Wohnhaus

Goethestraße 3 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3462
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Goethestraße 3, 50968 Köln
Baujahrum 1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 28.02.1986
Stadtteil Marienburg

Das 2geschossige Wohnhaus ist laut Grevens Adressbuch 1925 für die Witwe des Amtsgerichtsrat Hugo Fleck errichtet worden. Unter zurückhaltender Verwendung expressionistischer Details folgt die Gestaltung des Hauses den Intentionen des in Marienburg traditionell bevorzugten Landhausstils. Der Grundriß ist annähernd quadratisch mit einem risalitartigen Vorbau an der Straßenfassade, der im OG über Balkontüren betreten werden kann. Die Villa ist in dem vom Expressionismus bevorzugten Baumaterial 'Ziegel' errichtet worden. Der mittige, rundbogige Eingang liegt zur Straße und wird über eine 4stufige Freitreppe aus hellem Werkstein erreicht. Es wird gerahmt von einem Mauervorsprung, dessen Kanten mit horizontalen, plastisch hervortretenden Ziegelbändern gefaßt sind, die auch die übrigen Baukanten akzentuieren, Die Tür selbst, aus hell gestrichenen Stahlprofilen mit hinterlegtem Glas konstruiert, betont repäsentativ den Eingangsbereich. Symmetrisch dazu sind in den Vorbau kleine hochrechteckige Fenster mit Rautenvergitterung eingelassen. Im OG öffnet sich das Haus über ein mittiges sog. französisches Fenster und zwei seitlichen Balkontüren, die sich zusammen mit ihren hell gestrichenen Schlagläden scharf von der dunklen Oberfläche der Fassade abheben. Das Brüstungsgitter des Austritts ist aus feinen senkrechten Stahlprofilen gefertigt. Ein kräftiges, wulstartiges Gesims verbindet den Baukubus mit dem pfannengedeckten Walmdach, das durch sehr flach verlaufende Aufschieblinge in seiner Schwere gemildert wird. Ein mittiges, leicht prismatisches Zwerchhaus zitiert in bekrönender Absicht die Formensprache der Hauptfassade. Die Grundrißgestaltung des Hauses erlaubt den zwanglosen Übergang von einem Raum in den nächsten.

Durch Rückführung früherer Umbauten auf den Ursprungszustand ist das Innere des Hauses, von wenigen Details abgesehen, komplett erhalten. Geschwungene und gitterartige Stuckleisten sowie prismatische Kehlen schmücken die Decken der Räume. Die Wände werden durch noch original erhaltene Einbauschranktüren und Heizkörperverkleidungen gegliedert. Das Holztreppenhaus ist noch vollständig original erhalten, wie auch die ursprünglichen Fliesen der Küche noch vorhanden sind.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Goethestraße 3 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Goethestraße 3 ist in ihrer Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Eine Fülle von Details weisen darauf hin, daß das Haus von dem bekannten Kölner Architekten Theodor E. Merrill, der sehr viele Marienburger Villen entworfen hat, erbaut worden ist. Ablesbar ist dies u. a. am expressionistischen Hauch der Architektur, des Baumaterials Ziegel, an der Gestaltung der Eingangstür sowie an der raffinierten Integration von Schrankräumen in die Architektur. V. a. aber weist die zurückhaltend formulierte "intim-aristokratische" Bausprache auf Merrill hin. Alle Details sind von hoher handwerklicher Präzision, die Mittel des Werkstoffs Ziegel zu großer Plastizität ausgeformt worden sind. Der noch spürbare expressionistische Einfluß auf eine sich ansonsten den traditionellen Stilformen hinneigende Architektur macht den Reiz dieses Bauwerks aus. Es ist damit ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung Mitte der 20er Jahre an dessen weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0