nikolaus in Dünnwald, St. Mariä Himmelfahrt in Holweide und St. Antonius in Mülheim das Rektorat St. Johann Baptist in Höhenhaus gebildet und dieses 1929 zur Rektoratspfarre erhoben. Gottesdienste fanden seit 1928 in einer Barackenkirche aus Holz statt, die man zusammen mit der Einrichtung in Mauenheim erworben hatte und in Höhenhaus auf dem heutigen Schulgelände an der Honschaftsstraße aufstellte. 1932 erhielt diese Notkirche einen Glockenturm.
In der Folgezeit wuchs die Gemeinde stark an, und die Notkirche reichte nicht mehr aus. 1938 wurde der Bau einer Kirche beschlossen und das große Grundstück zwischen Weidenbruch und Jungbornweg an der Honschaftsstraße erworben. Zum Architekten wurde der Kölner Architekt Paul Krücken (1891-1966) bestimmt. Dieser hatte sich 1933-35 am Bau von Eigenheimen an der Honschaftsstraße, dem Heimfried- und Quickbornweg beteiligt, die im Rahmen von Siedlungsprojekten des Rektors von St. Johann Baptist in Höhenhaus entstanden (sog. Pfarrer Jakob Maybaum-Siedlungen). Vom Siedlungsbau abgesehen hatte Krücken mehrere bedeutende romanische Kirchen restauriert. In Köln hatte er die Bauleitung bei den Maßnahmen in St. Georg und St. Maria im Kapitol. 1939 legte Krücken Pläne für die Kirche St. Johann Baptist vor, die wegen Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nicht mehr ausgeführt wurden.
1950 wurde St. Johann Baptist 1950 zur Pfarre erhoben. Es wurde beschlossen die Pfarrkirche in Verbindung mit einem Gemeindezentrum auf dem 1938 erworbenen Grundstück zu errichten. Paul Krücken wurde erneut zum Architekten bestimmt. Er entwarf einen Gesamtplan, der die Kirche mit Pfarr- und Gemeindebauten um einen Hof gruppierte. 1952 wurde zunächst der Kindergarten mit Ziegelsteinen von kriegszerstörten Gebäuden errichtet. 1954 legte man den Grundstein zur Pfarrkirche, ihre Weihe fand am 17. Juli 1955 statt. Im gleichen Jahr wurden der Gebäudekomplex am Jungbornweg mit Kapelle, Sakristei und Pfarrhaus fertiggestellt. 1958 entstand die Kaplanei (heute Wohnung des Diakons) im Anschluss an das Pastorat.
Die 1951 zunächst eingereichten Entwürfe für die Pfarrkirche sahen einen schlichten rechteckigen Langhausbau mit seitlichen Rundbogenfenstern und einem Radfenster in der Fassade vor. Über dem rechteckigen Chorraum sollte sich ein hoher Glockenturm erheben. Der konservative Entwurf, der an romanische Chorturmkirchen erinnert, geht vermutlich auf die Vorentwürfe von 1938/39 zurück. Nach einer erneuten Überarbeitung der Pläne wurde St. Johann Baptist 1954 in Art einer Basilika mit ‚Querhaus‘ und Apsis errichtet. Die Rundpfeiler und der Obergaden des Hauptschiffs stehen jedoch nicht, wie beim basilikalen Schema üblich, parallel zu den Außenmauern, sondern bilden einen spitzen Winkel. Folglich haben auch die Dächer keine regelmäßige Form: Der First des Mittelschiffdachs steigt in Richtung Querhaus an, während das Seitenschiffdach dort am niedrigsten ist und in entgegengesetzter Richtung anwächst. Im Gegensatz zum älteren Entwurf verzichtete Krücken außerdem auf einen Kirchturm. Die Aufgabe eines Glockenträgers wurde stattdessen einem relativ großen Dachreiter auf dem Querhausfirst übertragen.
Beim Kirchengrundriss fällt auf, daß Mittelschiff und Apsis eine tropfenförmige Grundfläche bilden. Diese wird auf beiden Seiten von drei Rundpfeilern begrenzt, die schräg zu den Außenmauern angeordnet sind. Ein historischer Kirchenbau mit vergleichbarer Stützenstellung ist nicht bekannt. Die Tropfenform entstammt dem zeitgenössischen Design und mit diesem Motiv wurden die Fensteröffnungen und die geschmiedeten Gitter der Kirche gestaltet. Es scheint, dass Krücken die Tropfenform auch als Grundmodul des Grundrisses benutzte und das basilikale Schema entsprechend veränderte. Eine architektonische Besonderheit ist ferner der an einen Strebepfeiler erinnernde Turmschacht an der Südostecke der Kirche, der den Aufstieg zu Dachstuhl und Dachreiter ermöglicht. Von der praktischen Funktion abgesehen ist er ein architektonisches Element, das die Fassade verbreitert und ihr zusätzliches Gewicht gibt. In der Seitenansicht bildet der frei aufragende Baukörper ein optisches Gegengewicht zum nördlichen Querhaus.
St. Johann Baptist ist ein bedeutsames Baudenkmal für die Pfarrgemeinde, die seit 1938 eine eigene Kirche zu bauen beabsichtigte. Der repräsentative Bau von Paul Krücken ersetzt eine Notkirche. Er ist die erste Pfarrkirche der Gemeinde. Der auf dem großen Eckgrundstück einer Straßenkreuzung gelegene Baukomplex ist innerhalb der Siedlung von beträchtlicher städtebaulicher Wirkung.
Die Pfarrkirche ist ein charakteristischer Beitrag zur Sakralarchitektur der frühen Nachkriegszeit. Es handelt sich um einen gemäßigt modernen Kirchenbau, welcher die basilikale Grundform frei abwandelt. Ähnlich wie bei der Klosterkirche St. Benedikt von Aniane in Aachen-Kornelimünster, die Krücken unmittelbar vorher 1951-53 errichtet hatte, ist auch St. Johann Baptist von romanischen Basiliken inspiriert. Zugleich lässt sich ein Einfluss des zeitgenössischen Designs nachweisen, das von der Gestaltung der Einzelform abgesehen auch den Grundriss bestimmte. Der architektonische Gesamtentwurf orientiert sich an romanischen Klosteranlagen, welche Kirche und Klostergebäude um einen Innenhof gruppieren. Die Pfarrkirche St. Johann Baptist mit Kapelle, Pfarrbauten und zugehörigem Garten ist ein ungewöhnliches Beispiel für den Sakralbau der 1950er Jahre und ein unverzichtbares Baudenkmal für Höhenhaus und das rechtsrheinische Köln.
Aktennotiz
Keine Bestandteile des Denkmals sind: Kindergarten, Hort und Jugendheim
Winkelförmige Anlage in zwei Bauabschnitten 1952 und 1961 errichtet. Teilweiser Umbau 1971.
Süd- und Ostseiten (Honschaftsstraße)
Kindergarten früher als die Kirche errichtet, Westmauer der Kirche unmittelbar an den west-östlich gerichteten Flügel angrenzend, die Südseiten beider Bauten in einer Flucht gelegen. Zugang vom Kirchplatz über vier Stufen zum angeschütteten Vorplatz, im Norden und Westen von eingeschossigen Bauten eingefasst. Die fünf ursprünglich offenen Lauben der Südfront 1971 durch Einbau von Mauerbrüstungen, Fenstern mit Oberlichtern sowie Fenstertüren in braunen Holzrahmen geschlossen. Der Nord-Süd gerichtete Flügel in zwei Bauabschnitten errichtet. Im älteren Teil zurückgesetzter Eingang mit Glastür in Holzrahmen sowie zwei bei Umbauten zugesetzte Lauben. Der südliche Gebäudeteil aus geschlämmten Ziegelmauerwerk 1960/62 angefügt, sieben rechteckige Fenster mit braunen Holzrahmen. Auf beiden Flügeln der winkelförmigen Anlage Satteldächer mit Pfannen. Auf der Südseite acht, auf der Ostseite sieben verschieferte Dachgauben, weiße Kunststofffenster (ursprünglich zweiflügelige Sprossenfenster).
Nordseite (Innenhof)
Zweigeschossige Front, weiß geschlämmtes Ziegelmauerwerk. Rechteckige Fensteröffnungen: im Erdgeschoss elf größere Fenster in Dreiergruppen angeordnet, braune Holzrahmen mit Oberlichtern; im Obergeschoss 18 schmale Fenster in Zweiergruppen angeordnet, braune Holzrahmen (sämtliche Fenster ursprünglich zweiflügelig und mit einer Quersprosse). Verschieferte Dachgauben mit weißen Kunststofffenstern (ursprünglich zweiflügelige Holzfenster mit Quersprosse).
Westansicht (Im Weidenbruch 117)
Zweigeschossige Front aus geschlämmten Ziegelmauerwerk. Im nördlichen älteren Bauteil im Erdgeschoss fünf Fenster, im Obergeschoss drei in Zweiergruppen angeordnete Fenster sowie eine Dreiergruppe ähnlich wie auf der Gebäudeseite zum Pfarrgarten. Zweiflügelige Eingangstür. Alurahmen mit Drahtglas. Im 1960 angefügten Gebäudeteil im Erdgeschoss sechs, im Obergeschoss neun gleich große Fensteröffnungen axial angeordnet. Braune Holzfenster mit Oberlichtern. Durchgehendes Satteldach aus Pfannen. Drei verschieferte Dachgauben im Altbau, vier Gauben im jüngeren Bau, sämtlich mit weißen Kunststofffenstern.
Südansicht (Im Weidenbruch)
Walmdach aus Pfannen. Im Erd- und Obergeschoss jeweils vier große rechteckige Fensteröffnungen axial angeordnet. Braune Holzfenster mit Oberlichtern. Zwei verschieferte Gauben mit weißen Kunststofffenstern.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0