Wohnhaus
Bayenthalgürtel 23 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3382 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Bayenthalgürtel 23, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1925 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 24.12.1985 |
| Stadtteil | Marienburg |
Die 2geschossige Villa ist 1925 von dem Kölner Architekten Walter Reitz für den Fabrikanten Adolf Frost errichtet worden. Bei unübersehbarer Verwendung expressionistischer Stilmittel folgt die Gestltung des Hauses noch in einigen Details den Intentionen des in Marienburg traditionell bevorzugten Landhausstils. Der Grundriß ist unter Einbezug der gartenseitig ebenerdigen Terrassse und der breiten Freitreppe des Haupteingangs rechteckig. Die in den Hauptbaukörper eindringenden 2geschossigen Kuben lösen jedoch das Grundrißbild des EG, zugunsten vielfältig zueinander verschobener Fassadenflächen, auf, die dadurch erreichte Plastizität der Architektur wird durch den verwendeten Ziegelwerkstoff zusätzlich unterstützt. Ein weit vorkragendes umlaufendes Kranzgesims auf Konsolen trägt das leicht geschwungene niedrige Walmdach, das durch einen seitlich davon abgesetzten Raum mit Aussichtsterrasse in seiner Schlichtheit expressiv gesteigert wird. In die Fassaden sind entsprechend der Nutzung unterschiedlich große Fensteröffnungen eingelassen worden, die alle durch aus der Fläche heraustretende weiße Holzrahmen besonders betont sind. Der meist einfache Kreuzstock wird von einer einzigen horizontalen Sprosse begleitet. Bei qualitätvoller Materialverarbeitung entlehnt die Innenarchitektur ihre Formensprache konsequent dem Expressionismus. Sie ist zum überwiegenden Teil noch original erhalten.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Bayenthalgürtel 23 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Die Villa Bayenthalgürtel 23 ist in ihrer Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der international bekannte Architekt Walter Reitz verstand es, das Repräsentationsbedürfnis des Bauherrn, unter Zuhilfenahme expressiver Stilmittel, in eine moderne Architektursprache zu transformieren. Die Villa ist aus diesem Grund auf mehreren Architekturausstellungen als Beispiel moderner Baukunst gezeigt und vielfach publiziert worden (vgl. v. a. die Bauschau, 3. Jg. 1928, Nr. 6 und 7). Sie gehört zu den Frühwerken des Architekten. In seinen späteren Arbeiten hat er immer konsequente die plastische Durchdringung reiner Kuben angestrebt, was ihn zu einem bedeutenden Vertreter des sog. "Internationalen Stils" werden ließ. Durch die bei dieser villa noch expressiv empfundene Zueinanderstellung und Durchdringung von Baukörpern und dem bewußten Verzicht auf Axialität gelingt Reitz die Auflösung der traditionellen Formensprache des englischen Landhausstils, die nur noch in Details, wie etwa an den konsolen des Kranzgesimses, sichtbar wird. Es entstand so ein Bauwerk von großer Individualität und Ausdruckskraft, die zu den konstitutiven Merkmalen des Expressionismus, eine Architekturströmung zwischen 1910 und 1925, zählen. An der weitergehenden Erforschung expressionistischer Bauten besteht ein großes wissenschaftliches Interesse, zumal in Köln nur an wenigen Bauwerken diese Architekturrichtung ablesbar ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0