Wohnhaus

Hansaring 78 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3274
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Hansaring 78, 50670 Köln
Baujahr1887
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 21.10.1985
Stadtteil Neustadt/Nord

Im Kernstück der großen Stadterweiterung nach 1881, an den Ringboulevards der Kölner Naustadt gelegen, stellt das Gebäude einen Rest der ehem. umfassenden, stattlichen und schmuckfreudigen Ringstraßenarchitektur dar, in der sich das wohlhabendere Kölner Bürgertum selbst repräsentierte. Zerstörungen des Krieges und der Nachkriegszeit haben diesen Bau verschont, so daß er nicht nur als Denkmal der Architektur, sondern auch der geschichtlichen Prozesse inmitten von Neubauten auf uns gekommen ist.

Bemerkenswert ist die künstlerische Gestaltung der werksteingegliederten Backsteinfassade des 1887 erbauten, aufwendig im Stil der niederländisch geprägten Neurenaissance dekorierten, 4geschossigen (plus Souterrain), 3achsigen Miethauses mit übergiebeltem Risalit, Erker und ausgebautem Satteldach. Die Übernahme der Stilformen der Renaissance bedingt eine starke waagerechte Betonung der Fassade (Sockelgesims, Bänderung des ersten Geschosses, Sockel- und Sohlbank sowie Konsolhauptgesimse, weitere Bänder) und ihre starke Plastizität (Risalit in der rechten Fensterachse mit vorgezogenem, eine Loggia mit Zierbalkon umschließenden Treppengiebel, davor ein 2geschossiger konsolgestützter Erker mit Balkon und vorkragendem Austritt; diamantierte Lisenen und Pilaster an Portal und Risalit, Fensterverdachungen, Kämpferprofile, Säulen, Bogenfelder und Schlußsteine mit Masken und Köpfen). Der ornamentale Stilkanon ist streng eingehalten: Volutenkonsolen mit grotesken Köpfen, Roll- und Beschlagwerk, Muscheln, Rosetten, Cabochons, Diamantierungen, Kugelfriese, Verkröpfungen, antikisierende Kapitellformen. In den Konsolen des Risaliterkers sitzen, kompositorisch auf den Betrachter auf der Straße bezogen, zwei überlebensgroße dekorative Figuren (Heinzelmännchen?). Die Fenster sind teilweise original erhalten; hinter der alten Haustür ein guterhaltenes Vestibül mit Fliesen, Wand- und Deckenstuck (Pilaster, Kapitelle, alternierende Giebel, Puttenköpfe, Kartuschen, Palmetten u. a. ) und geschmücktem Stützbogen. Reste der originalen Treppenanlage (Holz). Wohnungsabschluß und Zimmertüren zum großen Teil aus der Altausstattung, desgleichen einige Stuckdecken (z. B. 2. OG).

Obwohl heute ohne stilistische Anbindung, ist das Haus städtebaulich bedeutend als ästhetisch und bautechnisch qualitätvolles Zeichen der ehem. Straßengestalt, als historischer Vergleichsmaßstab auch für die benachbarten Neubauten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0