Wohnhaus
Görresstraße 2 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2122 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Görresstraße 2, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.02.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1895 als viergeschossiges, dreiachsiges Wohnhaus mit drei Balkonen und einer Stuckfassade errichtet. Der niedrige, glatte Erdsockel, der mit einer Hohlkehle und einem wulstigen Fensterbankgesims abschließt, die im Wechsel rauh und glatt gebänderte Rustika, deren Fugen um die Halbkreis- und Segmentbogen der Fenster und des Hauseingangs radial verläuft und die bis zum Stockwerkgesims des Erdgeschosses hinauf reicht, läßt das Erdgeschoß als tragenden Sockel des Hauses hervortreten. Die Asymmetrie der eigenständigen Achsen schließt sowohl die Fenster des Erdgeschosses als auch die Dachgauben mit ein. Die linke Seitenachse übertrifft die beiden rechten Achsen an architektonischer Ausdruckskraft. Die Reihe breiter Fenster mit Balkonen am ersten, zweiten und dritten Obergeschoß endet mit einer betont breiten und hohen Dachgaube. Die dreiteiligen Fenster mit Kämpfern und dreiteiligen Oberlichtern werden von Pilastern flankiert, die am ersten und zweiten Obergeschoß unter den Konsolen der Balkone des nächst höheren Geschosses am dritten Obergeschoß unter einem balkenförmigen, scheidrechten Fenstersturz enden. Die hohen Rechteckfenster der beiden rechten Achsen sind im ersten Obergeschoß mit Halbkreisen, im zweiten Obergeschoß mit Dreiecken, im dritten mit Balken, also in der Tendenz abschwächender Wirkung verdacht. Dem steht die Wirkung der sich von Geschoß zu Geschoß verstärkenden Auskragung der Fensterbankgesimse am zweiten und dritten Obergeschoß und als drittes Element in dieser Folge das die Fassade überdachende Traufgesims im Gegensatz und ausgewogenen Gleichgewicht gegenüber. Die Architektur des Hauses entspricht ihrer Zeit durch individuell abgewandelte Anwendung des Formenrepertoires der Renaissance.
Die Formgebung der Haustüre entspricht einem Fenster mit Rahmung, Verdachung und Brüstungsfeld. Das mit Schmiedeeisen aus Ranken und einer zentralen Blume vergitterte, stehende Rechteck des Fensters wird von einer halbkreisförmigen Überdachung überwölbt, die der Halbkreisbogen des Oberlichts oberhalb des Türkämpfers wiederholt. Die Schmuckformen bestehen aus Profilen, Zahnleisten und Beschlagwerk.
Den Boden des Hausflurs aus weiß-schwarz-braunem Terrazzo umgibt eine Rahmung aus drei weißen Mosaikstreifen, deren Ecken halbkreisförmig eingezogen sind, und eine breite, rote Randrahmung. Der zentrale, kreisrunde Dekor mit Ansätzen in der Längsachse des Flurs bildet ein stilisiertes Rankenwerk aus Terrazzo und Mosaik in den Farben Braun, Schwarz und Weiß. Die Wände oberhalb des Sockels gliedern je drei stehende Rechteckrahmen mit hohem, erhabenen Profil. Die Rahmenecken werden von Quadraten betont, die nach innen und außen übergreifen. Der Dekor des Deckenstucks besteht aus einer Hohlkehle mit Rändern aus Wandleiste und Deckenfeldrahmung. Das in Richtung der Längsachse des Hausflurs gedehnte Pflanzenornament der zentralen Rosette trägt in seiner Mitte einen kreisrunden Blätterkranz.
Den optischen Raumabschluß des Hausflurs und Übergang zum Treppenhaus bilden zwei pilaster-artige Mauervorlagen und ein Halbkreisbogen mit profiliertem Rand. Den Boden des Treppenhauses aus gleichem Terrazzo wie das Mittelfeld des Hausflurs umgibt ein weißer Mosaikstreifen und eine breite, rote Randrahmung. Die gerade, zwei- und gegenläufige Holztreppe mit im Anschluß an die Zwischenpodeste bis zur Hälfte der Lauflängen gewendelten Stufen trägt ein Holgeländer mit Holzholm und einen gedrechselten Antrittspfosten im Erdgeschoß. Zwischen dem Erdgeschoß und dem ersten Obergeschoß liegt anstelle des Zwischenpodests eine Wendelung um 180 Grad. Die Untersichten der Podeste schmückt Deckenstuck aus Wandleiste, Deckenfeldrahmung und eine kleine Rosette als hängender Zapfen. Die Treppenhausfenster sind im Original erhalten.
Die Wohnungstüren bestehen aus Holzrahmen mit Glasfüllungen in den oberen Dritteln. Ein hohes, profiliertes Kämpferholz trägt das mit Kreuzsprossen unterteilte, stehende Rechteck des Oberlichts. Die qualitätvollen Stuckdecken der Wohnungen werden von Hohlkehlen mit breiter Wandleiste und schmaler Deckenfeldrahmung umgeben. Die vorspringend hängenden Mittelrosetten tragen zum Teil Schmuck aus Menschenköpfen zwischen symmetrisch geordneten Blattornamenten. Fenster, Türen und Türlaibungen sind im Original erhalten.
Die Gebäude der Lochner- und Görresstraße sind, worauf bereits die Vorgärten hinweisen, auf größtmögliche Wohnlichkeit und die Teilnahme der Innenräume am Außenraum der Straße eingerichtet, wobei insbesondere Erker und Risalite, deren Erscheinungsformen durch Konsolen, krönende Balkone und Dachgiebel in den Straßenraum eingreifen.
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Strukturen neue Stadtbereiche entwickelt und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Straße und der Lindenstraße die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstraße, Heinsbergstraße, MeisterGerhard-Straße, Lochnerstraße und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten. Dabei greifen die Lochner- und Görresstraße das Grün des Rathenauplatzes mit ihren Vorgärten auf und stellen die Verbindung mit den Vorgärten der Dasselstraße her. In ihrer Aufgabe als Wohnstraße teilen beide Straßen die umgebenden Bauflächen in bewußtem Gegensatz zu den damals bereits bekannten Nachteilen der Berliner Hinterhofbebauungen geplant in kleine, übersichtliche Baublöcke mit relativ geringen Grundstückstiefen auf. Die kurzen, übersichtlichen, durch die Vorgärten erweiterten Straßenräume und deren Fortführung in die gleichartige Dasselstraße stellen gehobene Wohnverhältnisse her. Dieser Rahmen findet andererseits auf dem Rathenauplatz seinen optischen Abschluß in dem Laubwerk des historischen Baumbestands und im Herbst und Winter in der durch seine vier- bis fünfgeschossige Randbebauung gefaßten Platzanlage.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0