Wohn- u. Geschäftshaus
Friesenwall 66 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7497 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Friesenwall 66, 50672 Köln |
| Baujahr | um 1885 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.05.1995 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Erbaut um 1885, auf unregelmäßiger Grundfläche, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 2 Achsen, Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in Formen
der Neurenaissance, im Erdgeschoß Ladenlokal (verändert), Eingang und Fenster mit geradem oberen Abschluß, Fenster paarweise zusammengefaßt, originale zweiflügelige Eingangstür mit Oberlicht, straßenseitige Fenster zum großen Teil erneuert. Rückseite: Backstein, verputzt, einachsig, segmentbogig abschließende Fenster, zum Teil original erhalten. Im Innern: Vestibül: Stuckdecke, links originale Eingangstür zum Ladenlokal mit waagrechter Verdachung in Stuck, Durchgang zum Treppenhaus mit originaler Zwischentür und Oberlicht, zweiläufige Holztreppe mit Antrittspfosten und Handlauf, offene Treppenleiter in Holz zum Spitzboden, Podeste mit Holzdielenböden, Wohnungseingangstüren zum Teil original. In den Wohnungen: Holzdielenböden, Gewände und Türen zum Teil original.
Der rückwärtige Hof-/Gartenbereich ist von einer originalen Einfriedungsmauer in Backstein gefaßt. Das anschließende Grundstück mit Parkplatzfläche ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die in der Kölner Altstadt verheerende Verluste der historischen Baukultur zur Folge hatten, wurden weite Teile der gebauten Umwelt, insbesondere die Altstadt prägende Architektur des späten 19. Jahrhunderts aufgegeben. Den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Nachkriegs-zeit entsprechend schuf man durch eine großzügige Planung ausgedehnte Freiflächen, die eine großräumige Gestaltung zur Folge hatte. Der Straßendurchbruch Nord-Süd-Fahrt mitten durch die Altstadt und seine architektonische Fassung führten weitgehend zu einer Entwertung des historisch gewachsenen Stadtgrundrisses und zu großmaßstäblich geplanter Bebauung. Im Bereich zwischen den Verkehrsachsen Hahnenstraße/ Roncalliplatz und parallel zum Hohenzollern-/Habsburgerring liegt der Friesenwall mit Wohn- und Mietwohnbebauung sowie gewerblicher Gebäudenutzung auf gewachsenen ursprünglich kleinteiligen Parzellen mit relativ alter Bausubstanz sowie einer Vielzahl dreigeschossiger Nachkriegsneu- und Wiederaufbauten. Der Friesenwall zwischen Ehren- und Palmstraße weist im Gegensatz zu der stark kriegszerstörten Ehrenstraße mit zahlreichen Gebäudeverlusten eine weitgehend intakte Zeilenbebauung des späten 19. Jahrhunderts auf. In diesem Ensemblebereich des 19. Jahrhunderts zwischen Ehren- und Palmstraße kommt dem Gebäude Friesenwall 66 mit nur wenigen weiteren Gebäuden der Entstehungszeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besondere Bedeutung zu. Das für die Kölner Stadtarchitektur typische, rheinischer Bautradition verpflichtete schmale Gebäude mit langgestrecktem rückwärtigen Grundstück weist aufwendig gestaltete Renaissanceschmuckformen in Stuck an der Backsteinfassade auf. Sowohl die profilierten Rahmungen der Öffnungen, die Verdachungen in den Obergeschossen als auch die Segmentbögen ausfüllenden Bogenfelder mit plastischem Zierrat sind bei der Nr. 66, wie auch bei weiteren Nachbargebäuden in fast unverändertem Zustand überliefert. Diese Fassadengestaltung, die bei der nur wenige Jahre später einsetzenden Massenbauweise des Historismus nur an herausragenden Gebäuden Anwendung fand, ist Indiz für die gehobenen Wohnansprüche der Bauherren und Mieter (Schmuckformen: Erdgeschoß: Rusticaquader, segmentbogige Fensterverdachungen in Backstein mit Einschluß von Diamantquadern, im Bogenfeld plastisch gearbeitete Voluten, die Frauenhäupter rahmen, horizontale Gliederung der Fassade mit Stuckbändern, durchlaufende Sohlbänke, im 2. Obergeschoß konsolgetragen, vorkragendes Traufgesims mit Zahnschnitt). Das Gebäude Friesenwall 66 dokumentiert trotz mancher Verluste der Innengestaltung, überkommene Lebens- und Wohnformen innerhalb der historischen Altstadt Kölns und ist als gebautes Denkmal aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts unverzichtbarer Bestandteil der überlieferten Architektur.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0