Wohnhaus
Mathildenstraße 10 · Deutz
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2782 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Mathildenstraße 10, 50679 Köln |
| Baujahr | um 1870 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 27.12.1984 |
| Stadtteil | Deutz |
Das Gebäude Mathildenstraße 10 wurde um 1870 als dreieinhalbgeschossiges, dreiachsiges Wohn- und Geschäftshaus mit einer Stuckfassade errichtet.
Durch seine strategisch wichtige Lage war Deutz von Anbeginn aufs engste mit der Kölner Stadtgeschichte verbunden. Die um 310 unter Constantin dem Großen errichteten Mauern des römischen Rückenkopfs umschlossen vor der Mitte des 5. Jh. einen fränkischen Königshof und ab dem Jahre 1000 etwa die Benediktinerabtei St. Maria als Keimzellen eigenen Gemeinwesens, das zu einer blühenden, mittelalterlichen Stadt heranwuchs. In den folgenden Jahrhunderten führten die anhaltenden Konflikte zwischen dem Erzbistum Köln, der Reichsstadt Köln und den Grafen, später Herzögen, Berg zu häufiger, oft völliger Zerstörung des Orts. Im dreißigjährigen Krieg erweiterte die Reichsstadt ihre Wehranlage mit einer Stadtmauer um Deutz, die 1648 nach Beendigung des Kriegs von den Kölnern wieder abgerissen wurde und Deutz gegenüber dem gesicherten Köln schutzlos offen ließ. Erst nach Zugliederung an Preußen im Jahre 1815 wurde Deutz durch eine Schiffsbrücke mit Köln verbunden und erhielt im Zuge des Gesamtausbaus der Kölner Befestigung einen Befestigungsring, an dessen Stelle, durch die technische Entwicklung überholt, 1907 die Ringstraßen angelegt wurden. Die stürmische industrielle Entwicklung des 19. Jh. vollzog sich hauptsächlich in den Freiräumen um Deutz für Bahn-, Fabrik- und Hafenanlagen als Quelle neuen Wohlstands. Deutz wurde 1856 zur Stadt erhoben, durch weitere Brücken mit Köln verbunden und 1888 nach Köln eingemeindet. Die nach klassizistischer Planungsauffassung geradlinig geführte Mathildenstraße verbindet die Helenenwallstraße und die denkmalwerte Grünanlage längs der Straße an der Bastion im Süden mit der Deutzer Freiheit, dem Rückgrat der Stadtviertels. Die den Straßenzug der Mathildenstraße an der gegenüberliegenden Seite der Deutzer Freiheit weiterführende Düppelstraße schließt den Straßenraum der Mathildenstraße optisch durch ihre sich nach Westen wendende Krümmung. Die an der Deutzer Freiheit platzartige Erweiterung der Düppelstraße umschließt die rechtwinklige Einmündung der Mathildenstraße in die Deutzer Freiheit. Das Gefälle des Straßenniveaus von der Arnoldstraße zum Ausblick in die Grünfläche an der Bastion erinnert an die Geländebewegung ehemaliger Befestigungsanlagen. Die dreigeschossige Altbausubstanz steht mit verdichtetem, unterschiedlich breitem Straßenquerschnitt im Gegensatz zur Weite des parkartigen Raums innerhalb des Baublocks zwischen der Mathilden-, Adolph-, Tempelstraße und der Deutzer Freiheit. Die Mathildenstraße liegt im Zentrum von Deutz unweit der Deutzer Freiheit. Der lückenlose Straßenabschnitt mit den beidseitigen Hausreihen Nr. 10 bis 22 und Nr. 17 bis 29 hat den Charakter des Straßenraums aus der Gründerzeit bewahrt. Von der ursprünglichen Fassadenarchitektur sind der Erdsockel, das Sockelgesims über dem EG, die Haustür, die Fenster des Ladens und der OGs erhalten. Ein Vorkriegsfoto zeigt die Stuckgliederung der heute ebenen Putzflächen. Haustür und Ladenfenster waren umrahmt, die Mauerpfeiler am EG rustiziert. Unter dem Sockelgesims wurden die Sturzflächen von einem erhabenen, aufgelegten Band als Schriftträger für den Laden zusammengefaßt. Die durchlaufenden Fensterbankgesimse der OGs nehmen von Geschoß zu Geschoß an Umfang und Kragweite zu. Die Fensteröffnungen der OGs waren umrahmt und mit balkenförmigen Einzelgesimsen überdacht. Die Sturzflächen trugen eine mit Rahmen und Überdachungen seitlich bündige Putzvorlage. Die Rückseite des Hauses und die Umfriedung des Hofs bestehen aus rotem Backstein. Die bis auf wenige Ausnahmen ursprünglichen Fenster und die ursprüngliche Hoftür ergänzen das Mauerwerk zu einer für ihre Zeit typischen Rückfront. Unmittelbar vor der Haustür führen zwei Basaltstufen mit profilierten Vorderkanten auf die Ebene des Hausflurs. Die Haustür besteht aus einem Oberlicht, einem Kämpfergesims und zwei Türflügeln. Die Türblätter setzen sich aus Rahmungen mit Fußbrettern, je zwei stehenden Rechteckfüllungen mit konzentrisch nach innen abgetreppten Rahmenprofilen, die im unteren Bereich konzentrisch erhabene Mittelfelder, darüber hohe Rechteckfüllungen aus Ornamentglas einfassen. Die vertikale Mitte bildet eine seitlich abgeschrägtes Schlagleiste mit Sockelprofil. Die Ladenfenster schließen mit bandförmigen Oberlichtern, Reihungen aus fünf quadratischen Scheiben zwischen schmalen Sprossen, an die scheitrechten Stürze an. Die Fenster der OGs bestehen aus zwei dreischeibige Drehflügeln, einem vorkragenden Kämpfer und einem vertikal halbierten Oberlicht. Die nichttragenden Innenwände des Hauses werden aus Holzfachwerk mit Backsteinausfachungen gebildet. Der Keller besteht aus zwei in Backstein gemauerten Tonnengewölben, deren Achsen parallel zur Straßenachse liegen. Die Verbindung zwischen den Tonnen stellen zwei mit scheitrechten Kappen überdeckte Gänge her. Zu den Kellerfenstern, zwei an der Straßenseite und einem an der Hofseite, führen steigende Mauerhälse. Der Boden den Hausflurs besteht aus quadratischen Fliesen. Der gitterartige Dekor setzt sich aus einteiligen Elementen zusammen. Auf hellgrauem Grund sind auf eine Ecke ein kreisrunder, türkisfarbener Punkt und parallel längs der ausschließenden Seiten je ein türkisfarbener Balken gesetzt. Die Dekorelemente sind so gelegt, daß sich an den Fugenkreuzen entweder vier Ecken ohne Zeichnung, vier Punkte oder vier Balkenenden treffen. Den Bodenspiegel umschließt eine schmale Innenrahmung in Türkis und eine graue Randrahmung. Die Mitte des rechten Wandfelds zwischen der Haustür und dem halbkreisförmigen Stützbogen wird von einer breiten, einflügeligen Tür gebildet. Das Türblatt mit einem schmalen, liegenden Mittelfeld, dem sich nach oben und unten je ein quadratisches Feld anschließt, wird von einem profilierten Rahmen mit Sockel umgeben. Hinter dem Stützbogen setzt das Treppenhaus die Breite und den Bodendekor des Hausflurs fort. An seiner Rückwand führen zwei Basaltstufen zum Podest vor der Hoftür. Die gerade, zwei- und gegenläufige, rechtswendende Holztreppe mit vorderen, profilierten Überständen der Trittstufen und einer seitlich abgerundeten Antrittsstufe trägt ein Holzgeländer mit Holzhandlauf. Die gerahmten Wangen tragen der Länge nach erhabene, von Kreisen unterbrochene Bänder als Spiegel. In den Wohnungen sind die Dielenböden und einige Türen mit Türfutter und Rahmen aus der Erbauungszeit erhalten. Die Denkmalwürdigkeit wird durch die Absicht der Hauseigentümerin unterstrichen, die zerstörten Teile der ursprünglichen Fassadengliederung zu rekonstruieren.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0