Wohn- u. Geschäftshaus
Herwarthstraße 22 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7911 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Herwarthstraße 22, 50672 Köln |
| Baujahr | 1956 bis 1960 |
| Architekt / Planung | Th. Merrill, Fr. Ruempler |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.07.1996 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Erbaut 1956/60, Architekten: Th. Merrill und Fr. Ruempler, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Vorbau (im Bauverband direkt anschließend der ältere (1951), eingeschossige Seitenflügel).
Fassade: 4 Geschosse, Staffelgeschoß mit vorgelagerter Terrasse, vorkragende Sonnenschutzkonstruktion in Metall (parallele Horizontalschichtung), Flachdach, 4 Achsen, Putzfassade/Rasterfassade in Wabenstruktur, die eingesetzten vorkragenden Brüstungen der Fenster und Loggien nehmen die vorgegebene Form des Dreiecks auf, Fenster- und Loggianischen (in den äußeren Achsen), links Durchfahrt zum rückwärtigen Grundstück, Eingang zum Erdgeschoßbereich rechts: Eingangsnische, vierstufige Treppe, Eingangstür (zweiteilig), Eingang zum Treppenhaus zweite Achse von links, Haustür in Holz mit Seitenlicht, Oberlicht mit schrägem oberen Abschluß, große Erdgeschoßfenster mit niedriger Brüstung; im Erdgeschoß: Eingangsnische, Tordurchfahrt und Fenster mit flach dreieckförmigem oberen Abschluß, in den Obergeschossen Fenster und Loggiaöffnungen mit flach dreieckförmigen unteren und oberen Abschlüssen (Wabenform), Fenster und Loggiatüren in Holz, dreiteilig.
Rückseite: 4 Geschosse, Staffelgeschoß, verputzt, 6 Achsen, Fenster mit geradem oberen Abschluß, quadratische Fensteröffnungen, alle rückwärtigen Fenster original erhalten, Holz, Einscheibenfenster, im 1. Obergeschoß Fenstergitter in geschmiedetem Stahl.
Im Inneren original erhalten: Treppenhaus: Belichtung durch Glasbausteinwand nach Nordosten, Haustür in Holz, Seitenlicht und Oberlicht mit schräg verlaufendem oberen Abschluß, Kunststeinbodenplatten, Treppe in Kunststein, Stäbe Metall, Handlauf Mipolam, offene, zurückgesetzte Treppe zum Staffelgeschoß, Wohnungseingangstüren in Holz.
In den Wohnungen: in Diele und straßenseitigen Wohnräumen Parkettböden, in den Küchen Boden mit Kunststofffliesen belegt, Türen und Gewände in Holz, zum straßenseitigen Wohnraum raumhohe verglaste Tür mit Seitenlicht, Fensterbänke mit Natursteinplatten belegt.
Das im rückwärtigen Grundstücksbereich bereits 1951 von dem Architekten Viktor Giorlani errichtete eingeschossige Gebäude (mit Souterrain) ist nicht Bestandteil des Denkmals (in den Plänen als 1. Bauabschnitt bezeichnet).
Die von Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand westlich der Ringe zwischen Gladbacher- und Zülpicher Straße das sogenannte "Westend", ein gutbürgerliches Wohnviertel, dessen Stadtorganismus geprägt ist von vornehmen, meist mit reicher Fassadengliederung versehenen Mietshäusern. Die Herwarthstraße liegt wie auch die Hauptverkehrsachsen Venloer- und Gladbacher- bzw. Erftstraße, östlich des Stadtgartens und der Begrenzung durch die Bahnlinie mit anschließendem Grüngürtel und südöstlich des Neubaugebiets Mediapark. An der Herwarthstraße entstanden nach umfangreichen Kriegszerstörungen in den 50er Jahren aufwendige, vier- bis fünfgeschossige Gebäude mit teilweise Staffelgeschossen auf zum Teil breiten Parzellen mit Rasterfassaden. Die Bauwerke zeigen zum Teil mit Naturstein verblendete Schauseiten und repräsentativ dekorierte Eingangsbereiche. Dem gehobenen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude Herwarthstr. 22 mit aufwendiger, durch Loggiaausbauten in Verbindung mit weitgehend geöffeneten Fassadenflächen geprägter Horizontallagerung. Einen besonderen, die horizontale Gliederung hervorhebenden Akzent setzen das weitgehend durch Fensterflächen aufgelöste Erdgeschoß, sowie das, die vier breiten Achsen überlagernde Staffelgeschoß mit vorkragender Sonnenschutzkonstruktion in Metall. Die systematisch gestaltete Nischengliederung der gesamten Schauseite und die horizontal gelagerten - schwebenden - skulptierten Brüstungseinbauten (mit Aufsätzen) erzeugen eine stark plastisch wirkende Gesamtkomposition. Der aus der Nähe unbestimmt erscheinende obere Fassadenabschluß, erfährt durch das Staffelgeschoß mit Sonnendach seine Begrenzung. Die hier anstehende, 1959/60 individuell entwickelte Schauseite in Systembauweise zeigt Einflüsse südamerikanischer Baukultur. Der Architekt Theodor Merrill, der erst kurze Zeit vor Planung des Gebäudes aus den Vereinigten Staaten nach Köln zurückgekehrt war, hatte sich in den 50er Jahren in Südamerika aufgehalten und dort einige Bauaufgaben realisiert. Nach Köln importierte er Gestaltungselemente dieses Kulturkreises (z. B. aus klimatischen Gegebenheiten entwickelte Sonnenschutzdächer sowie weitgehend verschattete Loggien). Die ausgezeichnet und elegant proportionierte Schauseite in Glattputz mit großzügig angelegten Eingangsbereichen in den äußeren Achsen und die, gehobenen Wohnansprüchen genügende Innenausstattung als Widerspiegelung der äußeren Fassade zeugen von qualitätvollem architektonischen Gestaltungsvermögen. Das Gebäude Herwarthstr. 22 ist Teil einer Platzbebauung, die beherrscht ist durch die freistehende Christuskirche. Die in West-Ost-Erstreckung vom Kaiser-Wilhelm-Ring direkt auf die Westfassade des Kirchengebäudes zuführende Herwarthstraße zeigt an der Südseite überkommene historische Bebauung des 19. Jahrhunderts. Während die Nordfront des Rechteckplatzes eine Bebauung aufweist (Nrn. 16 - 26), die sich aus Nachkriegsneubauten der 50er und 60er Jahre zusammensetzt. Das Eckgebäude Nr. 16 aus jüngster Zeit zeigt eine durch Fenstererker aufgelöste Fassadengliederung. Das geostete Kirchengebäude stellt mit seinem Hauptschiff, das als Notaufbau der 50er erhalten ist, einen weiteren Aspekt der Nachkriegsbaugeschichte dar. Umgebende, durch Hecken eingefaßte Grünanlagen, die sich nach Osten hin zu einem Gartenbereich mit Baumbestand ausweiten, geben dem Wohnbereich an der Platzanlage, die getrennt durch die Spichernstraße an die große Parkanlage anschließt, seinen gehobenen Wohnwert. Die Bebauung mit gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden bildet ein Ensemble großstädtischer Architektur der Nachkriegszeit.
Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, sind als inzwischen abgeschlossene Periode des Bauschaffens Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl von Bauwerken von hoher baukünstlerischer und städtebaulicher Qualität. Die zu Ende der 50er Jahre entworfene Wohnanlage Herwarthstr. 22 mit zeitcharakteristischer Tendenz zur Auflösung der Fassade (eine Fortenwicklung dieser Gestaltungssprache stellt das Eckgebäude Nr. 16 dar) stellt eine qualitätvolle Schöpfung der Architekten Merrill und Ruempler dar. Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der Platzbebauung sowohl, wie als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur, als bedeutende Anstrengung des Wiederaufbaus der Nachkriegszeit und als individuelle gestalterische Leistung ein unbedingt erhaltenswertes Dokument der modernen Baukunst.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0