Wohnhaus
Weißenburgstraße 51 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_0763 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Weißenburgstraße 51, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1913 bis 1914 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.09.1981 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Das 1913/14 von Baumeister Otto Reusteck senior gebaute, dreiteilige Miethaus ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Ortsgeschichtlich ist das o.g. Wohnhaus Zeugnis der zweiten Welle des Stadtausbaus von Köln nach seiner Erweiterung und Neuplanung nach 1881. Im Zeitraum von 1900 bis 1914 stieg die Stadtbevölkerung von 367.000 auf 635.000 Einwohner, wobei das größte Wachstum auf das heutige Gebiet der Neustadt konzentriert war. Für die hier von 80.000 auf 124.000 in kurzer Zeit gestiegene Einwohnerzahl wurden 119.000 neue Wohnungen, zumeist mit drei bis fünf Zimmern, in vier- und mehrstöckigen Miethäusern für gehobene Ansprüche, gebaut. Die von der Agneskirche neben dem neu gebauten Justizpalast geführte und bis zur Riehler Straße reichende, von beiden Seiten der Parkanlage bebauten Wohnachse der Weißenburgstraße weist viele der schönsten Beispiele der neu gewachsenen Wohnansprüche innerhalb der Nordgebiete Kölns vor.
Baukünstlerisch bezeugt das fünfgeschossige, kräftige Bauobjekt mit fünf Achsen und Hinterhofwohnanlagen den Übergang von der Stilistik des Historismus, der noch einzelne Wohnhäuser, besonders am Anfang der Straße, charakterisiert, zur funktionalistischen Moderne. Die schon ziemlich vereinfachten und flachen, traditionellen Verzierungen der Fassade, z.B. die Wellenstriche mit Oberlicht bei der Toreinfahrt und Eingangstüren des Erdgeschosses, sowie die punktuelle Rhythmik der Seitenverzierung des kräftigen Erkers mit Balkonaufsatz und andere, traditionelle Bauzitate, spielen hier schon eine untergeordnete Nebenrolle. Das Hauptgewicht der Gestaltung ist an dem Grundriß einzelner Wohnungen und den neuen Bedürfnissen an die Wohnfläche und den Komfort belegt. Die breiten, in den Mittelachsen dreiteiligen, an den Seiten zweiteiligen, hohen und geraden Fenster entsprechen den neuen Ansprüchen an maximale Belichtung und Durchlüftung. Der kleine Sprossenrhythmus der Fenster, der Dachgiebel und die Gesimseführung dienen der optischen Anpassung des Hauses an die schon bebaute Umgebung.
Die flachen Stützbogeneinschnitte und kassettierte Wende der Einfahrtszone zu den Hinterhofanlagen sowie die Wölbungen des durch schöne Marmorstufen eingeleiteten Foyers wiederholen die geometrisierende Haupttendenz der Fassadengestaltung. Die Terrazzotreppe ist mit Schmiedeeisengittern und Handlauf aus Holz begleitet. Die dreiteiligen Fenster des Treppenhauses bewahren an den engeren Seiteneinschnitten in farbigen Bleiglaseinschnitten die Grundmuster aus der Erstbebauungszeit.
In den Zimmern zur Straße sind Stuckdecken mit Seitenrahmung und Rosettenmuster erhalten geblieben; nur im dritten Stockwerk sind die Decken abgehängt worden. Auch die stilgerechten Füllungstüren mit Oberlicht sowie die entsprechenden Abschlußtüren sind in einzelnen Wohnungen noch vorhanden. Die mit Balkonen an allen Geschossen versehenen, zwei kompakten Wohnanlagen der Hofseite waren im Krieg ziemlich zerstört. Die ursprüngliche Straßenteilung der Fenster und Fenstertüren sowie andere, originelle Bauzitate sind so nur an den unteren Stockwerken zu finden. Die einfachen Putzfassaden sind hier noch funktioneller und so moderner aufgefaßt.
Städtebaulich bekräftigen sich einzelne Baugedanken und -gliederungen durch das ebenfalls von Otto Reusteck senior etwas später konzipierte Nebenhaus Nr. 53. Die kompakt wirkenden, jedoch individuell gestalteten Einzelbauwerke werden additiv aneinandergereiht und bilden eine zusammenhängende Fassadenzeile mit den anderen Bauobjekten aus der Jahrhundertwende. Das Phänomen des Zeitwandels von Historismus zur Moderne ist hier nicht als Bruch sondern als Ergänzung und Umwandlung der historischen Einheit und Tradition verstanden.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0