Wohnhaus
Bayenthalgürtel 37 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3718 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Bayenthalgürtel 37, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1920 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.09.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Halbhaus Bayenthalgürtel 37 ist Teil des Doppelhauses Bayenthalgürtel 37 - 39. Das Doppelhaus Bayenthalgürtel 37 - 39 ist laut Grevens Adressbuch 1925 von dem Kölner Architekten J. Schüller für den Zeitungsverleger S. Lux (Haus Nr. 37) und dem Fabrikdirektor W. Busché (Haus Nr. 39) errichtet worden. Das Hauptgestaltungsmerkmal des zweigeschossigen Gebäudes ist der Backstein. Die Flächigkeit dieses traditionell niederrheinischen Baustoffs hat der Architekt zu mehreren Kuben geformt, die sich stromlinienförmig über einen Grauwackesockel erheben. Der Hauptkubus, eingespannt zwischen die beiden prismatischen Treppenhäuser mit getreppten Giebeln, wendet sich mit seiner breiten vierachsigen Front zum Straßenraum. Mittige Erdgeschoßerker an der Vorder- und Rückfront vermittteln mit ihren zu einem hohen Sturzband ausgebildeten Balkonbrüstungen den Eindruck von Mittelrisaliten. Ein sich zur Trauflinie verbreiterndes Kranzgesims schließt die Kubatur zum Dachbereich ab. Durch breit gelagerte Dachgauben in Backstein auf der Vorder- und Rückseite des Hauses wird, zusammen mit den seitlichen Treppengiebeln der Treppenhäuser, das niedrig gehaltene, ziegelgedeckte Walmdach optisch stark zurückgedrängt. Die Architektur läuft mit zwei seitlichen Garagenbauten in Backstein aus, die integrale Bestandteile des Bauwerks sind. Die Eingänge des Doppelhauses sind mittig in den Stirnseiten der seitlichen Treppentürme angeordnet. Wohl auf Wunsch der Bauherren hat der Architekt Schüller deren prismatisch gebrochenen, plastischen Gewände in ihrem Material differenziert. Während das Gewände vom Halbhaus Nr. 39 mit dem vorherrschenden Material Ziegel aufgemauert wurde, ist das gegenüberliegende Gewände in Zementmörtel ausgeführt worden, der durch Scharrierungen und zurückhaltende expressionistische Reliefs einen werksteinartigen Eindruck hinterläßt. Die Fenster und Fenstertüren stehen mit ihren hellen Rahmen und der Horizontalsprossenreihung (nur im Obergeschoß erhalten) im Kontrast zu der dunklen Flächigkeit des Ziegelmauerwerks, der von den dunkelgrün gehaltenen Schlagläden des Ober- und Dachgeschosses noch verstärkt wird. Konstruktive Besonderheit des Doppelhauses ist sein tragendes Stahlbetonskelett, das mit der Backsteinhaut umschlossen wurde. Im Inneren des Halbhauses Bayenthalgürtel 37 sind einige Details verändert worden: eine grün gekachelte Blumenbank an der rückwärtigen Fensterfront des Hauptraumes ist verloren gegangen, die Einbauschränke mit ihrer ehemals dreieckigen Grunddrißfläche sind viereckig erweitert worden, die Küchenwandfliesen sind nur nocht teilweise vorhanden und der Treppenlauf zum Garten ist in eine Terrasse umgebaut worden. Der Charakter der Innenarchitektur ist trotz dieser Veränderungen jedoch nicht beeinträchtigt. Original erhalten sind noch das Holztreppenhaus mit seinen expressionisstischen "Balustern", die Deckenstukkaturen, die Türen im Obergschoß (bei den Türen im Erdgeschoß fehlen halbrunde Leisten am Rahmen) und die Bodenfliesen des Bades. Die ursprüngliche Holzeinfriedung in Form der Treppenbaluster ist verloren gegangen.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichetet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Doppelhaus Bayenthalgürtel 37 - 39 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Doppelhaus Bayenthalgürtel 37 - 39 ist in seinen ausgewogenen Proportionen und in der sorgfältigen Durchbildung der Details ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Kölner Architekt Johannes Schüller, der Erbauer des Belgischen Hauses in Köln, hat die räumliche Beziehung der Kuben mit niveaudifferenzierten Horizontalbändern gesteigert, wodurch die Architektur stromlinienförmig erscheint. Die klaren Backsteinflächen, in Verbindung mit den horizontal aufeinander bezogenen Kuben, weisen auf die expressionistische rheinische Variante des sog. Internationalen Stils hin. Anders als etwa die Berliner Baukunst nach dem 1. Weltkrieg blieb die rheinsche Baukunst mehr der lokalen Tradition verbunden, was sich vor allem im Backsteinbau manifestiert. In der Anknüpfung an die 1910 erfolgte Wiederbelebung des niederrheinischen Backsteinbaus durch die Heimatschutzbewegung sind die diesem Material innewohnenden Eigentümlichkeiten von Klarheit und Einfachheit für das Bauwerk konstitutiv: die durch den Ziegel, seinem Format, seiner Farbe und der Fugung vorgegebene Flächigkeit verweist deren künstlerische Wirkung auf die Gesaltung der Flächen mittels Form und Material der Maueröffnungen sowie auf die rhythmische Gliederung der Flächen zueinander. Durch die Schattenwirkung der gestaffelten Kuben, der Kontrastwirkung heller Fensterrahmen zur dunkelroten Klinkerfläche und durch Details - Abschluß der Kuben mit Gesimsbändern, getreppte Seitengiebel, expressionistische Dreiecksgauben - wird die sachliche Baulösung in eine künstlerische Sphäre erhoben. Das Doppelhaus Bayenthalgürtel 37 - 39 ist zudem ein hervorragendes Zeugnis der Architekturentwicklung Mitte der zwanziger Jahre, deren wissenschaftliche Erforschung noch nicht annähernd abgschlossen ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0