Wohnhaus
Parkstraße 10 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3671 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Parkstraße 10, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1910 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 22.07.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Die im Jahre 1914 von dem Architekten Paul Pott errichtete zweigeschossige Villa mit naturschiefergedecktem, geschweiftem Mansarddach folgt in der Formensprache der Architektur barocker Vorbilder, womit sie in stilistischer Hinsicht zum Neu-Barock, einer bedeutenden Architekturströmung vor und nach dem 1. Weltkrieg, gehört. Wegen seiner Ecklage ist das verputzte Gebäude nach zwei Straßenseiten, zur Parkstraße 3-achsig mit Balkon und zur Marienburgerstraße mit einem mittigen, halbrunden Erdgeschoßerker, repräsentativ gestaltet. Die Architektur wird von einer sog. Monumentalgliederung - Eckpilaster mit reich profilierten Kapitellen - gerahmt. Fenster und Türen sind mit zurückhaltend profilierter Putzrahmung versehen, die im Obergeschoß durch Schlagläden ergänzt werden. Feine Sprossen gliedern deren Flächen. Das Erdgeschoß wird zusätzlich durch Medaillons in der Sturzzone der Öffnungen und einem breiten, schneckenförmig-relieferten Kranzgesims in Werkstein hervorgehoben. Kunstvoll gearbeitete schmiedeeiserne Gitter bilden die Brüstungen des Balkons und der Altane über dem Erdgeschoßerker. Zum rückwärtigen kleinen Garten öffnet sich die Villa mit einer Terrasse und einem über Säulen abgestützten Balkon. Im Inneren setzt sich die Formensprache der Außenhaut fort. Die repräsentativsten Räume liegen jedoch - dem englischen Landhausstil folgend - im Erdgeschoß, wobei der ehemalige Musiksalon mit seinem halbrunden Erker und das rückwärtige Speisezimmer mit Wandkassetten, reichem Deckenstuck und elegant geschwungener Türspiegelrahmung besonders hervorgehoben sind. 1938 erfolgte ein behutsamer Umbau durch den Architekten Hermann von Berg, bei dem das Treppenhaus in die zentrale Halle verlegt wurde. Die sonstige Grundrißsituation, wie auch die Innengestaltung blieb dabei weitgehend erhalten.
Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln - da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentlichen gegen Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Brantzky, Theodor E. Merrill, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schreiterer und eben auch Paul Pott. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchner Villenvororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Inneren mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Die Villa Parkstraße 10 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung kurz vor dem 1. Weltkrieg dokumentiert, ist es als Bestandteil der architektonischen Vielfalt für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.
Die Villa Parkstr. 10 ist in ihrer repräsentativen Gestaltung und der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Die für den Kölner Rechtsanwalt Dr. Selmar Auerbach errichtete Villa folgt in ihren Stilformen den barocken Vorbildern historischer Kölner Stadtpalaisarchitektur, wie etwa dem "vom-Grooteschen Haus", das heute nicht mehr existiert. In der Verbindung von Zweckmäßigkeit, Behaglichkeit und Schönheit mit der vom gehobenen Bürgertum gewünschten Repräsentanz gelang es dem Architekten Paul Pott eine vom Jugendstil beeinflußte Wiederbelebung des Barockstils mit den Erfordernissen moderner Vorstadtvillenarchitektur zu verschmelzen. Der Kölner Villenarchitekt Paul Pott ist neben Theodor E. Merrill der wichtigste Architekt Marienburgs. In immer neuen Variationen hat er vor und nach dem 1. Weltkrieg für das gehobene Bürgertum Villen und Landhäuser im "englischen Landhausstil" entworfen, die zu den bedeutensten Bauten des Villenvorortes zählen, so u. a. die Villa Diechmann heute Villa Pferdmenges), das Haus Max Clouth in der Lindenallee, das Haus Ahn in der Leyboldstraße, das Haus Neven Du Mont in der Parkstraße und nicht zuletzt sein eigenes (heute nicht mehr existierendes) Haus am Südpark. Das Haus Parkstr. 10 zeigt im Grundriß die Merkmale englischer Landhausarchitektur, das sich in einem neubarokken Gewand präsentiert. Es ist eines der Stilmerkmale Paul Potts zweckorientierte Architektur in historische Gewänder zu hüllen. So ist er auch auf der Kölner Werkbundausstellung von 1914 mit einem herrschaftlichen Wohnhaus mit klassizistischer Fassade vertreten. Die Villa Parkstr. 10 ist ein wichtiges Bindeglied in der Entwicklung des Architekten zur Moderne. Zur Erforschung des noch immer nicht wissenschaftlich durchdrungenen Oevres des Architekten Paul Pott bedarf es der Ablesbarkeit erhaltener Baudokumente, was zusätzlich für seine Erhaltung spricht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0