Wohnhaus

Neuenhöfer Allee 41 · Sülz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1595
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Neuenhöfer Allee 41, 50935 Köln
Baujahr1928
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 26.08.1983
Stadtteil Sülz

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Sülz und Köln, da es den Ausbauprozeß dieses Stadtteils zu einem reinen, im Stil der zwanziger Jahre gehaltenen Wohngebiet dokumentiert. Das bis dahin weitgehend noch nicht erschlossene Gelände erlebt erst in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre eine rasche Umwandlung. Dank der Bemühungen privater Bauherren und vor allem vieler Baugenossenschaften entstand nördlich vom neu angelegten Beethovenpark (1926) eine Reihe Wohnbereiche für alle Bevölkerungsschichten.

Das Haus Neuenhöfer Allee 41 (gebaut 1928/29) ist ein sechsachsiges, viergeschossiges Gebäude. Über einem asymmetrisch angelegten Grundriß erhebt sich ein aus mehreren kubischen Körpern zusammengesetzter Bau. Die aneinander angebundenen, kubischen Bauteile (ein Kernkubus mit vier eingeschnittenen und teilweise herausragenden Balkonen und einem Erker nach Süden und ein schmalerer und abgestufter Kubus mit einem zweigeschossigen Loggiavorbau zur Straße hin) bieten nach jeder Seite hin ein unterschiedliches Bild an und erfüllen damit die Anforderungen, die an eine Vollplastik gestellt werden.

Der Eindruck einer modernen, kubischen Skulptur (entsprechend der Bauhaus-Ästhetik) verstärkt sich noch durch die Wirkung vieler Details. So ist z.B. der Anschluß der beiden Hauptbauteile durch eine Nahtstelle in Form eines Teilzylinders, der vom braunen Sockel bis zum Dachgesims verläuft, gestaltet. Der untere Teil des Zylinders bildet gleichzeitig die rechte Laibung des Eingangs, der mit einem halbrunden Flachdach und entsprechend geformten Treppenstufen zu einem konstruktivistischen Detail-Ensemble geformt ist.

Das Walmdach ist deutlich zurück versetzt, so daß das flache, breite Dachgesims um so mehr den Eindruck des oberen Abschlußelements vermittelt. Der rechteckige Erker (erstes bis viertes Obergeschoß) ist durch dreiseitige Fenster unterbrochen und daher rhythmisiert, genauso wie die schmale Südseite durch teils eingeschnittene, teils mit ihren Rundungen herausragende Balkone belebt wird. Die weißen Flächen des Hauses bilden asymmetrisch verteilte Rechtecke, die von in Größe und Form unterschiedlichen Fensterzeilen unregelmäßig gewichtet werden.

Die körper- bzw. flächenhafte Formsprache des Gebäudes wird fortgesetzt in der Vorgartenmauer (die gleichzeitig als ein Schutzversteck für Mülleimer dient) und wieder aufgenommen im Inneren des Hauses (halbrundes Treppenhaus und Terrazzotreppe mit einfachem Eisengeländer mit Holzlauf, originale Wohnungs- und teilweise Zimmertüren, Wand- und Fußbodenfliesen und Einbaubriefkästen im Eingangsflur).

Das Haus bietet ein interessantes und seltenes Beispiel der Bauhaus-Ästhetik, angewandt an einem größeren Miethaus. Das Bestreben des Architekten, einen städtebaulich bruchlosen Übergang zur bestehenden Bebauung zu schaffen (die Nachbarhäuser sind 1903 bis 1905 gebaut), führte ihn wohl dazu, den Bau mit einem Walmdach zu versehen und seine zurück liegende Haupteingangsfront durch einen zweigeschossigen Vorbau zur älteren Bebauung überzuleiten. Die Rückversetzung des Hauses verleiht ihm seinerseits die - nach der Bauhaus-Ästhetik notwendige- Teilselbständigkeit einer Einheit. Derart ist eine Verknüpfung eines nach drei Seiten hin offenen, neueren Baus mit der vorgefundenen, historischen Architektur gelungen.

Städtebaulich stellt das o.g. Objekt eine Fortsetzung und - der Größe und Einzigartigkeit nach - eine Akzentuierung der Bebauung der Münstereifeler Straße dar, die den Anfang einer Siedlungswohnlandschaft (nach Norden hin) mit unterschiedlichem, ästhetischen Charakter (teils expressiv-symbolhaft, teils konstruktivistisch) bildet.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0