Wohn- u. Geschäftshaus

Friesenwall 76 · Altstadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1564
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Friesenwall 76, 50672 Köln
Baujahrum 1885 bis 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 02.08.1983
Stadtteil Altstadt/Nord

Das Gebäude wurde um 1885 bis 1890 als viergeschossiges, zweiachsiges Wohn- und Geschäftshaus mit einer durch Stuckelemente gegliederten Klinkerfassade errichtet.

Die horizontal ausgerichteten Elemente der architektonischen Gliederung, wie das stark auskragende Dachgesims und die ebenfalls stark ausgeprägten Stockwerkgesimse zwischen dem ersten und zweiten, zweiten und dritten Obergeschoß in Kombination mit den besonders stark ausgeprägten Überdachungen der beiden Fenster am zweiten und dritten Obergeschoß, werden sowohl von der Fassadengliederung des rechten Nachbarhauses (Ruine, Straßenfront erhalten) als auch von der des linken Nachbarhauses (Eckhaus, drei Achsen zum Friesenwall hin) aufgenommen und fortgeführt, wodurch eine feste Einbindung in beide Nachbarhäuser gegeben ist. Dieser Zusammenhang wird durch die in dieser Hinsicht gegensätzliche Architektur des Hauses Friesenwall 72 (abweichende Lage der Geschoßebenen, dominierende Betonung der Vertikalen) unterbrochen und damit nicht weiter fortgeführt. Als schmaler, mittlerer Teil innerhalb der vorgenannten Einbindung übernimmt das Gebäude die Aufgabe einer vertikalen Symmetrieachse durch reich gestaltete, vertikal betonte Fensterrahmungen, durch die im Gegensatz zu den Nachbarhäusern besonders weit vorkragenden Fensterüberdachungen auf volutenförmigen Konsolen (am ersten Obergeschoß Rundbogen, am zweiten Dreieckgiebel) und eine zentrale, ädikula-artig ausgebildete Dachgaube, die an ihrer Basis durch seitliche Voluten verbreitert ist und als oberen Abschluß mit einer gebrochenen, halbrunden Übergiebelung den Höhepunkt der Silhouette markiert, gerahmt und unterstrichen durch Hochmauerung der Brandwandfirste und deren rückwärtige Seiten ist. Die Fenster (Blendrahmen, Flügelrahmen, Sprossenteilungen) am ersten bis dritten Obergeschoß (die der Rückansicht größtenteils) sind original.

Das Treppenhaus liegt längs einem schmalen, mit einer Klinkermauer zum rechten Nachbarn hin abgegrenzten Hof zwischen Vorderhaus und Anbau. Die zweiläufige Treppenanlage mit den Anbau-Zugängen an den Zwischenpodesten ist ganz in Holz ausgeführt. Der Hausflur vor dem halbrunden Stützbogen auf Mauervorlagen und der Treppenhausboden sind mit farbigen Fliesen ausgelegt (vier Fliesen bilden je ein stilisiertes Blumenmuster, kombiniert mit geometrischen Ornamenten, Randrahmung aus stilisiertem Bandmuster; Gesamtfarbgebung grauweiß-rotbraun mit hellblau und hellbraun).

Die Architektur des Gebäudes besteht aus einer ungewöhnlich weitgehenden Verschmelzung der Ausdrucksformen des Klassizismus und der Renaissance.

Die auf der Altstadtseite parallel in den Ringen verlaufenden Wallstraßen führten, wie am Beispiel des am Hansaring erhaltenen Teilstücks der mittelalterlichen Stadtmauer zu sehen ist, entlang der hinter der Stadtmauer liegenden und die Mauer nach innen hin stützenden Wallanlagen, die es erlaubten, die Verteidigungskräfte in Nähe der Zinnen aufzubauen. Nach Abbruch der Stadtmauer seit 1881 und der damit eingeleiteten vierten Stadterweiterung gemäß der Planung des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben, wurde anstelle der Wallanlagen die gegenüber liegende Straßenseite mit Wohnhäusern bebaut. Die bei der gegebenen, viergeschossigen Bebauung größere Höhe als Breite des Straßenraums ist im Süden durch die Seitenansicht der Hahnentorburg und im Norden, jenseits der Kreuzung durch die Magnusstraße und Friesenstraße, durch die Bebauung des Hildeboldplatzes und durch eine geringfügige Abknickung des Teilstücks zwischen Friesenstraße und Hildeboldplatz geschlossen.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0