Wohn- u. Geschäftshaus
Lindenstraße 97 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2203 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Lindenstraße 97, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.04.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1895 als fünfgeschossiges, vierachsiges Wohn- und Geschäftshaus mit einer Stuckfassade errichtet.
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Die Lindenstraße ist eine der Ausfallstraßen in Verlängerung der Altstadtstraßen Marsilstein-Schaafenstraße über die Ringe Habsburgerring und Hohenstaufenring hinaus. Die Eisenbahnüberführung der Lindenstraße mit überhöhender, baumbestandener Bahndammböschung einerseits, das Eckhaus Lindenstraße 38 in der Gabelung Lindenstraße-Händelstraße andererseits und die Flächen der Hauswände mit den Traufhöhen der fünfgeschossigen, historischen Bebauung bilden einen eigenständigen, von den Ringen unabhängigen Straßenraum der Neustadt. Erst der letzte Straßenabschnitt hinter der Straßenbiegung an der Gabelung wendet sich durch steigendes Straßenniveau und Sichtbezug dem Habsburgerring und Hohenstaufenring zu. Die Kreuzung der Roonstraße und die fächerförmig einmündenden Straßen Mozart- und Brüsseler Straße stellen die interne Erschließung der Umgebung her. Der dreieckförmige Platz als seitliche Erweiterung der Lindenstraße nimmt die Lützowstraße, die Boissereestraße und die Dasselstraße auf und führt sie gemeinsam mit der Lindenstraße unter der Eisenbahntrasse hindurch zum inneren Grüngürtel. Die Traufhöhe, welche von der fünfgeschossigen, historischen Bebauung ausgeht und die Breite der Straße, ergeben einen etwa quadratischen Querschnitt mit guten, hygienischen Wohnbedingungen. Die breit gelagerte Fassadengliederung steht im Gegensatz zur Vertikalität der Symmetrieachse auf den mittleren Fensterpfeilern zwischen zwei Dreieckgiebeln über den beiden mittleren Fenstern des 2. OG und kleinen Halbkreisgiebeln über gemeinsamem Gebälk der beiden Mittelfenster des 3. OG. Die Rustika des lasttragenden Unterbaus der Fassade endet mit dem Stockwerkgesims über dem 2. OG als Auflager der oberen Geschosse. Der sich bei zunehmender Höhenlage abschwächende repräsentative Ausdruck der Geschosse unterstreicht die Wirkung des ausladenden Dachgesimses. Die einzelnen Stockwerke erheben jedes für sich mit eigenen Stockwerkgesimsen - z. T. in horizontale, balkenförmige Verdachungen aufgelöst - und Fensterbankgesimsen Anspruch auf Individualität. Die Schmuckformen sind aus dem formalen Repertoire der Renaissance abgeleitet und auf die Architektur einer gutbürgerlichen Selbstdarstellung im Sinne ihrer Zeit angewendet. Den Zugang zum Treppenhaus bildet ein aufwendig stuckierter, hallenartiger Raum mit breitem Treppenaufgang (z. Z. mit Edelstahlblech abgedeckt) und Wandhandläufen aus Holz zum Niveau des 1. OG. Den Bodenspiegel des unteren, quadratischen Podestes aus rotweiß-grau-schwarzem Terrazzo umgeben konzentrische Rahmen aus einer Reihe weißem Mosaik, einer Reihe rotem und einer Reihe grauem Terrazzo, deren Breiten nach außen hin zunehmen und mit einem besonders breitem Rand aus schwarzem Terrazzo abschließen. Die Seiten der roten Rahmung begegnen sich an den Ecken mit nach innen gedrehten Voluten, die außen und innen auf der Winkelhalbierenden als Symmetrieachse von stilisierten Pflanzenformen eingefaßt werden. Das Zentrum des Bodenspiegels bildet ein Stern aus acht Rhomben, aus abwechselnd dunkelroten und schwarzem Terrazzo, umgeben mit einer Reihe weißem Mosaik. Die Fläche des oberen Podestes wird als Teil des Treppenhausbodens von dessen Dekor mit eingeschlossen. Der in großer, liegender Quaderung gegliederte Sockel des Treppenaufgangs schließt mit einem kantigen Stockwerkgesims in Höhe des oberen Podestes ab. Darüber schließen mit Sockelhöhe über dem oberen Podest drei gleichgroße, liegende Rechteckfelder an, die durch pilasterartige Zwischenelemente voneinander getrennt sind, deren Kapitelle aus nach vorn gekröpften Teilen des oberhalb abschließenden Gesimses bestehen. Die Wandflächen darüber werden zu beiden Seiten durch drei etwa quadratische Wandspiegel gegliedert, die in ihrem Rahmen mit wulstigem, von außen nach innen fallendem Profil durch eine schmale Fuge erhaben abgesetzt sind. Das Kehlprofil der Decke verläuft kapitellartig herumgekröpft um die an den Innenseiten kassettierten Mauervorlagen am Zugang zum Treppenhaus. Von den oberen Mitten der Kassetten und von den Ecken unter der Decke hängen barocke Schmuckornamente herab. Den Spiegel des Treppenhausbodens aus rot-weiß-grauschwarzem Terrazzo umgeben ein Mosaikstreifen aus einer Reihe abwechselnd schwarzer und weißer Steine, eine Rahmung aus rotem und ein breiter Rand aus schwarzem Terrazzo. Die durch geeignete Farbwahl guterhaltenen Böden der Eingangshalle und des Treppenhauses sind zugleich das einzige Beispiel für authentische Farbgebung. Die gerade, zwei- und gegenläufige, rechtswendende Holztreppe begleitet ein Holzgeländer mit -handlauf. Die Untersichten der Läufe und Podeste tragen Stuckspiegel mit konkav abgerundeten Rahmenecken.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0