Wohnhaus

Marienburger Straße 53 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3337
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Marienburger Straße 53, 50968 Köln
Baujahr1924 bis 1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 25.11.1985
Stadtteil Marienburg

Das Wohnhaus ist 1924/25 von dem Kölner Architekten Fritz Fuß im expressionistischen Stil für den Fabrikdirektor Albert Schwarz errichtet worden. In Anlehnung an holländische Vorbilder hat Fuß unter Einbezug der niederrheinischen Bautradition eine Wohnhausarchitektur geschaffen, die zu den damalig vorherrschenden Stilströmungen quer verlief. Die einzelnen in Backstein errichteten Baukörper sind verschieden gestaltet und in ihrem Bezug zum Gesamtbau jeweils gesondert identifizierbar, ohne jedoch in ihrer Gesamtwirkung auseinanderzufallen. Die Eckstraßenlage vermittelt zwei Ansichten, die in stark voneinander abweichenden Formen, die Plastizität der Architektur hervorheben. Die flächige Eingangsfront zur Marienburger Straße erweckt den Eindruck eines 3geschossigen Hauses, da das asymmetrische, um die Ekke greifende, Fensterband des DG in einen seitlich erhöhten Kubus einschneidet. Die Ansicht von der Von-Groote-Straße zeigt dagegen ein traufständiges, 2stöckiges Giebelhaus, das nur in seinem über zwei Stockwerke verlaufendem Treppenhausfenster "expressiv" gestaltet ist. Diese Kontrastierung ist von Fuß für jede Ansicht konsequent durchgehalten worden, wobei die Hauptansicht die phantasievollste Ausbildung erfuhr. Ein turmarig aufragender leicht geschwungener Giebel mit zwei aufgesetzten Giebelspitzen bildet den Hauptakzent zu dem asymmetrisch der erhöhte Kubus, die Balkonfenster des OG, der drunter liegnde Eingangsbereich, der seitliche Trakt einer Terrasse und die gotisierende Lanzettfenster gesetzt sind. Zu dieser Komposition gehört noch ein weiter zurückkliegender 1geschossige Annex, der ursprünglich von einem, dem Barock entlehnten, expressionistisch umgedeuteten "Dachkristall" bekrönt wurde. Die Gartenansicht ist durch die 1geschossigen sich gegenseitig durchdringenden Anbauten, den horizontalen Fensterbändern zusammen mit den Ziegeldächern und den leicht gekrümmten Kaminflächen so plastisch durchgearbeitet, daß der Eindruck einer "bewegten Architektur" entsteht. Mit einer Fülle von handwerklich hervorragend gearbeiteten Details wird jeder möglichen Ansicht expressiver Ausdruck verliehen. Das Innere des Hauses ist, von wenigen untergeordneten Veränderungen abgesehen, noch original erhalten.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Wohnhaus Marienburger Straße 53 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Wohnhaus Marienburger Straße 53 ist in seiner phantasievollen Anordnung der Baukörper, deren expressiven Durchgestaltung und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Kölner Architekt des Hauses, Fritz Fuß, einer der bedeutensten Architekten der 20er Jahre, hat, unter Anspielung auf das traditionelle, giebelständige, in Backstein errichtete Niederrheinhaus, ein Bauwerk geschaffen, das durch seine konsequente "Verfremdung" einen expressiven Ausdruck verliehen bekommt. Die den holländischen Expressionisten entlehnten Bauideen - Nichtaxialität, kristallin gebrochene Bauflächen, Plastizität der Baukörper - sind von Fritz Fuß unter Verwendung des Formenapparates der "Neuen Sachlichkeit" so komponiert worden, daß ein Bauwerk von hoher handwerklicher Präzision, die für die expressionistischen Bauten wegen ihrer immanenten "Normabweichunbgen" auch unabdingbar waren. Der Werkstoff 'Ziegel' garantierte zudem eine größtmögliche Plastizität. Der Expressionismus in der Architketur, eine Strömung zwischen 1910 und 1925, hat extrem individuelle Bauten hervorgebracht, von denen das Wohnhaus Marienburger Straße 53 ein wichtiges Beispiel ist. An dessen weitergehenden Erforschung besteht ein wissenschaftliches Interesse, zumal in Köln nur an wenigen Bauwerken diese Architekturrichtung ablesbar ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0