Wohnhaus
Goebenstraße 9 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2237 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Goebenstraße 9, 50672 Köln |
| Baujahr | 1890 bis 1900 |
| Architekt / Planung | Müller und Grah |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 10.04.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Das Gebäude, Eckhaus zur Spichernstraße, wurde um 1895 von den Architekten Müller und Grah als zweigeschossiges Wohnhaus mit zwei Giebelgeschossen, drei Achsen an der Göben-, drei Achsen an der Spichernstraße, einem kreisrunden Eckturm mit Balkonen, einem risalitartigen Erker an der Göbenstraße, einem Erker an der Spichernstraße und einer Werksteinfassade errichtet.
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Das Haus Göbenstraße 9 liegt an der Kreuzung Spichern-, Göben- und Gilbachstraße an der nordöstlichen Ecke des Stadtgartens. Auf den günstig zugeschnittenen Eckgrundstücken entstanden Gebäude, die mit phantasiereicher Architektur der städtebaulichen Situation Rechnung tragen. Der umfangreiche Eckturm und der Gebäudeflügel an der Spichernstraße des Hauses Göbenstraße 9 schließen zudem den Straßenraum der Gilbachstraße an seiner südöstlichen Fluchtlinie. Dabei sind das ansteigende Straßenniveau, das kegelförmige Turmdach und die Vorderseiten des hohen Mansarddaches von wesentlicher, überhöhender Wirkung. Der bereits vor der Neustadtplanung existierende Stadtgarten wurde als Grünzone in die Planung der Neustadt einbezogen. Die Straßenkreuzungen an seinen Ecken und der Platz um die Herwarthkirche erweitern den Raum des Stadtgartens in die Neustadtbebauung hinein und öffnen andererseits die umgebende Neustadtbebauung zum Stadtgarten hin. Dadurch wird der Anschluß einer Reihe von Straßen ermöglicht mit einer großen Zahl von Grundstücken in städtebaulich äußerst reizvoller Lage. Die Straßenansichten bestehen aus drei gleichwertigen Fassadenelementen, einem Eckturm mit kreisförmiger Gebäudegrundfläche, an den durch Vorsprung abgesetzt sowohl in der Göben- als auch in der Spichernstraße mit Stufengiebeln bekrönte Fassaden anschließen. Die geschoßweisen Verjüngungen des Eckturms werden durch umlaufende Balkone unterstrichen mit starker Vorkragung im 1. OG und abgeschwächter Vorkragung am 2. OG, dem Giebelgeschoß. Die Brüstung des unteren Balkons besteht aus Natursteinfiligran zwischen Brüstungspfosten, unter denen weit nach unten gezogene Konsolen als tragende Elemente des Balkons ansetzen. Die Brüstung des oberen Balkons mit schmaleren Filigranfeldern zwischen den Pfosten, ruht auf einem wulstigen Gesims. Das ringförmige Dachgeschoß dient als Unterbau für das ursprüngliche, hohe Kegeldach, an denen die Fensterüberdachungen aus Filigran im Umriß von Eselsrücken mit seitlichen Fialen und Dachhäuschen mit spitzen Dächern vermittelnd miteinander korrespondieren. Die Seitenfassaden setzen sich aus quadratischen Flächen zusammen, die den hohen Erdsockel, das 1. und 2. OG einnehmen und denen über schmalen Traufgesims hohe, zweigeschossige Treppengiebel aufgesetzt sind. Die inneren Winkel der Stufen füllt kreisförmig Werksteinfiligran, denen der Umriß eines halben Eselsrückens aufliegt, seitlich von Fialen begrenzt, in Verlängerung der vertikalen Außenkanten. Die geschoßweise unterschiedlichen Sturzformen der gekuppelten Fenster mit Steinbalkenkreuz-Teilungen binden den Eckturm in die Seitenansichten ein. Die an ihren Stürzen symmetrisch und treppenförmig überhöhten Kombinationen stehender Rechtecke der Fenster im EG weisen auf die Stufen der Dachgiebel hin. Die Vorhangbogen an den Stürzen der Fenster des 1. OG vermitteln zu den Dachgiebeln, deren Fenster im unteren Dachgiebelgeschoß mit den gleichen Bogen risalitartige Erker abschließen. Der schmale am EG der Fassade Göbenstraße dicht neben dem Eckturm und der Erker am 1. OG dicht neben der rechten Nachbargrenze der Fassade Spichernstraße, die mit den Formen ihrer Umrisse und ihrer Fenster die beschriebenen Bezüge unterstützen, setzen zudem an jeder Seite plastische Akzente. Dem quadratischen Fassadenfeld an der Göbenstraße legt sich an der linken Nachbargrenze das stehende Rechteck der Eingangsachse in kontinuierlichem Übergang an. Dem hohen Quadrat des Hauseingangs sitzt in gleicher Breite oberhalb des Steinbalkenkämpfers ein vertikal dreigeteiltes Oberlicht auf mit der Sturzform eines Eselsrückens, beide Teile gerahmt von flankierenden Säulen, die ein überdachendes Maßwerk unterstützen. Oberhalb des Traufgesimses mündet die Eingangsachse in einem kleineren Dachgiebel mit steilem Walmdach und vorgelegter Maßwerkbrüstung. Die Gestaltungselemente wurden aus der Gotik hergeleitet und dem Repräsentationsbedürfnis der Zeit entsprechend angewendet. Der Zu
gang des Hauses besteht aus einer hallenartigen Wagendurchfahrt zum Hof. Die tiefen Innengewände des Eingangstores sind mit Maßwerk und einem Gesims in Kämpferhöhe besetzt. Das Hoftor wiederholt die Formen des Eingangstores mit vereinfachten Schmuckdetails. Zwei Pilaster und ein Gurtbogen mit reich reliefierten Oberflächen unterteilen die Halle in zwei Joche. Das hintere Joch, seitlich rechts erweitert, überdeckt den rechts an der Durchfahrt beginnenden, breiten, zu beiden Seiten freistehenden Treppenaufgang zu dem angehobenen EG aus einer Basalttreppe mit Maßwerkgeländer und zwei säulenartigen Antrittspfosten. Die zweiflügelige Abschlußtür des Treppenhauses rahmen Laibungen und ein Sturz in der Form eines Korbbogens als Mittelpunkt eines vertikal vierteiligen Maßwerkfensters. Das Treppenhaus besteht aus einer zweigeschossigen Halle mit etwa quadratischer Grundfläche und eineinhalb Wandseiten zum Hof hin mit zwei hohen, vertikal drei-, vier- und horizontal geteilten Maßwerkfenstern. In den Wänden beginnt links von der Abschlußtür die breite, dreiläufige Holztreppe mit einem Geländer aus Holzmaßwerk und vierkantigen Pfosten zu Beginn und am Ende der Läufe. Der letzte Lauf liegt auf einem zwei-feldrigen Netzgewölbe auf, dessen Gurte an der Vorderseite von einer freistehenden Säule unterstützt werden. Der Treppe schließt sich ein reich gezierter Laubenumgang an, der an seinem Ende den Treppenaufgang zu den Dachgeschossen umschließt. Jedes der angrenzenden Zimmer wird vom Treppenhaus her erschlossen. Die tiefen Laibungen, die reich profilierten Blendrahmen, die oberhalb der Türen mit reich ornamentiertem Stirnfeld und zinnenartigen Abdeckleisten, schließen an der hohlen Wandvertäfelung mit breitem, ornamentiertem Fries in Dreiviertelhöhe der Türen an. Die Untersichten der Galerie bilden ebene, profilrippenbesetzte Flächen, die an den Wänden in hohe, ornamentierte Hohlkehlen übergehen. Die Fußbodenfläche besteht aus Parkett im Fischgrätenmuster. Die Mitte der Wandfläche gegenüber dem Treppenaufgang nimmt ein flacher, offener Wandkamin ein. Der Sturz der Kaminöffnung bildet die Form eines Vorhangbogens, der Kaminaufsatz die Form eines hohen, abschließend stumpfen Walmdaches. Die ornamentbesetzte Manschette des gußeisernen Einsatzes mit der Form eines Eselsrückens überragt den Feuerbock, dessen Rungen an den oberen Enden geschmiedete Sonnen tragen. Die Bänder und Profilleisten des reich reliefierten Deckenstucks - im Raum anschließend an den Eckturm, zur Spichernstraße hin Holzvertäfelung - bilden kleinteilige, geometrisch winklige Aufteilungen der Deckenfelder. An den Mittelrosetten bzw. Mittelspiegeln finden Rundformen Anwendung. Der verbindende, äußerst feinteilige, florale Zwischenschmuck wiederholt sich in Abwandlung auf den Türblättern und auf den Türumrahmungen. Das Holzwerk der Türen und ihrer Einfassungen, insbesondere die mehrteilige Holzfläche einer wandartigen Schiebetür im EG, Seite Spichernstraße, korrespondieren mit dem Holzwerk der Decke. Die Stuckdecken des 1. OG ähneln denen des EG. Sie sind mit größeren, ebenen Flächen zwischen den Profilrippen weniger dicht reliefiert mit lichterer Gesamtwirkung. Die geschwungenen Formen der Leisten wiegen vor. Die Formgebungen des Innenausbaus setzen das formale äußere Erscheinungsbild des Gebäudes nach innen in seltener Kontinuität fort. Die Stilformen der Gotik wurden in eine individuelle, hochstehende Ästhetik übersetzt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0