Wohnhaus
Weißenburgstraße 31 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1484 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Weißenburgstraße 31, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 20.04.1983 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Das Gebäude wurde um 1905 als viergeschossiges Wohnhaus mit umfangreicher, rückwärtiger Bebauung errichtet. Bei stilvoller Gemeinsamkeit im ganzen tragen das Erdgeschoß, das erste, zweite mit dem dritten Obergeschoß und die Dachzone eigenständige Prägung: Der kräftig rustizierte Sockel des Erdgeschosses hat vier Achsen (Hauseingang, drei Fenster, Toreinfahrt). Das erste Obergeschoß ist durch Schmuckformen des Fassadenstucks dominierend betont, die Geschoßhöhe ist optisch vergrößert, wobei ein Teil der Fassadenfläche des zweiten Obergeschosses mit einbezogen wird (durchlaufendes Stockwerkgesims zwischen Erdgeschoß und erstem Obergeschoß, durchlaufendes, friesartiges Fensterbankgesims am zweiten Obergeschoß). Nach der somit reduzierten Fassadenfläche des zweiten Obergeschosses wurde das zweite mit dem dritten zu gemeinsamer Aussage zusammengefaßt. Die Wirkung der Fassadenfläche wird im Dachgeschoß insbesondere durch die Formgebung des Mansarddachs und einen beherrschenden Dachgiebel erweitert. Die Fassadenbereiche werden in der zweiten Achse von links durch einen risalitartigen Erker mit Dachbalkon, der sich optisch in das Giebelfeld des Dachs fortsetzt, zusätzlich betont. Die besonders breiten, dreiteiligen Fenster an der Breitseite des Erkers geben seiner Wirkung einen besonderen Akzent. Die gliedernden Schmuckformen sind im wesentlichen aus den Elementen überdachter Balkone mit Balustraden abgeleitet. Hinzu treten rein dekorative Formen, wie z.B. auf den Fensterbrüstungen des Erkers (in Rankenwerk gefaßte Kartusche), über den Fenstern des dritten Obergeschosses (Engelköpfe als Schlußsteine), auf dem Feld des Dachgiebels (flächige Maske).
Das Gebäude ist über ein vorderes und ein hinteres Treppenhaus erschlossen. Von den Podesten der Treppenanlage des Vorderhauses sind auch die anliegenden Wohnungen im Anbau zugängig. Die weiter zurück liegenden Wohnungen besitzen ein eigenes Treppenhaus, das über die Hofeinfahrt und den Hof erreichbar ist. In beiden Treppenhäusern ist das Belagmaterial der Stufen und Podeste Terrazzo, sind Eisengeländer mit Holzhandlauf vorhanden und die Treppenhausfenster teilweise farbig verglast. Im Hausflur des Vorderhauses wird der ca. 1,50 m hohe Marmorsockel in schwarzweißer Felderung in seiner Gliederung durch den Wand- und Deckenstuck aufgenommen. Die halbrunde Tonne und der Stützbogen werden durch einen abschließenden Wandfries aus Blattornament hervorgehoben.
Das zweite und dritte Obergeschoß sind sich in ihrer Ausstattung ähnlich. Die zum Teil originalen Türen korrespondieren mit den Fensterteilungen. Jedes der Zimmer ist mit Deckenstuck unterschiedlich reich geschmückt (florale Motive, Deckenfeldteilungen, Rosetten, Hohlkehlen, Wandleisten).
Städtebaulich gesehen ist das beschriebene Gebäude wesentlicher Bestandteil des Entwurfs von Stadtbaumeister Hermann-Josef Stübben, der seit 1881 für das Gebiet der Kölner Neustadt zur Ausführung kam: Die Gesamtanlage entspricht dem hohen Niveau der Vorderansicht. Vorder- und Hinterhaus bilden zusammen eine weite U-Form, die vom rechten Nachbargebäude in Symmetrie aufgenommen und damit zu einem geräumigen Atrium ergänzt wird. Diese Anlage ist ein auffallendes Beispiel guter Wohnverhältnisse einer rückwärtigen Bebauung trotz hoher Nutzung der Bodenfläche. Der eigenständige Zugang durch die Hofeinfahrt entspricht der großzügigen Anlage.
Die Weißenburgstraße ist eine der repräsentativsten Wohnstraßen des Viertels, dessen Bausubstanz größtenteils erhalten geblieben ist, und deren guter Zustand eine hohe Qualität der Bauausführung beweist. Im Querschnitt des Straßenraums sind die Höhen der Gebäudefronten etwa gleich der Straßenbreite. Eine Vielzahl von Aufbauten der Fassaden und Dachregionen überspielen die auf beiden Seiten gleich hohe trauflinie in kraftvoller Silhouette. Das Straßenprofil mit zwei Bürgersteigen und einem mit zwei Baumreihen bestandenen Mittelstreifen ist bis auf Erweiterungen der Fahrspuren beidseitig des Neußer Platzes ebenfalls noch in originaler Anlage erhalten. Der Raum dieser prachtvollen, etwa 500 m langen Straße ist einerseits durch eine Eckbebauung am Prälat-Otto-Müller-Platz und andererseits durch eine Eckbebauung am Reichenspergerplatz jenseits der Riehler Straße geschlossen. Ein eigenartiger Wechsel im Straßenausbau ist am Westflügel des Gerichtsgebäudes festzustellen, wo eine einzige, mittlere Fahrbahn und zwei besonders großzügig angelegte Bürgersteige mit je einer Baumreihe den nahe gelegenen Reichenspergerplatz vor dem Haupteingang des Gerichts ankündigen. Durch den Versatz der Baumreihen entsteht hier eine optische Verdichtung vor der Einmündung in die offene Weite des Reichenspergerplatzes. In dem so geschaffenen Straßenraum wird das Blattwerk der Baumreihen durch den Neußer Platz mit der Agneskirche unterbrochen, wodurch von jeder Seite aus gesehen die optische Mitte der Straße bestimmt ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0