Wohnhaus
Norbertstraße 32 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2354 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Norbertstraße 32, 50670 Köln |
| Baujahr | 1906 bis 1907 |
| Architekt / Planung | H. Reitsamer |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.05.1984 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Aus der 90- bis 95%igen Zerstörung der Kölner Altstadt im Zweiten Weltkrieg folgert der besondere Wert jedes verschont oder auch teilweise verschont gebliebenen Denkmals. Darüber hinaus sind die äußerst seltenen Ensembles und kleineren Denkmälergruppen von größtem städtebaulichem Wert. Die Norbertstraße und die weiterführenden Straßen Gereonshof, Im Klapperhof, Spieserstraße wurden in der ersten Hälfte des 19. Jh. auf den bis dahin erhalten gebliebenen Freiflächen innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer nach der Auffassung klassizistischen Städtebaus geradlinig und mit überschaubaren Straßenräumen angelegt. Die Norbertstraße verbindet als Seitenstraße der Friesenstraße den mittelalterlichen Komplex um St. Gereon mit den Straßen Gereonskloster und Gereonshof.
Das Gebäude Norbertstraße 32 wurde in den Jahren 1906 bis 1907 von Architekt H. Reitsamer als dreigeschossiges, dreiachsiges Wohnhaus mit einem Erker und einer Stuckfassade errichtet. Die klassizistischen Fassaden der Häuser Norbertstraße 27, unmittelbar gegenüber, und Norbertstraße 36 stellen das Gebäude Norbertstraße 32 in architektonisch enge Beziehung zu den Bauten seiner nächsten Umgebung. Die gegensätzlichen Grundelemente des Gebäudes sind das in lasttragender Ästhetik gestaltete, vierachsige EG über dem die Einheit des 1. und 2. OG mit drei Fensterachsen in maßvoller Strenge emporwächst. Dementsprechend bildet das Grundmuster des Stuckes am EG einen kreuzförmigen, leicht rustizierenden, an den beiden OG einen bändernden, liegenden, aber flacher gehaltenen Fugenschnitt mit gemeinsamen, gleichen, vertikalen Distanzen. Die Ränder der Stuckflächen treten stufenförmig rahmend zurück. Die Statik des Gebäudes wird von der Ästhetik der Fassade aufgegriffen und eigenständig interpretiert. Die Eigenart des EG mit einem kantig vorspringenden Stockwerkgesims über einem Band, das die Einzelstürze fortlaufend zusammenfaßt, wird durch das fortlaufende, kantige Fensterbankgesims und die dreiteiligen Fensterrahmen, deren Seitenteile nach innen abwinkeln, unterstrichen. Die unterschiedlich breiten, flächigen Mauerpfeiler zwischen den Fensterachsen beginnen über dem EG mit Kanneluren, die bis zur Höhe der Fensteröffnungen am 1. OG hinaufreichen und den Pfeilerbasen stützende Leichtigkeit geben. Zwischen den Fensterstürzen des 2. OG und dem weiten Überstand des kantigen, flachen Traufgesims münden die Fensterpfeiler flächengleich ein. Dem Leitbild des Jugendstil entsprechend liegen die Fensterbrüstungen und -stürze besetzt mit streng abstrahierten, vegetabilen Ornamenten aus der vorderen Fassadenebene zurückgesetzt über zwei Stockwerke reichend in scheinbarer Schwerelosigkeit. Als Zwischenelement setzt ein vegetabil ornamentierter Viertelstab als wulstige Kehle die Fassadenwand von der Horizontalen des vordachartigen Traufgesimses ab. Der Erker an der rechten Seitenachse des 1. OG wiederholt mit fünf vertikalen, verspringenden Rippen als Wangen der schmalen, mit Kartuschen gezierten Brüstungselemente und den tiefliegenden Fenstern im kleinen die Gesamtästhetik der OG. Die zu beiden Seiten breiter ausgeführten Eckpfeiler überkröpfen als Basen das um den Erker herumlaufende und ihn in die Fassade einbindende Stockwerkgesims über dem EG. Die verglasten Ausschnitte der Haustür, zusammengesetzt aus den geometrischen Grundformen Quadrat, Rechteck und Kreis, vermitteln zwischen Strenge und Verbindlichkeit. Die Ästhetik der Fassade setzt sich mit größter Konsequenz in der Ästhetik der Innenräume fort. Vier Differenzstufen des Hausflures führen von einem quadratischen unteren Podest auf das Niveau des EG. An den Boden- und Treppenbelag aus weißem Marmor schließen hohe Wandsockel an. In dem vertieft liegenden Deckenspiegel, der mit einer Schrägen an dem umlaufenden Deckenrand anschließt, sind sechs tiefliegende quadratische Kassetten eingelassen, deren Kehlen abgeschrägt und deren Laibungen wiederum kassettiert sind. Die Wandfelder tragen die gleiche Rahmung wie die des Treppenhauses. Der Zugang zum Treppenhaus liegt zwischen kantigen Mauervorlagen, die flächenbündig an den scheitrechten Stützbogen anschließen. Die gerade, zweiläufige, rechtswendende Treppe aus graubraunem Terrazzo trägt ein schmiedeeisernes Geländer mit einem Messingrohr als Handlauf. Drei Geländerfelder an jedem Lauf, deren Flächen mittig horizontal und vertikal von drei nebeneinander liegenden Stäben kreuzförmig geschlossen werden, sind seitlich von stärkeren Vierkantstäben eingefaßt, die unterhalb des Handlaufs zum Feld hingerichtete, eckige Mäander bilden. Der Beginn des Geländers auf dem Antritt im EG besteht aus drei gerippten , mit Messingwürfeln besetzten Stahlstäben in der Ebene des Geländers. Treppenhaus- und Podestböden bestehen aus grauen Sechseckfliesen, die ein Rand aus rechteckigen Fliesen in derselben Farbe umgibt. Auf dem Treppenhausboden sind Innenfeld und Randrahmung durch einen zweireihigen Streifen aus versetztem schwarzen und weißen Mosaik gegeneinander abgesetzt. Die Unterschichten der Läufe und Podeste tragen Stuck. Die Unterschichten der Stockwerkpodeste tragen vierfeldige Kassettierung, die der Läufe und Zwischenpodeste einfeldrige Kassettierung aus ebenen Flächen mit nach innen abgetreppten Rändern aus unterschiedlich breiten Stufen. Die Ecken sind an gleichen Seiten ausgeklinkt und spiegelbildlich nach innen gewendet. Die Wandflächen oberhalb der Sockelflächen umgeben Randrahmungen aus flachen, aufgesetzten Stuckbändern. Wohnungsabschlüsse bestehen aus einflügeligen, im oberen Teil verglasten Türen und bleiverglasten Oberlichtern in der Form liegender Rechtecke. In ihrem Gesamtcharakter ähnlich, unterscheiden sich die Türblätter durch reich differenzierte Profile, die Tür- und Oberlichtverglasungen durch die Art ihrer Sprossenaufteilung. In den Oberlichtern umfassen von Eckquadraten ausgehende Randverglasungen die Mittelfelder. Die Türverglasungen bestehen aus der Reihung stehender Rechtecke oder aus quadratischem Umriß mit abgeschrägten Ecken und konzentrischer Innensprosse, beide an den Ecken durch Zwischensprossen trapezförmig miteinander verbunden. Die Geschosse enthalten reichen Deckenstuck aus eng profilierten Wandleisten, abgeschrägten Kehlen und abgetreppten Rändern um die Mittelspiegel. Die Streifen zwischen Kehlen und Mittelspiegel tragen Ornamente aus abwechselnd im Gegensinn laufenden Mäandern, Kassettenreihungen und Bändern aus querliegenden Kanneluren. Über dem Erkerzimmer liegt eine Kreuzbalkendecke mit tiefliegenden Kassetten. Die Fenster liegen an erkerartigen, den Räumen vorgelegten Nischen mit eigener Deckenstuckierung hinter Unterzügen auf pilasterartigen Pfeilervorlagen. Das Zimmer links neben dem Wohnungseingang im 1. OG schließt zur zentralen Diele hin eine dreiteilige, in Holzrahmung gefaßte Sprossenverglasung mit Oberlichtern ab. Die Sprossenteilungen der Oberlichter bilden Rahmungen um die zentrale Scheibe aus aneinandergereihten Quadraten. Die konzentrische Teilung der Sprossenverglasung der unteren Glasfelder ähnelt der Verglasung in der Tür des Wohnungsabschlusses. Zu beiden Seiten der mittigen Tür sind der Wand zur Diele hin gepolsterte Sitzbänke, zum Zimmer hin Kasten mit Klappdeckeln vorgesetzt. In diesem Raum befindet sich an der Wandmitte zur Linken ein überaus dekorativer Wandkamin aus weißem, hellbraun-schwarz gequaderten Marmor mit in flächigen Messinggittern geschlossenen Öffnungen als Ummantelung eines Heizkörpers einer damals als großartige technische Neuerung geschätzten Warmwasserschwerkraftheizung. Zuluftöffnungen am Boden und Abluftöffnungen im Kaminsims lassen die Luft zirkulieren. Seitlich flankierende Pylone rahmen den Kamin und den Fuß des bekrönenden Wandspiegels mit halbrundem oberen Abschluß, dessen Stuckrahmung zum Stuck der Decke überleitet. Die Wandflächen sind über glatten Sokkelflächen mit Wandfeldern mit quadratisch eingezogenen Ekken besetzt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0