Wohnhaus
Hansaring 125 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3247 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Hansaring 125, 50670 Köln |
| Baujahr | 1888 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 14.10.1985 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Das in seiner ursprünglichen Form weitgehend erhalten gebliebene Gebäude Hansaring 125 wurde 1888 als 3achsiges Wohnhaus errichtet. Es weist sich als 4geschossiger, mit einem Souterrain versehener Bau aus, der eine Backsteinfassade mit detailreicher Stuckgliederung und einem Erker mit aufgesetztem Balkon besitzt.
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschland durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommender Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Der Straßenzug des Hansarings, dessen Stadtbild gleichermaßen die offene Weite des breit angelegten Straßenraums und der Fassadenreihungen seiner Prachtbauten prägen, läuft im Osten auf den Ebertplatz mit den zum Rhein hin anschließenden Parkanlagen über dem ehem. preußischen Sicherheitshafen am Theodor-Heuss-Ring, im Westen auf den zu einer lang gestreckten Parkanlage verbreiterten Kaiser-Wilhelm-Ring aus. Beide Platzanlagen, die zu den größten der Ringe zählen, erschließen mit sternförmig anschließenden Straßenzügen sowohl die umgebende Altstadt als auch die umgebende Neustadt. Das Gebiet dazwischen wird auf der Neustadtseite parallel zum Straßenzug des Hansarings durch die Nordostflanke des Versorgungsterrains des Güterbahnhofs Gereon, auf der Altstadtseite durch die inzwischen abgebrochene Gefängnisanlage Klingelpütz, die den Strafvollzug ursprünglich für jedermann sichtbar und abschreckend vor Augen gerückt hat, eingeengt. Die Stadtplanung des Hansarings wandelt auf meisterliche Weise dieses städtebaulich kritische, vergleichsweise enge, streifenförmige Terrain um in ein großzügiges Areal, dessen Länge durch die ursprünglich als technische Attraktion in den Straßenraum gestellte Bahnüberführung und den als unreale Attraktion mit der Darstellung eines Fragments der ursprünglichen Stadtmauer, in überschaubare Abschnitte gegliedert wird. Der in die Straßenflucht einbezogene Turm der Christuskirche geleitet zum Großareal des neustädtischen Westbereiches. Städtebaulich erweist das Objekt Hansaring 125 als letztes noch erhaltenes Gebäude der Straßenseite zwischen Lübecker und Krefelder Straße und gibt zusammen mit den Wohnbauten der gegenüberliegenden Straßenfront Hansraing 78, 88, 92, 94 und 98, mit denen es in der Fassadengestaltung korrespondiert, ein wichtiges Zeugnis von der einstigen Pracht der Ringstraßenbebauung in Köln.
Die Fassade des Gebäudes Hansaring 125 dokumentiert dies in ihrer Gesamterscheinung, die v. a. von der detailreichen, plastischen Stuckgliederung in den Formen der Renaissance bestimmt wird. Über dem in Souterrain und 1. OG unterschiedlich stark rustizierten Fassadensockel, der mit einem Gesims abschließt, sind die Umrahmungen der Fenster in den oberen drei Geschossen in Stuck ausgeführt, die dazwischenliegenden ebenen Flächen bestehen aus rotem Backstein. Sie werden als bauliche Einheit zusammengefaßt. Einen besonderen Akzent im Erscheinungbild der Fassade setzt die betonte Mittelachse des Gebäudes, die in der Sockelzone leicht risalitartig vorspringt und im 2. OG durch einen von kräftigen Konsolen getragenen Erker mit aufgesetztem Balkon akzentuiert wird. Unter der Traufe bekrönt ein aus diamantierten Quadern bestehender Abschluß den Mittelteil der Fassade. In der Horizontalen gliedern profilierte Gesimse die Vorderfront des Gebäudes, wobei dem Sohlbankgesims des 2. OG eine besondere Funktion zukommt, da es mit den Balustern der Fensterbrüstungen ein Band bildet, das Geschoß und Erker vereinheitlichend umläuft und zusammen mit dem aufwendigen Stuckdekor (s. u.) das 2. OG als Beletage kennzeichnet. Mit steigender Geschoßzahl weisen die einzelnen Gesimse einschließlich des Traufgesimnses eine zunehmende Auskragung auf, die in einem spannungsreichen Verhältnis zur Abnahme der lichten Höhe, der in originaler Teilung erhaltenen Fenster steht und so ein wesentliches Gestaltungsprinzip der Fassade darstellt. Daneben prägen und bereichern die vielfältigen Schmuckelemente aus Stuck die Gesamterscheinung der Straßenfront: In der Sockelzone schmücken ornamentierte Brüstungen die Fenster des 1. OG, deren Stürze verzierte Schlußsteine zeigen. Pilaster mit Konsolen und Blattwerk rahmen die original erhaltene Haustür. Im 2. und 3. OG umgibt eine pilasterartige Rahmung die Fenster: Im zweiten Geschoß sind die Pilaster u. a. mit diamentierten Quadern verziert, im 3. OG sitzen Konsolen mit einem Scheibenmuster und Blattwerk auf den Fensterrahmungen, die jeweils von gebälkartigen Verdachugnen überfangen werden. Die Beletage und die Mittelachse des 3. OG sind durch einen Dreiecksgiebel besonders ausgezeichnet. Die Kämpferhöhe der Fenster sowie die Gebälkzone des dritten Geschosses betonen flache, schmale Gesimsbänder. Am Erker wird an den mittleren Rahmungen die Pilastergliederung der Fenster übernommen, während die Eckpfeiler in ihrem oberen Teil kanneliert sind und ein ionsches Kapitell tragen. Das Brüstungsfeld des mittleren Erkerfensters nimmt eine mit Rollwrk verzierte Tafel mit der Inschrift: AD 1888 auf. Im 4. OG akzentuiert die mittlere Fensterrahmung mit konsolenverzierten Pilastern, die eine verköpfte gebälkartige Verdachung tragen, das Fassadendach. Die beiden seitlichen Fenster besitzen einen profilierten Rahmen mit Ohren und eine auskragende Verdachung. Dem 4. OG, das sich durch ein Sohlbankgsims von den unteren prachtvoller ausgestalteten Geschossen absetzt, kommt mit seiner Pilastergliederung zwischen den Fenstern eine Überleitungsfunktion zum Traufgesims zu, das seinerseits auf einem Konsolfries ruht. Die ästhetische Einheit der Fassadengestaltung wird vervollständigt durch die folgende, noch original vorhandene Einrichtung des Hausinnern: Der Hausflur ist mit einem schwarz-weißen Marmorboden, Differenzstufen und reicher Stuckdekoration an Wand- und Deckenflächen ausgestattet. Besonders hervorzuheben ist an den Flurwänden die Pilastergliederung, die von ionischen Kapitellen mit Engelsköpfen bekönt wird sowie der auf Halbsäulen ruhende, stuckierte Stützbogen. Im Treppenhaus die 2läufige Holztreppe mit Geländer, die Fenster mit Marmorsohlbänken und die Wohnungseingänge noch erhalten. Die Wohnungen besitzen noch die originalen Decken mit Stuckdekoration (Rosetten) sowie die ursprünglichen Zimmertüren mit Laibungen.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0