Wohnhaus

Riehler Platz 3 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1257
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Riehler Platz 3, 50668 Köln
Baujahrum 1905 bis 1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 10.01.1983
Stadtteil Neustadt/Nord

Das Objekt ist um 1905/06 als viergeschossiges Wohnhaus mit vier Achsen, einem Giebelgeschoß, einem Mittelrisalit mit Balkon, einem Vorgarten mit Zaun und einer Stuckfassade errichtet worden.

Der aus der Mitte zum Hauseingang hin gerückte Risalit betont das Treppenhaus vertikal, begünstigt die Belichtung der Sockelgeschosse, vor allem des Souterrain, und bindet mit dem Balkon in Traufhöhe das Dachgeschoß mit der dreiteiligen Silhouette der Giebelfelder über dem Traufgesims in die Fassade ein. Die Wirkung des unteren, sockelartigen Gebäudeteils, bestehend aus erstem Obergeschoß, Souterrain, wobei der Vorgarten integrierter Bestandteil ist, wird durch die Gegensätze von Schwere und Leichtigkeit bestimmt. Das erste Obergeschoß, das mit Rustika und Abschlußgesims seine tragende Funktion zum Ausdruck bringt, ruht scheinbar schwerelos auf dem relativ glatten Sockelband des Souterrains, das aus der Vegetation des Vorgartens empor zu wachsen scheint. Die Vergitterung der Souterrain-Fenster korrespondiert mit den bogenförmigen Stahlgittern des Vorgartenzauns. Die Fenster des Souterrains überspannen die Brüstungen der Fenster des ersten Obergeschosses bis zur Sohlbank. Dadurch wird der Lichteinfall zum Souterrain vergrößert und das starkwandige Mauerwerk der Basis stärker aufgelöst als in den hoch liegenden Geschossen. Durch starke Ausprägung der Sohlbankgesimse scheint das Mauerwerk hinter den Brüstungsfeldern empor zu wachsen, wobei sinngemäß die Giebelfelder des Dachgeschosses hinter dem Dachsims, das Giebelfeld über dem Risalit hinter der Balkonbrüstung empor zu wachsen scheinen. Dachfriese und -gesimse und entsprechend die Balkonbrüstung auf dem Risalit werden wie Architrave von bandartigen Pilastern getragen, deren rustizierte Basen auf dem Abschlußsims des ersten Obergeschosses stehen. In diese, über drei Geschosse hinreichende, nach unten offenen U-Formen, sind zur Betonung des zweiten Obergeschosses kleinere, geometrisch ähnliche U-Formen hineingestellt, bei denen der Architrav durch die Felder der Brüstungsfriese des dritten Obergeschosses gebildet werden.

Die Bodenhöhe des Eingangs liegt abgesenkt zwischen der Straßenhöhe und der des Souterrains. Zur ausgleichenden Betonung der Eingangssituation ist die Maueröffnung des Hauseingangs durch enge Verbindung mit der Maueröffnung des darüber liegenden Fensters nach oben hin optisch erweitert. Mit seinen strengen Stuckformen, dem Terrazzoboden, dem originalen Glas- und Holzwerk der Haustüre und der Abschlußtüre des Souterrains führt der Hausflur zu geraden Treppenläufen mit angewendelten Anfangs- und Endstufen, Holzhandlauf mit Holzstäben und originalen Wohnungsabschlußtüren. Die Etagen enthalten vereinzelt, hauptsächlich im Hochparterre, Deckenstuck mit flachen, gerieften Tapeten- und Deckenfeldleisten, Hohlkehle und an den Ecken Pflanzenornamente (zum Teil durch untergehängte Decken verdeckt), originales Holzwerk (Türblätter - zum Teil zweiflügelig - Laibungen, profilierte Rahmen mit eingelassenen Eckplatten, profilierte Fußleisten), Parkett in den vorderen Räumen und zum Teil Wandfliesen in den Küchen.

Der gelb geklinkerten Rückfront ist an der linken Grenze ein Risalit von geringer Tiefe vorgelegt.

Das Wohnhaus ist durch seine architektonischen Wesensmerkmale und dekorativen Details ein Dokument der Epoche des Jugendstils. Als ein über zwei Ecken halbiertes und mit der offenen Seite an die Verkehrsachse der Riehler Straße gelegtes Sechseck fängt der Riehler Platz die Einmündungen der Straßen Am Zuckerberg und Blumenthalstraße auf. Das Gebäude hat durch die achsige Lage in der zur Riehler Straße parallelen Platzfront eine zentrale Position. Die Architektur geht teilweise auf die geometrische Strenge des Platzes ein und begibt sich zugleich mit seinen Jugendstil-Elementen gemeinsam mit dem Baumbestand des Platzes hierzu in liebenswürdigen Gegensatz. Die städtebauliche Gestaltung des Riehler Platzes ist ein Dokument der Neustadtplanung aus dem Jahr 1880 von Henrici und Stübben, die 1881 vom Rat der Stadt verabschiedet und in den darauf folgenden Jahren realisiert wurde.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0