Wohnhaus

Hoffmann-von-Fallersleben-Straße 7 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3658
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Hoffmann-von-Fallersleben-Straße 7, 50968 Köln
Baujahrum 1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 10.07.1986
Stadtteil Marienburg

Der Kölner Architekt Hans Schumacher hat das Haus laut Grevens Adressbuch 1925/26 für den Kaufmann Arthur Grevrath gebaut. Das zweistöckige kubische Bauwerk ist in äußerst strengen Formen entworfen. Gegliedert werden seine flächigen Backsteinfassaden im wesentlichen durch Fenster- und Türöffnungen. Den oberen Abschluß bildet eine weit vorkragende Platte, auf der sich das mit Gauben besetzte, niedrig gehaltene Walmdach dem Blick weitgehend entzieht. Der mittige Eingang an der Nordseite des Hauses ist durch Mauerwangen aus der Fassadenebene gelöst, was, zusammen mit seinem kräftig-rundprofilierten, hellen Rahmen und dem ebenfalls hellen, halbrund auskragenden Vordach aus Beton zur Hervorhebung seiner Bedeutung beiträgt. Ansonsten folgt die Gestaltung der Nordfassade den hinter ihr liegenden Raumfunktionen. Helle werksteingerahmte Fenster und Fensterbänder unterschiedlicher Größe sind rhythmisch über die dunkle Fläche der Fassade verteilt. Die Küche wird zusätzlich durch einen erdgeschoßhohen kubischen Annex nach Osten vergrößert. Die gartenseitige Südfassade verrät den axialen Aufbau des Hauses, der sich vom Wunsch des Bauherrn nach Repräsentanz ableitet. Sechs schlanke Flügeltüren führen aus der Diele, dem Herren- und Speisezimmer in den Garten. Im Obergeschoß übernimmt eine lange, schattende Balkonplatte die analoge Funktion. Türen und Fenster sind wie an der Nordseite mit hellen leicht scharrierten Werksteinrahmen versehen und in ihren Flächen mit einem zurückhaltenden Sprossennetz überzogen. Das Innere des Hauses ist sowohl dem Bedürfnis nach Repräsentanz als auch dem Wunsch nach Behaglichkeit untergeordnet. Wie schon an der Fassade ablesbar, ist der Grundriß axial ausgerichtet, jedoch durch Abweichungen in seiner Strenge gemildert. Zentrum des Hauses ist die große repräsentative Diele, die vom Herren- und Speisezimmer flankiert wird. Diese drei Räume öffnen sich mit einer geschwungenen Freitreppe nach Süden, zum Garten. Dagegen sind die untergeordneten Räume wie Küche, Anrichte und Garderobe nach Norden ausgerichtet. Ursprünglich rahmte ein plattenbelegter Staudengarten an der Westseite ein kleines Wasserbecken. Eine zum Haus gehörende Garage ist in der Achse der nördlichen Vorfahrt angeordnet.

Das Haus Hoffmann-von-Fallersleben-Str. 7 von Hans Schumacher ist in seinen ausgewogenen Proportionen und in der sorgfältigen Durchbildung der Details ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Schumacher hat trotz der vom Bauherrn gewünschten repräsentativen Gestaltung und der Wohl traditioneller lokaler Materialien ein Bauwerk geschaffen, das unübersehbar Stilelemente seiner späteren Bauten vorwegnimmt. Dazu gehört vor allem die Kubische Form, die flächigen Fassaden und der optisch abrupte Abschluß des Kubus. Mit der Wahl des Baustoffs "Ziegel" ist dessen stilistische Eigentümlichkeit, klare, ungebrochene Flächen zu bilden und die Maßstäblichkeit des Hauses, vorgegeben. Entscheidend bei der durch Farbe, Ziegelformat und Fugung bestimmten Oberflächenstruktur des Materials ist die Behandlung der Maueröffnungen, die durch Formate und Materialgegensätze allein die Gestaltung der flächigen Fassaden bewirken. Mit hohem Einfühlungsvermögen verstand es Schumacher diesen Gegensatz zum Ausgleich zu bringen. Bald nach der Fertigstellung des Hauses fand sein Frühwerk Beachtung: der vom niederrheinisch-westfälischen Architekten- und Ingenieurverein anläßlich seiner Jahrestagung 1927 in Köln herausgegebene Band zur baullichen Entwicklung Kölns stellt das Bauwerk als repräsentatives Beispiel für die moderne Entwicklung der Kölner Architektur seit 1918 vor (vgl. Köln, Bauliche Entwicklung 1888 - 1927, Berlin 1927). Dabei wurde ausdrücklich auf dessen Qualität und das wesentlich Neue der Architektur hingewiesen, die auch in weiteren Veröffentlichungen gewürdigt wurden (vgl. Moderne Bauformen 28.1929; Westdeutsche Bauschau 1.1926, H. 9).

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten VillenKolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den vom Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentlichen gegen Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle herrogender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den Verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten fanden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Brantzky, Theodor E. Merrill, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schumacher, Paul Pott und eben auch Hans Schumacher. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchner Villenvororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Inneren mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Die Villa Hoffmann-von Fallersleben-Str. 7 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es, als Bestandteil der architektonischen Vielfalt, für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.

Der 1891 geborene Kölner Architekt Hans Schumacher gehörte zu den Protagonisten der Moderne in Köln und hat mit vielen seiner Bauten große Anerkennung gefunden. International bekannt wurde er durch den Pavillonbau der Arbeiterpresse auf der Pressa 1928 in Köln, mit dem ihm der große Durchbruch gelang. Neben der Außenarchitektur galt sein Interesse in gleichem Maße der Innengestaltung und dem Mobiliar. Das Haus Hoffmann-von-Fallersleben-Str. 7 stellt innerhalb der Arbeiten Schumachers einen wichtigen Aspekt dar, da es am Anfang seines baukünstlerischen Schaffens steht und schon hier die Elemente der sog. Moderne aufscheinen. Die noch ausstehende wissenschaftliche Durchdringung seines Werkes bedarf der konkreten Nachvollziehbarkeit, d. h. Ablesbarkeit seiner baukünstlerischen Entwicklungsstufen. Zudem ist das Bauwerk ein hervorragendes Zeugnis der Architekturentwicklung Mitte der zwanziger Jahre, die es, wie in § 1, Abs. 1 DSchG NW festgelegt, intensiv zu erforschen gilt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0