Wohnhaus
Laudahnstraße 4 · Lindenthal
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8725 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Laudahnstraße 4, 50937 Köln |
| Baujahr | 1951 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 03.11.2008 |
| Stadtteil | Lindenthal |
Erbaut 1951, Architekt Hanns Koerfer, nordöstliches von drei fast identischen Punkthäusern mit zentraler Erschließung, vier Geschosse mit ausgebautem Sockelgeschoss, Flachdach, niedrige Einfriedungsmauer aus Beton mit Hecke.
Straßenfassade (Süden): geschlämmte Backsteinfassade, vom EG bis 3. OG gegliedert durch vier Fensterachsen mit hochrechteckigen zweiflügeligen Fenstern als geschlossenem Mittelelement und je einem geringfügig hervorstehenden Erker an der linken und rechten Gebäudekante, der zur West- und Ostfassade um die Ecke geführt wird, so dass die Häuserecken vollständig verglast sind, Erker mit dreigeteiltem bodentiefem Fenster, davon das äußere mit einem sehr schmalen hochrechteckigen Fenster mit der Fassade verbunden; vor dem unteren Drittel dieser Fenster jeweils ein die Horizontale betonendes, schlichtes fünfreihiges Geländer; in den beiden mittleren Fensterachsen im EG eine Türanlage bestehend aus einer gläsernen, einflügeligen zurückgesetzten Eingangstür flankiert von je einer gleich gestalteten bodentiefen Fenstertür (Quersprosse in der unteren Hälfte), in beiden äußeren Türrahmen Briefkastenschlitze mit Klappen, darüber liegend ein in fünf Elemente aufgeteiltes Fensterband; in der linken Wand neben der Türanlage ein Klingelbrett; rechts und links neben der Türanlage in der Fassade je ein hochrechteckiges zweiflügeliges Fenster, dessen Oberkante mit der Oberkante der Türanlage auf gleicher Höhe liegt; im 1. bis 3. OG jeweils vier ebenfalls hochrechteckige zweiflügelige Fenster, die symmetrisch oberhalb des Hauseingangs und der beiden Fenster angeordnet sind (alle Fenster und Türanlage erneuert, dem Original angeglichen); Hauseingang oberhalb von zunächst zwei von einer niedrigen Einfassungsmauer seitlich gefassten Blockstufen, die ein großes, flaches Podest bilden; eine weitere flache Stufe aus Travertin führt zur Türanlage; rechts und links neben dem Hauseingang jeweils drei kleinere annähernd quadratische Fenster mit Vergitterung; Sockelgeschoss voll ausgebaut, Wohnnutzung; voll unterkellert; Flachdach mit umlaufendem Dachüberstand.
Westfassade: geschlämmte Backsteinfassade, vom EG bis 3. OG gleichmäßig gegliedert durch drei Fensterachsen mit querrechteckigen zweiflügeligen Fenstern (Fenster erneuert mit anderer Aufteilung, vorher dreiflügelig); im EG bis 3. OG an der südlichen Gebäudekante der o. g. Erker; an der nördlichen Gebäudekante ein geringfügig vorgezogenes, dreigeteiltes bodentiefes Fenster mit Geländer in gleicher Ausführung wie der Erker; im Sockelgeschoss eine Eingangstür und vier horizontal vergitterte, annähernd quadratische Fenster, wobei in der südlichen Achse ein Fenster ist, in der mittleren Achse zwei und in der nördlichen Achse eine Tür und ein Fenster; alle Fenster und Tür erneuert, dem Original angeglichen.
Hoffassade (Norden): geschlämmte Backsteinfassade, vom EG bis 3. OG gegliedert durch zwei Fensterachsen mit hochrechteckigen zweiflügeligen Fenstern und angrenzender hochrechteckiger Loggienöffnung (jeweils spiegelverkehrt) als Mittelelement; Loggia an das Fenster angrenzend mit einem Fenster verglast; im Sockelgeschoss acht horizontal vergitterte, annähernd quadratische Fenster in gleichen Abständen über den Sockel verteilt (alle Fenster erneuert, dem Original angeglichen).
Ostfassade: geschlämmte Backsteinfassade, vom EG bis 3. OG gleichmäßig gegliedert durch drei Fensterachsen mit querrechteckigen zweiflügeligen Fenstern (Fenster erneuert mit anderer Aufteilung, vorher dreiflügelig); EG bis 3. OG an der südlichen Gebäudekante der o. g. Erker; an der nördlichen Gebäudekante ein geringfügig vorgezogenes, dreigeteiltes bodentiefes Fenster mit Geländer in gleicher Ausführung wie der Erker; im Sockelgeschoss fünf horizontal vergitterte, annähernd quadratische Fenster, wobei, analog zur Westfassade, in der südlichen Achse ein Fenster eingebaut ist, in der mittleren Achse zwei sowie in der nördlichen Achse zwei Fenster.
Im Inneren original erhalten: Grundrisse (pro Etage im EG bis 3. OG ein Appartement, eine Zweizimmer-Wohnung, drei Dreizimmer-Wohnungen); breite einläufige Treppe mit Terrazzobelag und an der Wand montiertem Handlauf aus (rotem) Mipolam, die zu einer ovalen, zweiläufigen Betontreppe mit Richtungswechsel führt, ebenfalls mit Terrazzobelag; Geländer in der Form aneinandergereihter Dreiecke, die abwechselnd auf der Basis und der Spitze stehen, und Handlauf aus Messing; Hausflur: Bodenbelag aus Terrazzo, Wände glatt verputzt; in den Wohnungen teilweise Bodenbelag (Stäbchenparkett), Einbauschränke in der Diele und der Loggia sowie Türen (einflügelig aus Vollholz oder Holz mit Glasfüllung) und Türdrücker; Lichtkuppel (erneuert, dem Original angeglichen); Betontreppe zum Sockelgeschoss mit Kunststoffbelag (Travertin-Nachbildung), an der Wand montiertes Eisengeländer (runder Handlauf); im Sockelgeschoss: Hausflur ebenfalls mit Kunststoffbelag (Travertin-Nachbildung), einflügelige, glatte Wohnungseingangstüren überwiegend original mit Spion, Türdrücker erneuert; Treppe zum Keller aus Beton, an der Wand montiertes Eisengeländer (runder Handlauf); Keller: Böden und Decken aus Beton, Wände aus Beton und Backstein.
Das Gebäude Laudahnstraße 4 ist bedeutend für die Geschichte der Menschen sowie für Lindenthal und Köln, da es mit zu den besonders qualitätvollen Bauten des Wiederaufbaues nach dem Zweiten Weltkrieg gehört, in dessen Verlauf Lindenthal durch seine Lage in der Einflugschneise der Bomber erheblich zerstört wurde:
Der schon 1888 eingemeindete Stadtteil hatte seine Hauptentwicklungszeit im 19. Jahrhundert. In seinem heutigen Gebiet gab es wie in keinem anderen Kölner Stadtgebiet schon seit Jahrhunderten eine Vielzahl von unterschiedlich großen Dörfern wie z. B. Kriel, Lind etc. Diese alten Ortskerne sind heute noch vage zu erkennen. Die Entwicklung des gesamten Bereiches zu einem Vorort Kölns wurde von den Kölner Bürgern Fühling und Thelen initiiert, die in den 1840er Jahren ein etwa 40 Morgen umfassendes Areal erwarben und es durch Wege und Straßen zuerst für Schrebergärten und ab 1846 für Wohnhäuser erschlossen. Dank der günstigen Bodenpreise wurde für das Gebiet eine starke Durchgrünung bestimmend, die zusammen mit der Tatsache der kaum vorhandenen Industriebetriebe auch dazu führte, dass sich in Lindenthal wohlhabende Bürger niederließen. So setzte schon vor der Eingemeindung eine Villenbebauung ein, die ihren Höhepunkt kurz nach der Jahrhundertwende hatte. Unterstützt wurde diese Entwicklung noch durch die Gründung der Klinik Lindenburg im Jahre 1848 und die Anlage des Stadtwaldes zwischen 1895-98 sowie abschließend die Gründung der Universitätsklinik. Das Bild dieses Stadtteils ist äußerst vielseitig und zeigt neben reinen Villengebieten ländliche Bereiche ebenso wie vorstädtische mit einer sehr schlichten Bebauung. Die Zülpicher Straße, die sich zwischen Universitätsstraße und Lindenthal- bzw. Sülzgürtel erstreckt, wie auch die Kerpener Straße und die dazwischen liegende Laudahnstraße gehören in das strenge Straßenraster eines Fluchtlinienplanes, in dessen zweiter Entwicklungsstufe viele Gebäude im Stil des Historismus entstanden. Die Erschließung dieses Gebietes setzte nach der Jahrhundertwende ein als die Kölner Neustadt nahezu vollendet war und somit weitere Areale für stadtnahes Wohnen erschlossen werden mussten.
Wissenschaftliche, insbesondere baugeschichtliche Gründe liegen für die Erhaltung und Nutzung des o. g. Objektes vor, da es ein wichtiges Zeugnis für eine Architekturströmung nach dem Zweiten Weltkrieg ist, die in der Tradition des Neuen Bauens steht. Dazu zählen die aufgeglasten Gebäudeecken und die Flachdächer. Es ist ferner von besonderer Bedeutung, da es zu den ersten deutschen Beispielen dieses damals u. a. in Schweden populären Haustypus, dem Punkthaus, zählt, der zur Zeit seiner Erbauung durch seine außerordentliche Leichtigkeit und Luftigkeit sowie die gute innere Organisation Beachtung fand: So bietet es mit seinen um den Treppenschacht angeordneten Familien- und Einzelwohnungen – eine Besonderheit war damals das sog. Junggesellenzimmer, das zwischen den beiden vorderen Wohnungen platziert wurde – eine vorteilhafte Bodenausnutzung und freien Ausblick nach allen Seiten. Auch konnte durch die Konstruktion als Einzelhaus auf weitere Treppenhäuser verzichtet werden, und die Nord-Südlage erlaubte eine optimale Raumaufteilung der Wohnungen. Bei der geschlossenen Bauweise wäre dies so nicht durchführbar gewesen. Ein vielgeschossiges Punkthaus (Hochhaus) – wie damals aus Schweden bekannt und vom Architekten eigentlich intendiert – konnte in der Laudahnstraße aus städtebaulichen sowie aus statischen Gründen (aufgrund des angeschütteten Bodens) nicht realisiert werden.
Als ein früher Vertreter dieses Haustypus des Punkthauses in Deutschland ist das o. g. Gebäude Laudahnstraße 4 unverzichtbar. Es ist deshalb unbedingt erhaltenswert.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0