Wohnhaus

Goethestraße 8 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3982
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Goethestraße 8, 50968 Köln
Baujahr1926
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 04.12.1986
Stadtteil Marienburg

Das zweigeschossige Haus ist laut Grevens Adressburch 1926 für den Kölner Kaufmann Ludwig Mayer errichtet worden. Mit seiner fünfachsigen Backsteinfassade und dem mit einem Giebel bekrönten Mittelrisaliten erinnert das Bauwerk an die Herrenhausarchitektur rheinischer Gutshöfe aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Wichtigstes Gestaltungsmerkmal des Bauwerks ist der Backstein, dessen dunkle Flächigkeit nur zu einer geringen Beeinflussung der Fassadentektonik durch den über drei Achsen ausgedehnten, leicht vorspringenden Mittelrisalit führt. Gegliedert wird die Fassade von dem regemäßigen Raster der mit hellen Putzrahmen umrandeten Fenstereinschnitte. Die Fenster des Erdgeschosses sind im Gegensatz zu denen des Obergeschosses tief heruntergezogen, was ihnen, zusammen mit der in Bleiruten gefaßten Farbverglasung, eine dominante Schwere verleiht, die durch den breiten Giebel im Dachbereich zum Ausgleich gebracht wird. Die dazwischen angeordneten Fenster des Obergeschosses werden von grünen Schlagläden gerahmt und in ihren Flächen spielerisch mit sehr feinen Horizontalsprossen gegliedert. Ein breites Putzband leitet zum mehrfach profilierten Kranzgesims über, von dem das niedrige, schiefergedeckte Walmdach aufsteigt. Die gering geneigte Dachfläche wird von dem breiten Dreiecksgiebel beherrscht, dessen profilierte Seiten durch ein helles Putzband im Backsteinfeld wirkungsvoll betont werden. Die Symmetrieachse des Gebäudes wird von dem im Giebelfeld eingelassenen, hell umrandeten Ovalfenster akzentuiert. Der repräsentativ in Werkstein gerahmte Eingang ist an der Seite des Hauses angeordnet. Dazu korrespondiert ein halbrunder Erdgeschoßerker auf der dem Eingang gegenüberliegenden Seite. Die durch einen beidseitigen Rücksprung leicht verengte Rückfront öffnet sich über eine von Rundsäulen mit Kapitellschmuck getragenen Loggia und einem dreiviertelrunden Erdgeschoßerker dem Garten. Der Übergang zum Garten erfolgt durch eine breite, ziegelgedeckte Terrasse, die sich über wenige Stufen zur Rasenfläche absenkt. In Form und Material bindet eine seitliche Garage unmittelbar an das Haus an. Im Inneren sind 1939 von dem Architekten Heinrich Bartmann leichte Grundrißveränderungen vorgenommen worden. Der Umbau zu einem Mehrfamlienhaus nach dem 2. Weltkrieg zog weitere Veränderungen nach sich, vor allem in der Nutzung der Räume. So ist u. a. aus der ehemaligen repräsentativen Diele ein Wohnzimmer geworden, wobei jedoch die Holzbalkendecke, der verklinkerte Kamin und die Werksteingewände der abgehenden Zimmertüren erhalten blieben. Die großen Einbauschränke in diesem Raum scheinen jedoch nicht zur ursprünglichen Diele zu gehören. Der gartenseitige Wohnraum ist mit einer reichen expressionistischen Stuckdecke geschmückt. Original erhalten sind auch die meisten Türen und Fenster mir ihren Beschlägen und ein großer Einbauküchenschrank. Der gute Erhaltungszustand des Hauses ist besonders hervorzuheben.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einer der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig einer der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Goethestr. 8 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorot Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Endtwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. desahlb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Goethestr. 8 ist, wie oben dargelegt, in seiner Gesamtkonzeption und in der reichen Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Im bewußten Rückgriff auf die schlichte Architektur rheinischer Herrenhäuser wurden die sich Mitte der zwanziger Jahre herausbildenden Bauformen der Moderne interpretierend aufgenommen und in ein neuklassizistisches Stilgewand gekleidet. Der Neuklassizismus hatte sich zu Anfang des Jahrhunderts in einem breiten Rückgriff auf den formstrengen Klassizismus in Deutschland herausgebildet. Mit seinem klaren Aufbau, seiner Regelhaftigkeit und Ordnung sowie seiner maßvoll geringen Ornamentik stand er bewußt im Gegensatz zur Dekorfülle der Gründerzeitarchitektur. In dem Bestreben nach einer funktionell-sachlichen und realistischen Bauform ist der Neuklassizismus einer der Wurzeln des Modernen Bauens in den zwanziger Jahren. Die Villa Goethestr. 8 liegt am Ende dieser Übergangsphase, deren Erforschung von großem wissenschaftlichem Interesse ist. Neben ihrer architektonischen Qualität ist daher das Haus als Baudokument von äußerster Wichtigkeit.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0