Wohnhaus

Rathenauplatz 23 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2013
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Rathenauplatz 23, 50674 Köln
Baujahrum 1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 13.01.1984
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde um 1895 als viergeschossiges - das Eingangsgeschoß als Sockelgeschoß - vierachsiges Wohnhaus mit Balkonen und einer Stuckfassade erbaut.

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910, ringförmig um die Altstadt, die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Josef Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Straße und der Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem Wohnviertel um den sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz. Der mit 100 x 500 m bemessene, rechteckförmige Platz (ehemalige Königsplatz) wurde als zentrale, städtische Parkanlage, der auch die Aufgabe zukam, die Aufstellung der Wagen des Karnevalszugs zu übernehmen, in die Planung aufgenommen. Die Roonstraße, deren Verlauf im Nordwesten durch den Turm der altkatholischen Kirche und im Südosten durch den Turm der Herz-Jesu-Kirche gefaßt ist, findet durch leichten Anstieg des Straßenniveaus in Richtung Barbarossaplatz und den, gegenüber der altkatholischen Kirche, höheren Turm der HerzJesu-Kirche die Nähe der Ringe an.

Das Rechteck des Platzes besteht aus einer Grünanlage, die an ihren Längsseiten von zweireihigen Baumalleen, an den Schmalseiten von waldartigem Bestand alter Bäume gerahmt ist. Die umgebenden Straßenräume werden durch die viereinhalb-geschossige Randbebauung und den Baumbestand der Grünfläche gebildet. Der Rathenauplatz zeigt sich bei Belaubung seines historischen Baumbestands mit einem freiräumigen Platzinneren, das vom Baumbestand eingefaßt und von den Straßenräumen zwischen Baumbestand und Platzrand-Bebauung umgeben ist. Im Winter dagegen ist das Rechteck des Platzes übersichtlich und bildet zur Roonstraße hin einen einseitig offenen Raum gegenüber der überragenden Baumasse der Synagoge, einem symmetrischen Zentralbau mit zwei Seitenflügeln.

In der Roonstraße wird an den Enden des Platzes auf der gegenüber liegenden Straßenseite der Baumbestand durch eine Baumreihe (heute lückenhaft) aufgegriffen und bis zur Baumgruppe vor dem Turm der altkatholischen Kirche und andererseits bis zu dem Baumbestand um die Herz-Jesu-Kirche weitergeführt. Die zweireihige Baumallee auf dem Mittelstreifen der an der Nordostseite einmündenden Beethovenstraße stellt die Verbindung her zu einem ebenfalls von Bäumen bestandenen Platz zwischen Beethovenstraße und Mozartstraße, an deren Einmündung in den Hohenstaufenring. In den an der Südwestseite vom Rathenauplatz ausgehenden Straßen Lochnerstraße und Görresstraße wird das Grün des Platzes in Vorgärten weitergeführt, die sich mit den Vorgärten an der Dasselstraße zusammenhängend verbinden. Damit wird das Gestaltungsprinzip deutlich mit den repräsentativen, städtebaulichen Elementen der Baumreihen und Alleen zu der Hauptstraße der Neustadt, den Ringen, hinzuführen, während das intime Grün der Vorgärten dazu verwendet wird, eine intime, wohnliche Atmosphäre zu schaffen.

Beide Elemente treffen und vereinen sich im Rathenauplatz. Die von den beiden südwestlichen Platzecken ausgehenden Meister-Gerhard-Straße und Boissereestraße finden ihren optischen Abschluß in den Brückenbauwerken der Bahnüberführungen der Lindenstraße und Zülpicher Straße. Die Heinsbergstraße im Südosten, die durch Schwenken ihrer Straßenachse jeweils in ihrer Kreuzung mit der Zülpicher Straße und in Höhe der Zülpicher Straße ihren optischen Abschluß findet, hat, wie die Lochnerstraße und Görresstraße, als Wohnstraße die Aufgabe, die umgebende Bebauung in kleinere, übersichtliche Areale aufzuteilen, deren relativ geringe Grundstückstiefen eine Hinterhofbebauung nach Berliner Art vermeiden und trotz hoher Nutzung der Grundstücksfläche eine im allgemeinen offene rückwärtige Bebauung aufweisen.

Architektur und Stil: Das Sockelgeschoß mit eigenständiger, von den Fensterachsen unabhängiger Lage der Haustüre und der Toreinfahrt, dessen Fenster sich jedoch auf die Fensterachsen der oberen Geschosse ausrichten, verdeutlicht seine Eigenschaft als Sockel mit dem die Auflast veranschaulichenden und ihn oberhalb abschließenden Stockwerkgesims. Die optische Überhöhung der Fenster des ersten Obergeschosses mit Brüstungsfeld und Überdachung des zweiten Obergeschosses mit Fensterüberdachungen, des dritten Obergeschosses mit Fensterüberdachungen und Unterbau des Fensterbankgesimses und die Überhöhung der Stockwerke bis zu den Fensterbankgesimsen bzw. Dachgesims, entsprechen dem traditionellen, klassizistischen Leitmotiv der nach oben hin geschoßweise abnehmenden Fensterhöhen als Unterstreichung der perspektivischen Höhenwirkung. Die hierbei entstehende, scheinbare Neigung nach rückwärts wird durch die nach oben hin von Geschoß zu Geschoß zunehmende Ankragung der Fensterbankgesimse und schließlich durch die weite Auskragung des Dachgesimses festgehalten und gleichsam ins Gegengewicht überlagert. Die dicht zusammengerückten beiden mittleren Achsen weisen auf die mittige Symmetrieachse der Fassade hin, die zuletzt oberhalb der Traufe von der mittleren Dachgaube aufgenommen wird. Die asymmetrische, vertikale am Reihung der Balkone an allen Obergeschossen der rechten der beiden mittleren Achsen widerspricht eigenwillig dem zentralen Prinzip, ordnet sich aber durch zunehmendes Volumen bei steigender Geschoßzahl dem geschilderten Prinzip des architektonischen Gleichgewichts ein.

Zwei auf Mauervorlagen ruhende Stützbogen unterteilen den lang gestreckten Hausflur in drei Folgen mit farbigen, gerahmten Terrazzofeldern von denen die Mitte des ersten Feldes an der Haustüre ein stilisiertes Pflanzenornament schmückt, umgeben von einer Feldrahmung, deren Ecken ausgeklinkt und nach innen verschoben sind. Die über dem rückwärtigen Teil des Hausflurs liegenden, rechteckigen Stockwerkpodeste sind mit einer zweiläufigen Treppe, deren Stufen an den trapez-förmigen Zwischenpodesten angewendelt sind, verbunden. Die gesamte Treppen-Konstruktion besteht aus Holz. Die Geländer und Handläufe werden auf jeder Geschoßebene von Zutrittspfosten fixiert. Die originalen Treppenhausfenster ergänzen den historischen Bestand. Die Wohnungsabschlüsse bestehen aus vierfelderigem Türblatt, ihre oberen, hohen Felder sind verglast und das Oberlicht mit vertikalen Sprossen aufgeteilt. In den Wohnungen tragen die Decken Stuck aus Hohlkehlen mit starkem, unteren Wulst und vielfältig gestalteten, zentralen Rosetten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0