Wohn- u. Geschäftshaus
Lupusstraße 43 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2821 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Lupusstraße 43, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1902 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 07.03.1985 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Das Gebäude Lupusstraße 43 wurde um 1902 als 4geschossiges, 3achsiges Wohnhaus mit einem Erker und einer Stuckfassade errichtet. Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Die Lupusstraße ist eine der auf den Neusser Platz hin ausgerichteten Sternstraßen. Lupus- und Ewaldistraße verlaufen symmetrisch zur Achse der Neusser Straße, der Verbindung zwischen der Eigelsteintorburg und der Agneskirche. Die in der Mitte des Straßenzugs schleifend schneidende Balthasarstraße und die Schillingstraße, mit der die Lupusstraße gemeinsam in die Riehler Straße einmündet, führen die Stadtbereiche von beiden Seiten auf die Neusser Straße zu. Die Lupusstraße ist somit ein wesentlicher Bestandteil der städtebaulichen Struktur der nördlichen Neustadt. Die im Halbkreis zurückgesetzte, gemeinsame Einmündung der Schilling- und Lupusstraße in die Riehler Straße gibt der Bebauung Freiraum für abgeschrägte Eckausbildungen. Die ungewöhnlich breite Eckfront des Hauses Riehler Straße 19 nimmt Bezug auf die Bebauung des Ebertplatzes und hat von dort aus zur Agneskirche hin wegweisende Funktion. Der Querschnitt des Straßenraums bildet ein stehendes, weites Rechteck. Die Traufhöhe der Neubebauung setzt die Traufhöhe der Erstbebauung fort und bewahrt damit den ursprünglichen städtebaulichen Charakter des Straßenraums. Die Altbausubstanz ist in der Nähe des Neusser Platzes auf beiden Straßenseiten lückenlos erhalten und wird von den Denkmalbauten am Neusser Platz, der Neusser und der Weißenburgstraße kontinuierlich fortgesetzt. Die von der neugotischen Agneskirche aus sichtbaren Häuser Lupusstraße 37, 39, 41 und 43 entsprechen der Agneskirche mit neugotischer Architektur. Das Dach und die linke Fensterachse des 3. OG waren kriegszerstört. Die linke Fensterachse des 3. OG wurde nach den ursprünglichen Rohbaumaßen wieder aufgebaut. Die Rekonstruktion der Stuckgliederung ist durch die ursprüngliche Symmetrie mit der erhaltenen rechten Achse des 3. OG möglich. Auf die vertikale Ausbildung der Architektur wurde bei untergeordneten Horizontalen besonderer Wert gelegt. Sämtliche Fensterachsen verlaufen durchgehend vom EG bis zum 3. OG. Die Mittelachse als Symmetrie- und Erkerachse wird von den Seitenachsen flankiert und damit zusätzlich betont. Die Vorderseite des Erkers setzt sich am 1. und 2. OG aus zwei aufeinandergesetzten Quadraten mit schmaler Rahmung zusammen, die jeweils eine Brüstung und ein Drillingsfenster mit schmaler Steinbalkenteilung umschließen. Unterhalb seiner rechteckigen Grundrißform öffnet sich im EG im Kontrast zur Auflast ein Triumphbogenfenster mit der Breite des Erkers. Am 3. OG setzt sich der Erker in neuer Form mit abgeschrägten Seitenflächen als bekrönender Aufsatz fort. Die Seitenachsen wiederholen abgewandelt das formale Prinzip des Erkers. Die Überdachungen der seitlichen Maueröffnungen des EG bestehen aus Schulterbogen und Eselrücken. Die Fenster am 1. und 2. OG folgen als Aufsatz gleichsam die schlichter gehaltenen Fenster des 3. OG. Die optisch überhöhende Wirkung der vertikalen Struktur unterstreicht eine von Geschoß zu Geschoß flächiger werdende Rustika der Grundflächen. Der architektonische Stil des Hauses vereint die neugotische Ausdrucksform mit der des Jugendstils. Beide Stilrichtungen haben das Streben nach räumlicher Durchdringung, Transparenz und scheinbarer Schwerelosigkeit zum Inhalt. Der teilweise erhaltene ursprüngliche Innenausbau von hervorragender Qualität übernimmt das an der Fassade aufgezeigt ästhetische Prinzip. Der Boden des Hausflurs besteht aus diagonal verlegten, grauen, quadratischen Fiesen, die von diagonal verlaufenden, weißen Fliesenbändern eingefaßt sind. Den Bodenspiegel umgeben eine schmale, weiße Innen- und eine schmale, graue Randrahmung ein. Die Wandsockel bestehen aus türkisfarbenen Fliesen, die am Boden mit einer Fußleiste aus schwarzem Marmor und als oberen Abschluß mit einem Gesims aus rotem - und einer abschließend überstehenden Leiste aus schwarzem Marmor eingefaßt sind. Der Marmor besteht aus kontrastreichem, weiß gequadertem Material. Die Fliesen tragen einen unregelmäßigen Dekor aus Scharen geschwungener Halme. Die Wandflächen oberhalb der Sockel und die Decke sind stukkiert. Je drei mit profilierten Kanten erhoben auf die Wandflächen gesetzte Felder sind von schmalen, bankförmigen Rahmen umgeben. Jede der Ecken schwingt in geometrisch strenger Kreisführung zu den Feldmitten hin aus, überlagert von der naturalistischen Darstellung eines Blattes. Die Deckenkehle bildet ein schräg gestelltes, gewelltes Profil, auf das an der Wand ein reich gegliedertes, hohes Profil hinführt und dem sich in der Deckenfläche ein abschließenes Profil mit größerer Struktur anschließt. Den ebenen Deckenspiegel umgibt im Abstand zu den Kehlprofilen eine eigene Rahmung. Der halbkreisförmige, auf zwei Pilastern ruhende Stützbogen teilt den Hausflur in einen vorderen, beiteren und einen zum Treppenhaus hin gelegenen, schmaleren Abschnitt auf. Die zum Treppenhaus hin durchlaufenden Wandsockel umschließen auch die Pilaster. Die Innenflächen der Schäfte sind gefeldert; die Stirnfläche des Bogens architraviert. Der zweite Flurabschnitt beginnt mit der reich gegliederten und mit Schnitzwerk besetzten, einflügeligen Wohnungstür des EG. Die Rahmen tragen schmale, stehende Felderungen. Dem überdachend auskragenden Profil des Kämpfers schließt sich ein rechteckförmiges Oberlicht an. Die Gliederung des Türblattes besteht aus einem hohen Fußbrett, zwei liegenden Kassettenfeldern und einer farbigen, ornamentierten Bleiverglasung im oberen Teil, die ein Flachbogen überdacht, dessen Enden sich volutenförmig einrollen. Der teilweise erhaltene, ursprüngliche Ausbau der Wohnungen zeigt ungewöhnliche Vielfalt und hohe Qualität. Am Beispiel einer der Stuckdecken durchdringen sich zwei unterschiedlich geformte Rahmungen des Deckenspiegels in zweiachsig-symmetrischer Ordnung. Ein breiter Rahmen aus einer Reihung von Blüten zwischen dem Deckenspiegel und der Hohlkehle nimmt Bezug auf die Mittelrosette, einem Blattkranz mit seitlichen Ansätzen in der Längsachse des Deckenfeldes. Die Hohlkehle wird von schmalen Randleisten eingefaßt. Ihre Enden und aus dem Mittelfeld senkrecht zu den Achsen der Hohlkehlen gerichtete Leisten durchqueren die Kehle bis zu ihrem äußeren Rand und teilen sie somit in symmetrisch geordnete, unterschiedlich lange Abschnitte auf. Der Stuck einer anderen Decke zeigt konzentrische Rahmungen des Deckenspiegels, die sich nicht überschneiden, eine innere elliptische und eine äußere rechteckförmige, deren Ecken durch Verkröpfung ausgestellt und mit einer nach innen weisenden Fächerung geziert sind. Eine Girlande füllt die innere Ellipse von Scheitel zu Scheitel, rautenähnlich mit zur zentralen Rosette hin durchhängenden Seiten. Die Türen, einige zweiflügelig, und deren Laibungen tragen z. T. kassettenartige Felderungen. Die Türblattaufteilungen der zweiflügeligen Türen gehen von liegenden Rechtecken in Höhe des Türschlosses aus, denen sich nach oben und unten stehende Rechtecke anschließen. Die als Pilaster ausgebildeten Schlagleisten tragen Schaftwülste, die eine Sockelzone, zudem paarweise in Höhe des Schlosses und als Kapitell mit Diamantquadern beschlagene Schaftbereiche abgrenzen. Die Holzböden sind mit hohen, am oberen Rand profilierten Fußleisten eingefaßt. Der Dekor des Köchenbodens setzt sich aus roten, hellgelben Fliesen im Bodenspiegel und roten Randfliesen zusammen. Die Wände tragen einen Sockel aus weiß glänzenden, quadratischen Fliesen mit diagonal verlaufenden Fugen, als oberen Abschluß einen dunkelgrünen, waagerechten Streifenfries, überdacht mit einem dunkelgrünen Fliesengesims.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0