Wohnhaus

Spichernstraße 32 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1682
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Spichernstraße 32, 50672 Köln
Baujahr1898
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 13.10.1983
Stadtteil Neustadt/Nord

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln, da es die Erstbebauung des nördlichen Neustadtgebiets des ehemaligen Rayongeländes nach der Niederlegung der Stadtmauern und damit die Entstehungsgeschichte der Neustadt dokumentiert. Diese Bebauung, die nach dem vom Kölner Stadtbaumeister H.J. Stübben erstellten Erweiterungsplan von 1881 erfolgte, verlief um die Jahrhundertwende in mehreren Phasen. In unmittelbarer Nähe zum Stadtgarten ist das Haus ein exemplarisches Beispiel einer Stadtvilla des gehobenen Bürgertums.

Die zurückhaltend, aber solide gefügte Fassade aus Werksteinornamenten und Ziegelmauerwerk umschließt einen reichen inneren Ausbau, der - auch in den Details - bis heute noch größtenteils erhalten ist. Renaissance-hafte Stilelemente lassen an niederländische Bauten erinnern, wo auch nicht Stuck, sondern Werkstein den Fassadenschmuck aufnimmt. Vom horizontal gegliederten Sockel des Souterrain aus hellem und dunklem Werkstein über Türumrandung mit Schmuckfries und drei Bogenfenster akzentuiert vor allem die reich gegliederte Werksteinkonsole des Schmuckerkers (mit bleiverglasten Fensteroberlichtern) im ersten Obergeschoß die Fassade. Im gleichen Geschoß wurden aus den Werksteinumrandungen der beiden Fenster gotisierende Ziergiebel ausgearbeitet, während im Giebelgeschoß der Werkstein als Rahmung der beiden Fenster dient. Treppenartige Begrenzung des hohen, über zwie Geschosse reichenden Schmuckgiebels sowie Werkstein-Einsprengungen in das Ziegelsteinmauerwerk im Bereich der Fenster und des Erkers zeugen von einer fast spielerischen Materialverwendung, was noch durch Jugendstil-Sandsteinreliefs über der Eingangstüre (innen und außen) und zwischen und über den Fenstern des Giebelgeschosses unterstrichen wird.

Die Front ist zweigeteilt, zwei Fenster ziehen sich rechts vom Sockel über Erd- und erstes Obergeschoß im Dachgeschoß durch, während links Fenster und Eingangstüre vom Erker zum ersten Obergeschoß überfangen werden.

Im Inneren wird bereits im Eingangsbereich durch geometrisch ornamentierten Marmorfußboden, schmiedeeisernes Geländer und ein gotisierendes Rippengewölbe der repräsentative Charakter des Hauses gezeigt. Das Rippengewölbe setzt sich durch eine schöne Glastüre mit facettiertem Glas bis in die Wohnhalle durch, wie auch der Marmorboden (Originaltüren und -gewände, Wandvertägelung und originale Wandfliesen im Erdgeschoß). Originale Fenster und Fensterbeschläge. Sehr bemerkenswert sind auch die stuckierten Decken des Erdgeschosses und die bleiverglasten Hoffenster der repräsentativen Eichentreppe in die Obergeschosse (Terrazzotreppe zum kleinen Gartenhof und zum Souterrain, originale Haus- und Gartentüren). Der ornamentierte Parkettboden ist im Erdgeschoß original, im ersten Obergeschoß erneuert. Originale Zentralheizungsabdekkung und Terrazzoböden befinden sich in allen Geschossen.

Die rückwärtige Fassade ist in originalem Ziegelsteinmauerwerk erhalten.

Das Haus steht im nördlichen Teil der dort relativ gut erhaltenen Erstbebauung um den Stadtgarten. Es ist eines der wenigen, ehemals repräsentativen Einfamilienhäuser in diesem Stadtteil und ist in Material und künstlerischer Ausstattung ein hochwertiges Zeugnis des Reichtums und kultivierten Geschmacks der damaligen Bürgerschicht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0