Wohnhaus

Marienburger Straße 60 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3755
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Marienburger Straße 60, 50968 Köln
Baujahrum 1914
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 08.10.1986
Stadtteil Marienburg

Das Haus Marienburger Str. 60 bildet zusammen mit dem Nachbarhaus Marienburger Str. 58 eine bauliche Einheit. Das zweigeschossige Doppelhaus mit ausgebautem Dachgeschoß wurde laut Grevens Adressbuch 1910 von dem Architekten Josef Dräger errichtet. Die Haushälfte Nr. 60 nutzte der Architekt selbst, die andere Hälfte übernahm der Kölner Kaufmann August Schorn. Stilistisch steht das Haus in der Tradition der vom Deutschen Werkbund beeinflußten Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende, einer Architekturströmung, die eine Abkehr von den stukkierten Bauten des 19. Jahrhunderts und eine Zuwendung zu einer heimatlichen Bauweise mit sogenannten "ehrlichen" Baumaterialien wollte. In diesem Sinne ist das Haus unter Einbezug neuklassizistischer Formen romantisch-malerisch durchgeformt. Zwischen trapezförmigen Ekkrisaliten, die mit kleinen, figürlichen Reliefs geschmückt sind, spannt sich die 5-achsige Putzfassade des Doppelhauses, in die mit feinem Versprung des Rahmens die Kreuzstockfenster mit filigranem Sprossennetz scharfkantig einschneiden. Eine Gesimskehle leitet zum Dach über, das mit zwei, etwas in der Dachebene verschobenen, steilen Giebelhäusern die Hauptfassade bekrönt. Der First der Giebelhäuser verläuft über dem senkrecht dazu stehenden Satteldachfirst und mündet im Schopfwalm der rückwärtigen, verputzten Seitenflügel, die beide durch Um- und Anbauten verändert wurden. Die straßenseitigen Dreiecksgiebel sind differenziert gestaltet. Haus Nr. 58 zeigt an der Basis ein dreiteiliges, mit kassettierten Pfosten, unterteiltes Fenster, das zusätzlich durch ein darüberliegendes kleines Doppelfenster ergänzt wird. Der Giebel von Haus Nr. 60 springt dagegen in Höhe des Fenstersturzes über profilierte Konsolen leicht vor, wodurch sich, zusammen mit der darunterliegenden, mittigen Vertiefung, eine von zwei kannelierten Rundsäulen gestützte Loggia herausbildet, die von zwei Fenstern flankiert wird. Auch hier wird das verbleibende Giebelfeld durch ein kleines Fensterband unterteilt. Die mit Biberschwänzen verkleideten Giebelflächen waren vermutlich ursprünglich verputzt. Auch die Eingänge des Doppelhauses hat der Architekt Dräger subtil unterschieden. Der gerahmte und mit einem figürlichen Architektursymbol schlußartig bekrönte Eingang zu Haus Nr. 60, das er selbst bewohnte, liegt genau in der Achse des Doppelhauses, wodurch - bei flüchtigem Hinsehen - der Eindruck eines großen Einfamilienhauses entsteht, der erst durch den in einem übergiebelten Seitenannex angeordneten Eingang zu Haus Nr. 58 korrigiert wird. Die Innenarchitektur des Halbhauses Marienburger Str. 60 setzt die stilistische Außengestaltung fort. Das Entrée ist mit Reliefs geschmückt, die verschiedenen Baugewerke allegorisch darstellen. Dazu setzt sich ein dunkler gemusterter Fliesenboden kontrastvoll ab. Das Entrée mündet im rückwärtigen noch originalen - Holztreppenhaus, dessen Fenster teilweise Glasmalereien zeigen. Beim Umbau zu einem Mehrfamilienhaus wurden Grundrißänderungen und rückwärtige Anbauten im Erdgeschoß vorgenommen. Erhalten geblieben sind die straßenseitigen Erdgeschoßräume. Mit ihren Holzbalken- und Holzkassettendecken, deren einer Hauptträger auf figürlichen Konsolen auflagert, den mit Intarsienmusterungen verlegtem Parkett, den Glasmalereifragmenten des großen bleiverglasten Fensters sowie der aufwendigen Kaminattrappe für den Heizkörper orientieren sich die Räume an einer heimatlichen Architektursprache. Original erhalten sind noch einige Stuckleisten der Obergeschoßräume, mehrere Türen sowie die überwiegende Zahl der Fenster. Zum Doppelhaus gehört das noch nahezu vollständig erhaltene schmiedeeiserne Einfriedungsgitter, das nur im Bereich des Haulbhauses Nr. 60 seinen obereren Kranz verloren hat.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüberhinaus auch in Deutschland ist. Das Doppelhaus Marienburger Str. 58 - 60 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Halbhaus Marienburger Str. 60 ist in seiner malerischen Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von hoher künstlerischer Qualität und Bedeutung. Zusammen mit dem Nachbarhaus Nr. 58 gehört es zu den typischen Marienburger Doppelhäusern, die vor dem 1. Weltkrieg als bescheidenere Variante der großen Villen errichtet wurden. Sein Baustil dokumentiert die Überwindung der Gründerzeitarchitektur. Die von dem Deutschen Werkbund stark beeinflußte Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende besann sich auf ihre jeweils lokalen Stiltraditionen, wodurch die Bauwerke wieder regional identifizierbar wurden. Ziel war es, das Bauwerk aus sich selbst sprechen zu lassen, was hohe Anforderungen an die Detailgestaltung beinhaltete. An allen Details des Hauses ist diese Forderung des Deutschen Werkbundes nach qualitätvoller, funktionsgerechter Verwendung der Baumaterialien ablesbar. Neben den oben genannten Gründen besteht an der wissenschaftlichen Erforschung des Doppelhauses auch deshalb ein großes Interesse, weil es als eines der wenigen baulichen Dokumente des Architekten Josef Dräger das Schaffen dieses Baumeisters überliefert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0