Wohnhaus

Roonstraße 88 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4089
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Roonstraße 88, 50674 Köln
Baujahrum 1890 bis 1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 26.03.1987
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Wohnhaus wurde um 1890 - 1895 errichtet.

Baukünstlerisch dokumentiert das breit angelegte, in 5:4, 5 Achsen sich ziehende 4-geschossige Wohnhaus, mit Giebelgeschoß und Geschäften im Erdgeschoß, die Schlüsselrolle, die bei Kölner Straßenanlagen traditionsgemäß den Eckgebäuden an Kreuzungen mehrerer Straßenzüge zukam. Die mit einem zweistöckigen Erkervorsprung und Balkonaufsatz mit Steinbalustrade beschmückte Eckabschrägung am Treffpunkt vierer wichtiger Straßen ist als architektonischer Hauptakzent des Hauses gedacht. Von der zur Zeit schon zerstörten plastischen Bänderung durch lang gezogene Quastikaquader im Erdgeschoß hebt sich die mit Ziegel verkleidete zu allen Seiten einheitlich konstruierte Fassade ab. Ein stark verkröpftes Kreuzgesims mit Konsolen pointiert die paarweise laufenden Brüstungsleisten und sorgt für den waagerechten Ausgleich.

Die Stuckverzierung besonders in den Lünetten der Fenster des 1. und 2. Obergeschosses, sowie in der Brüstungszone der Erkerfenster, deuten die Inspiration in dem Stilvorrat des voll entfalteten Kölner Historismus an. Die Säulenpracht und die mit Balustraden geschmückten Rundbalkone an der Mittelachse sowohl zur Brüsseler als auch zur Roonstraße, sind zur Zeit nicht mehr zu sehen, was allen drei Straßenfronten, zwar ein bescheidenes, aber trotzdem rhythmisch einheitlich wirkende harmonische Gestalt verleiht. Im Hausinnern ist das Treppenhaus mit Farbmosaikeinlagen im Erdgeschoß und an den Podesten, weiter die Treppe mit Eisenstangengußgeländer und Holzhandlauf aus der Erstbebauungszeit, sowie einzelne Fenster zum Hof in ursprünglicher Teilung, erhalten.

Ortsgeschichtlich ist das o. g. Objekt bedeutend, weil es die Erstbebauung des westlichen Gebietes des ehemaligen Rayonsgeländes und somit die Entstehungsgeschichte der Kölner Neustadt belegt. Die Bebauung nach dem von J. Stübben und K. Henrici 1881 erstellten Erweiterungsplan erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen dem Mauritiuswall und den preussischen Befestigungsanlagen ein Netz von Straßen mit jeweils unterschiedlicher urbanistischer Bestimmung entstehen. Die Roonstraße war von Anfang an als eine der wichtigsten Querachsen des Ost-West Verkehrs und so als eine Verlängerung der Ringstraße angelegt. Neben den Geschäfts- und Gewerbeeinrichtungen war sie auch als Wohnanlage für Bewerber mit mittleren und gehobenen Ansprüchen gedacht.

Städtebaulich setze sich die beherrschende Wirkung der langen Fassade sowohl zur Brüsseler wie auch zur Roonstraße durch. Durch seine Höhe, Baumassen und Proportionen, wie auch durch die architektonische Grundfassung und Verzierung bildet das Eckhaus mit den folgenden Gebäuden (so in der Brüsseler Str. 1 und weiter, besonders dann Nr. 9 und Nr. 11) eine einheitliche Fassadenzeile. Einige Bauelemente der Reihe treten miteinander in ein kommunikatives System ein, daß das Erscheinungsbild der Gründerzeit noch heute anschaulich und rekonstruierbar macht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0