Wohn- u. Geschäftshaus

Deutzer Freiheit 76 · Deutz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1445
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Deutzer Freiheit 76, 50679 Köln
Baujahrum 1880 bis 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 14.04.1983
Stadtteil Deutz

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Deutz, da es den repräsentativ gewordenen Charakter der Deutzer Hauptstraße vom Ende des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Wegen der günstigen Lage wurde Deutz zum Eisenbahnknoten (1856) und erfuhr danach einen Aufschwung, der sich in einem Bevölkerungszuwachs und demzufolge einer regen Bautätigkeit wahrnehmbar machte. Der zunehmend repräsentative Ausbau der damaligen Freiheitsstraße in der Nähe der neuen Heribert Kirche erfolgte in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Das viergeschossige Wohn- und Geschäftshaus (gebaut um 1890) bietet in seiner einachsigen Fassade eine Reihe von ästhetischen und dekorativen Elementen an, die seinen repräsentativen Charakter hervorheben. Der dominierende Faktor seines Erscheinungsbildes ist die Vertikalität, die nicht nur durch den schmalen Grundriß des Baugrundstücks verursacht sondern gezielt vom Architekt hervorgehoben wurde. Der turmartige Aufbau einzelner Geschosse wird durch die nach oben immer schmaler, dafür höher werdenden Fenster bzw. Balkontüre und die immer weiter in die Mitte sich erstreckende, horizontale Bänderung ästhetisch verstärkt, so daß die optische die tatsächliche Höhe des Gebäudes übersteigt. Horizontal weist die Fassade drei Zonen auf:

- Das Erdgeschoß mit einem großen Schaufenster und Eingangstüre, die beide mit ihren Oberlichtzonen bis zu einem breiten Gurtgesims reichen und durch drei gußeiserne Zierstützen gegliedert sind. Unter dem breiten Schaufenster befindet sich eine große Segmentbogenluke in den Keller.

- Das erste Obergeschoß mit einer fast die ganze Fassadenbreite einnehmenden Fensterfront. Auch hier werden die einzelnen Fenster von einander durch gußeiserne Zierstützen getrennt, die gleichzeitig in zwei große Zierkonsolen überwachsen, von denen ein gebrochener Erker getragen wird. Der Erkerboden entwächst dem das erste Obergeschoß abschließenden Gurtgesims, dessen plastischer Teil er gleichzeitig ist.

- Die Zone des zweiten (Erker) und dritten Obergeschosses (Balkon mit zwei Fenstern, einer Balkontüre und Schmiedeeisengitter), die mit einem Konsolen-Kranzgesims abgeschlossen ist.

Der äußeren Repräsentations-Pracht nachstehend bietet das Innere des Hauses eine eher bescheidene Ausstattung: Eine schmale Holztreppe und Terrazzofußboden im schmalen Eingangsflur. Die schmale Grundrißform des Hauses ergibt die ins Treppenhaus offene Wohnungsverteilung: Je ein Zimmer zur Straße und je eins in den Hinterhof, dazwischen ein Treppenhausflur.

Eine Besonderheit - zumindest in Kürze - stellt die Zurschaustellung von konstruktiven Bauelementen (gußeiserne Stützen in Erd- und erstem Obergeschoß) dar, die in den Fassadendekor integriert sind.

Städtebaulich bezeugt das Haus den gemischten Charakter der Deutzer Hauptstraße als eines Verkehrs-, Geschäfts- und Wohnzentrums. Das heute auffallende Erscheinungsbild des Hauses als eines "Plans" ist zwar auf die Zerstörung der beiden Nachbarhäuser im Krieg zurückzuführen, sie gibt jedoch - wenn auch in einer teilweise verzerrten Form - den ehemaligen Bildcharakter der Freiheitsstraße des späten 19. Jahrhunderts wieder: Neben (auch giebelständigen) ein- bis zweigeschossigen Häusern (Nr. 16,18,54,57) befanden sich vor allem dreigeschossige Bauten unterschiedlicher Höhe und nur ausnahmsweise höhere Gebäude mit vier oder fünf Stockwerken (Nr. 36-44, 72-78), bezeichnenderweise in der Nähe der neuen Heribert Kirche.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0