Wohnhaus "Haus Falck"
Marienburger Straße 8 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7874 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus "Haus Falck" |
| Adresse | Marienburger Straße 8, 50968 Köln |
| Baujahr | 1924 |
| Eigentum | städtisches / öffentliches Eigentum |
| Eingetragen seit | 15.05.1996 |
| Stadtteil | Marienburg |
Bauherr: Georg Falck Architekt: Georg Falck
Baujahr: 1924
Die Dreihäuserzeile Marienburger Str. 8-12 östlich zum Rhein hin abschließendes, an drei Seiten frei stehendes Gebäude auf längsrechteckigem Grundriß (mit Lichtschacht auf der Seite zum Nachbarhaus); die nördliche Hausecke ausgeklinkt und Loggia mit darüberliegendem Balkon eingestellt, dadurch der Baublock in einen vorderen Teil auf quadratischem Grundriß und einen zum Garten hin angesetzten "Flügel" untergliedert, beide durch Walmdächer mit weit ausgestelltem Fuß gekennzeichnet.
Dreieinhalb Geschosse (Erdgeschoß, Hochparterre, Obergeschoß und ausgebautes Dachgeschoß); Fassaden in Putz, zu allen Seiten eigenständige Gestaltung bis auf einheitliche Form von Sockel und Traufe, Sockel straßenseitig als volles Erdgeschoß, auf der Gartenseite (erhöhtes Außenniveau) jedoch nur als halbes Geschoß: Steinputz mit Scharrierung, kräftigen horizontalen Fugen und zusätzlich schmalen senkrechten Fugen auf der Rückseite (Balkon hier mit Basaltplatten im Sockelbereich), Abschluß in kräftig vorkragender Platte; Traufgesims als profilierte Schräge, Dach mit weitem Überstand; alle Fenster in flacher Blendrahmung, einfach vortretende Sohlbänke.
Straßenfassade: vier Achsen; in den rechten drei Achsen im Sockelgeschoß drei quadratische, einfach eingeschnittene Fensteröffnungen mit altem Gitter (diagonale Verstäbung) und neuen Fenstern (Holz, ohne Sprossengliederung), in den beiden Geschossen darüber jeweils drei hochrechteckige Fensteröffnungen mit alten Fenstern (zweiflügelig, Quersprossen), Schlagläden entfernt; in der linken Achse Risalit, über diesen die Abschlußplatte des Sockels verkröpft, Portal mit seitlichen flachen Pfosten, profiliertem gradem Sturz und flacher Verdachung, originale Haustür in Eisen mit aufwendigem Ziergitter und alter Verglasung, oberhalb des Portales der Risalit mit zwei seitlichen flachen Vorlagen, Traufgesims über diese verkröpft (kapitellartiger Abschluß), Fenster in Hochparterre mit Brüstungsverzierung (Holzfenster alt), Fenster zu OG mit floral verziertem Keilstein (Fenster alt), davor Zierbalkon auf Konsolen; schmaler Wandstreifen links von Risalit mit zwei Okulifenstern zum Treppenhaus; drei Dachgaupen mit neuen Kunststoffenstern (einflügelig).
Seitenfassade: rechts Loggia über leicht vortretendem Sockel (Steinputz mit Scharrierung ohne Fugen) mit drei querrechteckigen Fenstern (erneuert) mit altem schmiedeeisernem Gitter (diagonale Stäbe); breitrechteckige Loggienöffnung mit zwei eingestellten dorischen Säulen (vereinfacht: glatter Schaft), links nachträgliche Verglasung, Boden mit altem Kalksteinplattenbelag, Decke mit Stuckkehle; Brüstungsmauer des darüberliegenden Balkons mit Gesimsabschluß; aufgesetzter Wintergarten in Holz; Sockelgeschoß links mit unterer Basaltplattenreihe, links Fensteröffnung mit originalem Fenster und Gitter, mittig Türöffnung mit gestuftem Basaltgewände und alter Tür mit drei Glasfüllungen sowie originalem Gitter, Garagenöffnung rechts teilweise zugesetzt und Fenster eingebaut; im EG links Erker auf kräftigen profilierten Konsolen mit großem fronseitigem Fenster (ehemals drei hochrechteckige Fenster) sowie schmalen Fenstern an den Seiten (alte Gitter, Fenster in Kunststoff erneuert), umlaufendes Sohlbankgsims; rechts breite Öffnung mit dreiflügeligem Kastenfenster; im ersten OG drei hochrechteckige Fenster mit alten Kastenfenstern.
Gartenfassade: vier Achsen; im Kellergeschoß die rechten zwei Achsen vortretend, hier eine hoch- und eine breitrechteckige Fensteröffnung mit altem einfachem Gitter (Fenster in Holz erneuert), Kellerabgang rechts zugemauert; über Vorbau des Kellergeschosses rechts Balkon (Estrich erneuert), links eingeschosssiger Anbau mit weit zurückgesetztem halbem Pyramidendach über Traufgesims, sprossengeteilte Fenster und Fenstertür zum Balkon in Holz (original, altes Ziergitter), Okulusfenster in Anbau, links von Anbau breitrechteckige Fensteröffnung mit altem dreiflügeligem Fenster (Ziergitter); in linker Achse rechteckige Öffnung zur Loggia im EG, davor Freitreppe, zwei seitliche Läufe führen zu Zwischenpodest, ein Lauf zur Loggia, Treppen in Basalt, Gewände in Bruchstein mit Sandsteinplattenabdeckung, oberer Lauf mit Geländer (original); im ersten OG links Balkon, rechts zwei breitrechteckige Fensteröffnungen mit alten dreiflügeligen Kastenfenstern mit Quersprossen; auf abgewalmter Dachfläche eine Gaupe mit neuem Fenster.
Im Inneren: Vestibül mit Marmorboden (hell-ockerfarbene Platten, rote Rahmung), Wände mit Stuckrahmung, Decke mit Stuckkehle, als Kamin gestaltete Heizungsverkleidung in barocken Formen (Buntmarmor, Kalksinter?), im gleichen Material Rahmung des Durchganges zum ersten Treppenabsatz; Treppe zu Hochparterre mit Marmorpodesten und -stufen (vgl. Fußboden in Vestibül), beidseitig hölzerner Handlauf auf schmiedeeisernem Gestänge und aufwendigen Halterungen, Wände mit Marmorsockel (vgl. Kamin) und Schmuckleisten in Stuck: hochrechteckige Felder mit mittig von oben abhängendem floralem Dekor, Decke mit Rahmung als Stuckprofil, Durchgang vom oberen Podest zur Diele im OG mit schräger Marmorlaibung (vgl. Kamin), altes Türblatt; Flur im EG mit originalen Türen zu Vorratsraum und WC (drei Füllungen, obere verglast mit diagonalem Sprossengitter und alten Beschlägen) sowie zur ehemaligen Garage (Spossengitter mit Verglasung) und zu Abstellkammer unter Dienstbotentreppe, Fenster zu Lichthof original (Holz, alte Mechaniken), ebenso im WC (dort altes Waschbecken), übrige Räume im EG umgenutzt (Türblätter erhalten); Dienstbotentreppe zu erstem OG original mit schlichtem schmiedeeisernem Geländer;
Diele im ersten OG mit Boden in Solnhofener Platten, Rundbogennische und Doppelarkatur zum Durchgang Richtung Anrichte, daneben Rundbogenöffnung zu Treppe zu zweitem OG, originale Fenster zu Lichthof (teilweise mit Bleiverglasung, bemalt), Türgewände alt, Türblätter zur ehemal. Halle und zum ehemal. Speisezimmer erneuert; großer rundbogiger Durchgang zur Garderobe, alte Einbauschränke mit alten Beschlägen, Nische mit Marmorwaschtisch auf Metallgestell, dahinter Marmorverkleidung mit Spiegel und alter Glasablage, Nische sonst mit bräunlich marmorierten Wandfliesen, entlang der Öffnung als Formfliesen mit stilisiertem Eierstab, alte Heizungsverkleidung (Holz); Anrichte mit alten Fenstern zum Lichthof, alte Türen mit altem Gewände (Blätter dunkel gebeizt, z. T. obere Füllung verglast), originale Einbauschränke mit alten Beschlägen; Küche/Kammer und Kinder- bzw. Herrenzimmer als Appartement ausgebaut (alte Türen), Speisezimmer z. T. mit modernem Toiletteneinbau (alte Heizungsverkleidung);
Treppe zum zweiten OG mit Stufen in Holz, Handlauf in Holz auf floral gestalteten Messinghalterungen, kassettierte hölzerne Wandverkleidung (bis zu Fußbodenniveau von zweitem OG), am oberen Absatz (Diele) Antrittspfosten und anschließendes Geländer (profilierte, diagonal überkreuzte Stäbe); Diele mit alten Fenstern zum Treppenschacht (Bleiverglasung, bemalt), die meisten Türen zugesetzt, ansonsten mit originalen Blättern und Gewänden; in den umliegenden Räumen die alten Türen erhalten, teilweise neue Mauern eingefügt (u. a. in Bad an ehem. Elternschlafzimmer); in Ankleide originale Deckengestaltung mit flachem Gewölbe (Holzgesims am Ansatz), an zwei Seiten alte Einbauschränke; in Putzraum an Treppe zu Dachgeschoß alter Schachbrett-Fliesenboden und altes Waschbecken; Treppe mit Holzstufen und Holzgeländer (Antrittspfosten oben und unten, schlanke balusterförmige Stäbe, Handlauf), Holzprofil in Höhe Fußboden von Dachgeschoß;
Diele in Dachgeschoß mit alten Fenstern zum Lichtschacht (Oberlichter bleiverglast, bemalt), Türen alt (Holzblätter mit drei Füllungen, obere verglast mit diagonal gekreuzten Sprossen), Bad (an Diele) mit alten Fenstern (Oberlicht bleiverglast, bemalt), Speicher und Zimmer zu Appartements ausgebaut (alte Türen).
Vorgarten mit Einfriedung: Sockelmauer mit wuchtigen Pfosten an den Seiten, neben der Zufahrt rechts sowie neben der Toröffnung (mit alter schmiedeeiserner Tür), dazwischen einfaches Metallgitter; Einfahrt, Hoffläche rechts neben dem Haus und Weg seitlich der Loggia mit originaler Backsteinpflasterung; Garten erhöht mit originaler Bruchsteinstützmauer, Bruchsteintreppe.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einer der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier fast ausschließlich bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch der Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.
Das Haus Marienburger Str. 8 ist ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen Ensembles "Villenvorort Mareinburg". Am selben Ort stand bis zum Jahre 1911 das 1875 errichtete Fabrikgebäude der Rheinischen Preßhefefabrik und Spiritusfabrik B. v. Gillhausen & Cie. (später mehrfach umbenannt). Das Grundstück umfaßte die heutigen Hausnummern 8 bis 12. Die Nr. 10 und 12 sind bereits in den Jahren 1921/22 entstanden (Architekten Joseph und Willy Brandt). Die Dachform und die Geschoßhöhen waren damit bereits vorgegeben.
Die knappe und schlichte Sprache der Architektur, die vor allem die Baukuben betont, ist ebenso typisch für die meisten Bauten des Architekten Falck wie der Zierbalkon als oft einzige dekorative Zutat im Äußeren. Das zurückhaltende Auftreten des Hauses zum Straßenraum steht in lebhaftem Kontrast zur originellen Abfolge und Ausstattung der Repräsentationsräume im Inneren, die in der Fassade durch den Risalit markiert ist. Vestibül, Treppen, Dielen und Garderobe mit ihrer aufwendigen Ausgestaltung in Werkstein (Kamin, Fußböden, Waschnische, Treppe zum Hochparterre), Stuck (Dekken, Wände), Holz (Treppen, Heizungsverkleidungen, Türen) und bemaltem Glas (Lichthof) vermitteln den Eindruck kühler Eleganz und belegen den hohen Anspruch der Planung. Die vielgegliederte Gartenseite zeugt vom Wunsch einer innigen Verbindung von privatem Wohnen und Garten. Balkone und Loggia bilden hier das Bindeglied. Der Ausbau des Balkones über der Loggia zum Wintergarten erfolgte 1930 durch den Hausherren und Architekten und fügt sich dementsprechend gut in den architektonischen Rahmen.
Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist das Haus Marienburger Str. 8 deshalb von besonderem Interesse, weil es eine typische Phase der Architekturentwicklung der 20er Jahre vertritt. Innerhalb dieser gingen traditionsverbundene Gestaltung und äußerste Schlichtheit zusammen. Auch im Werk des 1878 geborenen Architekten Georg Falck steht der Bau für eine Übergangsphase von einer eher traditionalistischen Ausrichtung hin zu einem entschiedenen Vortragen der Formen des Expressionismus und vor allem des "Neuen Bauens". Letzeres kündigt sich am Haus Marienburger Str. 8 in der Betonung der kubischen Formen unter weitgehendem Verzicht auf dekorative Elemente bereits deutlich an. Traditionell erscheint vor allem die Gestaltung des Sockels und der Loggia einschließlich der Freitreppe zum Garten. Die gesamte Komposition stellt eine gelungene Verschmelzung mit geschlossener Erscheinung dar. Die eigenwillige Ausstattung des Inneren zeichnet das Haus als die Planung eines Architekten für seinen eigenen Gebrauch aus. Die 1927/28 geplante und gebaute Villa Robert-Heuser-Str. 7-7a in Marienburg ist mit ihrer Betonung der Horizontalen und der die Gebäudeecken "auflösenden" Gestaltung ein gutes Beispiel für die weitere Entwicklung im Werk Falcks.
Hof- und Wegflächen sowie Garten und Grundstückseinfriedung sind gut erhalten und gehören unbedingt zur Gesamtgestaltung. Sie sind deshalb Bestandteil des Denkmales.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0