Wohnhaus
Weißenburgstraße 33 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2755 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Weißenburgstraße 33, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 07.11.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Die Weißenburgstraße verbindet als eine der repräsentativen Straßen des sog. Gerichtsviertels im Norden der Neustadt mit der Reihung prunkvoller Bürgerhäuser und einer Baumallee auf überhöhtem Mittelstreifen der von Anbeginn zweispurigen Fahrbahn den Reichensperger Platz vor dem eindrucksvollen Gebäude des Oberlandesgerichts mit dem Neusser Platz um die Agneskirche als optische Mitte der Straßenführung und dem Prälat-Otto-Müller-Platz am jenseitigen Ende der Straße. Die prunkvollen Gebäude des vom Oberlandesgerichts ausgehenden Straßenabschnitts sind mit den Anschlußbauten der Seitenstraßen fast lückenlos in ursprünglichem Aussehen erhalten geblieben. Die vier- bis fünfgeschossigen Hausreihen schließen zu beiden Seiten der Baumkronen mit kraftvoll ausgeprägten Silhouetten der Dächer und Dachaufbauten ab. Längs des Südflügels des Oberlandesgerichts vereinen sich die beiden Fahrspuren zu einer einzigen Mittelspur zwischen verbreiterten Bürgersteigen; die beiden Baumreihen des Mittelstreifens wechseln auf die Flächen der Bürgersteige in die Flucht der beiden Fahrbahnen über. Dieser Strukturwandel gibt dem Straßenraum der Weißenburgstraße zum Reichenspergerplatz hin gesehen seinen optischen Abschluß und bildet das retardierende Element zwischen dem wohnlichen Straßenraum und dem Halboval des Reichensperger Platzes vor der eindrucksvollen Hauptfassade des Oberlandesgerichts. Demgegenüber wirkt der Neusser Platz als lichtvoller Ausblick und Gegenpol. Das Hauptportal der Turmfassade des zurückgesetzten Kirchenbaus von St. Agnes wird erst an der Mündung des Straßenabschnitts überraschend sichtbar.
Das Objekt Weißenburgstraße 33 wurde um 1905 als viergeschossiges, dreiachsiges Wohnhaus mit einem Giebelgeschoß, einem Erker, einem Balkon, einer Toreinfahrt und einer Stuckfassade errichtet. Die Fassade ist in zwei sich teilweise überlagernde Elemente gegliedert. In den vorwiegend horizontal gegliederten Unterbau und die vorwiegend vertikal gegliederten oberen Geschosse. Das EG gibt mit einem Erdsokkel und der derben Bänderung seiner liegenden Rustika seiner Erdverbundenheit, seiner stützenden und schützenden Kraft überzeugenden Ausdurck. Das 1. OG überhöht den Fassadensokkel mit der Wiederholung seiner Rustika in kleinerem Maßstab und gibt ihm seinen oberen Abschluß durch die beidseitig horizontal einfassenden und weit auskragenden Stockwerkgesimse. Die vertikale Ausrichtung der Geschosse darüber erzeugen die stehenden Rechtecke der Fenster, der Wechsel von scheitrechten Fensterstürzen am EG und 1. OG zu immer höheren Bogen bis zu den Halbkreisbogen der Dachgiebelfenster, die über mehrere Stockwerke zusammengefaßten Rahmungen der Fensterachsen mit deren Überhöhungen durch die Dachgauben und der zu einem bekrönenden Dachgiebel aufwärts weisende Mittelerker. Die Vertikalität beginnt in die Horizontalität des Sockels übergreifend spontan mit den Fenstern des 1. OG, endet jedoch allmählich ausklingend in den Aufbauten des Daches. Das Dachgesims und ein durchlaufender Gesimsbalken über den Fenstern des Dachgiebels geben ihrer vertikalen Durchdringung den Vorrang. Die von Geschoß zu Geschoß niedriger werdenden Lichtmaße der Fenster übernemen aus klassizistischen Vorbildern das Gestaltungselement der optischen Fassadenüberhöhung. Die symmetrische Ordnung der OGs unterstreichen die Zwillingsfenster am Mittelerker und Dachgiebel und die Verdichtung der Architekturelemente um die Mittelachse. Der besondere kunsthistorische Reiz dieser Fassade liegt in der Anwendung der Leitideen des Jugendstils auf der Grundlage der bis zur Jahrhundertwende verwendeten architektonischen Strukturen. Neu ist die Öffnung der Architektur zu ihrer Umwelt und das Vorbild organischer Entfaltung über der wissenschaftlich introvertierten Haltung der vorangegangenen Jahrzehnte. Der Boden des Hausflurs besteht aus großflächigen, grauen Marmorplatten. Die Wandsockel aus dem gleichen Material sind längs des Fußbodens und oberhalb abschließend mit einem Streifen aus schwarzem Marmor eingefaßt. Das elliptische Gewölbe der Deckenfläche setzt sich kontinuierlich als Wandflächen fort, denen horizontale Ornamentbänder aufgesetzt sind. Zwei vertikale, umlaufende Bänder, kanneliert, stellen zwei schmale, seitliche und ein breites Mitteljoch her. Unterhalb des Deckengewölbes liegen horizontale Friese aus spiegelbildlichem, floralem Ornament. Der Stützbogen wiederholt in der Form eines Korbbogens den Querschnitt der Hausflurdecke. Die ihn unterstützenden Wandvorlagen werden von den Wandsockeln des Hausflurs mit umschlossen. Zwischen dem Stützbogen und dem Treppenhaus schließt ein quergelegter Raum mit verteilender Wegefunktion an, der zum Treppenhaus hin mit einem zweiten Stützbogen scheitrecht mit Viertelkreisen in die Wandflächen übergehend abschließt. Das Dekkenfeld umschließen Hohlkehlen. Die gerade, zwei- und gegenläufige, linkswendende Treppe aus grauem Terrazzo, deren Podestflächen aus grauem Terrazzo mit einer Rahmung durch rötliche Einfärbung des Bindematerials trägt ein schmiedeeisernes Geländer mit Holzhandlauf. Im Geländerfeld eines jeden Laufs wiederholt sich das Mittelmotiv an beiden Seiten als Endmotiv jeweils zwischen zwei im Treppenlauf verankerten Stäben. Die Motive bestehen aus drei an den oberen Enden mit Kugeln abschließenden Stäben; an die Basis des geradlinigen Mittelstabs schmiegen sich von beiden Seiten gleichförmig rankend die Seitenstäbe an. Die unteren Enden der von den Traversen gefaßten Zwischenstäbe sind rund-, die oberen zu kleinen Fächern ausgeschmiedet. Die Treppenhausfenster umschließen zwischen Fensterbank und dem eigentlichen zweiflügeligen Fenster mit Sichtbogenoberlicht einen feststehenden, schmalen Streifen aus farbigem, zweifeldrig symmetrischem Ornamentglas in Blei gefaßt. Drei unterschiedlich geformte Rahmen aus Bleirippen umschließen mit weißen und gelben Ornamentgläsern ein Mittelquadrat aus leuchtendem Blau. Der umfangreiche, L-förmige Anbau bildet mit dem gleichen Anbau des linken Nachbarhauses ein weitläufiges Atrium. Die Wagendurchfahrt verbindet die Straße mit dem Hof und dem hinteren separaten Treppenhaus. Ein Unterzug auf zwei Wandvorlagen gliedert die Wagendurchfahrt in zwei gleich große Joche. Die bis in Augenhöhe reichenden, auch die mittleren Wandvorlagen umschließenden Wandsockel oberhalb der Schrammborde bestehen aus Fliesen. Die gedrungenen, liegenden Rechtecke der flachflächigen Fliesen mit abgefasten Kanten ähneln bossierten Steinen. Die weißen Flächen schließen oben mit einem Fries aus abwechselnd graugrünen und weißen Platten am Rand mit einem Streifen aus graugrünen Platten ab. Das Treppenhaus im Anbau ähnelt dem des Vorderhauses in allen Teilen, ist jedoch insgesamt schlichter gehalten. Sämtliche Geschosse enthalten ihren ursprünglichen Ausbau. Die Böden bestehen aus Parkett. Die Wandflächen werden von ein-, teils zweiflügeligen Türen mit niedrigeren Höhen zu untergeordneten Räumen, mit schmalen, hohen Füllungsteilungen, Sprossenverglasungen und feinteiligen Flächen- und Kantenprofilen gegliedert. Ihre Flächen sind durch schmale, hohe Füllungen, Sprossenverglasungen und feinteilige Flächen- und Kantenprofile unterteilt. Die äußerst variationsreichen Stuckdecken weisen in den untergeordneten Räumen die damals herkömmlichen Hohlkehlen mit Randprofilen, in den Wohnräumen abgestufte, asymmetrisch an den Wänden hinabreichende Kehlen auf. Die Dekkenfelder werden von konzentrischen Kombinationen geometrischer Grundformen, durch zentrale und zudem teils durch Eckrosetten aufgeteilt. Der Deckenstuck entspricht durch seine kleinmaßliche Detaillierung dem hohen, architektonischen Niveau des Hauses.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0