Wohn- u. Geschäftshaus
Berliner Straße 70 · Mülheim
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1579 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Berliner Straße 70, 51063 Köln |
| Baujahr | um 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 03.08.1983 |
| Stadtteil | Mülheim |
Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Mülheim, da es den Ausbauprozeß dieser bis 1914 selbständigen Stadt dokumentiert.
Aufgrund der günstigen Verkehrslage (Rheinhafen, Straßen- und seit ca. 1850 Eisenbahnknotenpunkt) und der historisch-politischen Gegebenheiten (Tradition der religiösen Freiheit) entwickelte sich Mülheim im 19. Jahrhundert aus einer Gewerbestadt zum industriellen Vorort (Waggonfabrik Zypen und Charlier 1846, Bleiweißfabrik Lindgens & Söhne 1851, Walzwerk Böcking & Cie. 1872, Drahtseilerei Felten & Guilleaume 1874). Als Folge dieser Industrialisierung erlebte Mülheim einen wirtschaftlichen Aufschwung mit Bevölkerungszuwachs, der zur raschen Bebauung des bis dahin freien Beländes entlang der Hauptstraßen und in der Nähe der neuen Industrieanlagen führte.
Das viergeschossige Miethaus mit Ladenlokal wurde um 1900 errichtet. Es zeigt eine vierachsige Fassade aus rotem Backstein mit Stuckdekor. Die Fassade ist mit drei gekröpften Fensterbankgesimsen und durch Reihung von gleichen bzw. ähnlichen Fensterbekrönungen horizontal gegliedert, daß daß die vertikale Achsenstruktur teilweise aufgehoben wird. Dabei ist eine unauffällige Betonung der Fassadenmitte zu beobachten (Zusammenrücken der beiden mittleren Achsen, Gruppierung von gleichen Giebelformen der Fensterbekrönung in der Mitte).
Das Erdgeschoß setzt sich von der Fassade der Obergeschosse deutlich ab (gebändert, an Hauskanten gequadert, mit einem Gurtgesims abgeschlossen). Der Huseingng in der dritten Achse ist mit einer in Jugendstil gefaßten Ädikula eingerahmt, eine ähnliche Einrahmung weist auch das hochrechteckige Fenster rechts auf. In der linken Hälfte des Erdgeschosses liegt der Eingang bzw. das Schaufenster des Ladenlokals.
Der Fensterdekor bzw. die -größe der oberen Geschosse nehmen mit steigender Geschoßzahl ab, womit nicht nur die unterschiedliche soziale Bestimmung der Wohngeschosse zum Ausdruck gebracht, sondern auch eine optische Steigerung der Haushöhe erreicht wird.
Das erste Obergeschoß zeigt ädikulaähnliche Fensterumrahmung und -bekrönung (Podest, Pilaster, Architrav, Dreieck- bzw. Rundgiebel), im zweiten Obergeschoß wiederholt sich in einer bescheidenen Aufmachung das Fensterdekor des ersten Obergeschosses (ohne Übergiebelung, einfachere Einrahmung), im dritten Obergeschoß reduziert sich der Zierrat auf Fensterumrahmungen.
Im Hausinneren findet man originale Fußbodenfliesen im Hausflur sowie eine Terrazzotreppe mit Eisengeländer mit Holzlauf.
Städtebaulich gehört das Haus zu der relativ repräsentativ gehaltenen Erstbebauung der Berliner Straße als eines Verkehrs- und Einkaufszentrums im nördlichen Mülheim. In Maß und Proportion bildet es einen Bestandteil der geschlossenen Hausfront der östlichen Straßenseite und hebt sich von den nicht originalen Fassaden der Nachbarhäuser ab.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0