Wohnhaus
Roonstraße 92 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2581 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Roonstraße 92, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1890 bis 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 23.07.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt zwischen den Ausfallstraßen Zülpicher und Lindenstraße die Achse der Roonstraße mit dem Wohnviertel, um den sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz. Der mit 230 m mal
120 m messende, rechteckförmige Platz (ehem. Königsplatz) wurde als zentrale, städtische Parkanlage, der auch die Aufgabe zukam, die Aufstellung der Wagen des Karnevalszuges zu übernehmen, in die Planung aufgenommen. Die Roonstraße, deren Verlauf im Nordwesten durch den Turm der Altkath. Kirche und im Süden durch den Turm der Herz-Jesu-Kirche gefaßt ist, kündet durch den leichten Anstieg des Straßenniveaus in Richtung Barbarossaplatz und den gegenüber dem zur Altkath. Kirche gehörenden Turm der Herz-Jesu-Kirche die Nähe der Ringe an. In der Roonstraße wird an den Enden des Rathenauplatzes auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Baumbestand durch eine Baumreihe (heute lückenhaft) aufgegriffen und bis zur Baumgruppe vor dem Turm der Altkath. Kirche und andererseits bis zum dem Baumbestand um die Herz-Jesu-Kirche weitergeführt.
Das Objekt Roonstraße 92 wurde um 1890 bis 1895 als viergeschossiges, zweiachsiges Wohnhaus mit zwei Balkonen und einer Stuckfassade errichtet. Mit seinen drei Achsen steht dieses Haus in der Tradition des rheinischen Dreifensterhauses, ein Begriff, der im klassizistischen Köln in der ersten Hälfte des 19. Jh. geprägt wurde. Der architektonische Grundaufbau der Fassade besteht aus zwei Einheiten, dem Sockel aus hochliegendem Keller und EG und dem 1. bis 3. OG. Die Grundstruktur der Fassadenflächen besteht am Sockel aus einer tieffugigen Quaderrustika, an den OGs aus einer gebänderten, liegenden Rustika mit einem Fugenschnitt geringer Tiefe. Den lasttragenden Ausdruck des Fassadensockels verstärkt der untergliederte Erdsockel, der mit kraftvollem Stockwerkgesims abschließt, desen Wirkung durch ein Brüstungsband aus einer Reihe liegender Diamantquader und einem durchlaufenden Fensterbankgesims am EG nachklingt. Die Bodenquaderungen der Halbkreisbogen über dem Haupteingang und den Fenstern des EG mit ausgeprägten Schlußsteinen und das ausgeprägte Stockwerkgesims des EG, das in dem gefelderten Brüstungsband und einem durchlaufenden Fensterbankgesims am 1. OG nachklingt, dienen ebenfalls dem Ausdruck der lasttragenden Funktion. Zudem stellt die Asymmetrie des Sockels mit dem seitlich angeordneten Hauseingang und die symmetrisch geordnete Gliedrung der OGs weiteren Gegensatz zwischen den beiden Grundelementen her. Ein weiteres architektonisches Grundkonzept besteht in der optischen Fassadenüberhöhung, die durch geringere lichte Fensteröffnungen am 2. OG zur Wirkung gelangt. Entsprechend nehmen die Fensterbankzonen in der Kraft ihres Ausdrucks von Geschoß zu Geschoß ab. Im Gegensatz hierzu steigert sich der Ausddruck der Fensterüberdachungen durch geschoßweise wachsenden Umfang und Auskragung bis einschl. zum Traufgesims, das als Konsolgesims mit weitester Auskragung die Fensterreihe des 3. OG gemeinsam überdacht. Die durchlaufenden Fensterbankgesimse betonen den individuellen Charakter jeder einzelnen Wohnung. Die Umrahmungen der Fenster, aus seitlichen Halbsäulen auf Postamenten am 1. OG, Pilastern auf Konsolen am 2. OG tragen Gebälk und Übergiebelungen aus Halbkreisen und Dreicken mit seitlichen, horizontalen Ansätzen, stellen zudem jedes einzelne Fenster für sich vor den Hintergrund der Rustika. Aus diesen Giebelfeldern schauen über den seitlichen Fenstern des 1. OG und dem mittleren Fenster des 2. OG Plastiken menschlicher Köpfe dem Betrachter entgegen. Das dritte architektonische Konzept wurde in einer gitterartigen, transparent wirkenden Struktur der Fassadenelemente verwirklicht, deren Glieder überlagernd ineinander übergreifen. Die Architektur des Hauses steht in der Tradition des Kölner Klassizismus. Die Einzelelemente wurden aus dem Formenkanon der Renaissance, dem individuellen Repräsentationsbedürfnis der Zeit entsprechend, eigenständig übersetzt. Die Haustür entspricht formal dem Vorbild eines Fensters mit Brüstung, Fensterbankgesims, Verglasung, seitlichen Gewänden, Verdachung, Kämpfer und Oberlicht. Das Brüstungsfeld umgibt die Profilrahmung eines liegenden Rechtecks. Die seitlichen Gewände bestehen aus dreiviertelrunden Säulen, die auf dem Fensterbankgesims aufstehen, aus zylindrischer Basis, kannelierter Schaftmanschette, hohem, glatten Schaft und korinthisch-ionischen Mischkapitell. Auf den Säulen ruht die Überdachung aus einem mittigen Halbkreis, der eine Muschel umschließt, mit waagerechten Ansätzen zu beiden Seiten. Die Fläche des halbkreisförmig abschließendem Oberlichts und des Türblatts trennt ein hohes, ausladendes Kämpferprofil, das an einem Fries nach dem Vorbild des Gebälks griechischer Tempel aus Metopen, Triglyphen, Taenia, Regulae mit Guttae abschließt. Im Hausflur führen zwischen dem unteren, hinter der Haustür und dem oberen, vor dem Stützbogen gelegenen Podest, sieben Differenzstufen aufwärts zum Niveau des EG. Die Treppe besteht aus weißem Marmor, die Podeste aus weißem Marmor mit einer Randrahmung aus schwarzem Marmor. Der Stützboden, ein hoher Flachbogen zwischen Hausflur und Treppenhaus mit Dreiviertelkreispofilen als Kanten ruht auf Mauervorlagen. Der Treppenhausboden zeigt den gleichen Dekor wie die Podestflächen des Hausflurs. Die gerade, zwei- und gegenläufige, rechswendende Holztreppe trägt ein Holzgeländer aus gedrechselten Stäben. Auf den Zwischenpodesten befinden sich unter den Krümmlingen des Handlaufs pfostenartige, gedrechselte Stäbe, die mit ihrer Basis die Treppenwangen verbinden und unter den Deckenflächen der Zwischenpodeste gedrechselte, hängede Zapfen bilden. Die Wohnungsabschlüsse bestehen aus vierfeldrigen Holztüren, die ein Blendrahmenprofil umgibt. Vom originalen Ausbau der Wohnungen sind einzelne Türen und die Fenster vorhanden. Die originalen Holzfenster, insbesondere die Fenster an der Straßenseite, sind durch die Art ihrer Teilungen, Profilierung der Schlagleisten und Kämpfer etc. Bestandteil der Fassadenarchitektur. Der z. T. stark beschädigte Innenausbau läßt den Originalzustand jedoch noch weitgehend erkennen.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0