Wohnhaus

Marienburger Straße 56 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3500
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Marienburger Straße 56, 50968 Köln
Baujahrum 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 12.03.1986
Stadtteil Marienburg

Das 2geschossige Haus, eine Halbvilla mit ausgebautem Dachgeschoß, ist laut Grevens Adressbuch 1909 für den Kölner Kaufmann Wilhelm Schöne errichtet worden. Die Durchformung der Baumassen mit tektonischen Mitteln, der Einbezug der Fensteröffnungen in diese Gestaltung sowie die Verwendung unterschiedlicher Edelputz zeigt, daß das Haus stilistisch der vom Deutschen Werkbund beeinflußten Reformarchitektur zuzuordnen ist. Die straßenseitige Hauptfassade ist in vier Achsen gegliedert, die durch begleitende, über die gesamte Höhe des Hauses verlaufende Lisenen (Mauerstreifen) akzentuiert werden. Zusätzlich setzt gekämmter Putz diese vom übrigen Rauhputz ab. Ein leicht aus der Fassadenebene segmentartig hervortretender, seitlich angeordneter Parterreerker adaptiert die Formensprache der Fassade. An der Seite des Hauses ist ein übergiebelter Risalit angeordnet, der unprätentiös den Hauseingang aufnimmt. Auch der Risalit ist mit engstehenden Lisenen vertikal gegliedert. Die hochrechteckigen Fenster des Hauses sind mit Sprossen stark durchgerastert. Ein glatt profiliertes Gesims schließt den Baukörper zum leicht vorspringenden Dachbereich ab, der durch Verschneidungen des ziegelgedeckten Walmdaches lebendig durchgeformt ist. Ursprünglich erfolgte die Belichtung des Dachgeschosses über hochliegende Fensterbänder an der Vorder- und Rückseite des Hauses, die in den 70er Jahren an der Hauptfassade zu zwei großen Fenstertüren mit Austritt erweitert wurden. Der gleichzeitige Umbau zu einem Mehrfamilienhaus führte zu Grundrißänderungen und zu einem rückwärtigen Anbau auf dem Niveau des Kellergeschosses, in dessen Folge auch die dortigen Erdgeschoßfenster verändert wurden. Die Innenräume des Erdgeschosses sind durch feine flach gestufte Stuckprofile und einzelne Rosettenreliefs von den übrigen Räumen des Hauses hervorgehoben. Die meisten Türen sind noch teilweise mit ihren Beschlägen orginal erhalten, wie auch das Holztreppenhaus nur unwesentlich verändert wurde. Bestandteil der Villa ist auch der Vorgarten mit seiner schmiedeeisernen Einfriedung.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Marienburger Straße 56 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Marienburger Straße 56 ist in seiner Gesamtkonzeption als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. In den ruhigen und in ausgewogenen Proportionen zueinanderstehenden Baumassen, der Verwendung sog. "ehrlicher" Materialien im Gegensatz zum Stuck, gehört die Villa zur Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende, die vom Deutschen Werkbund beeinflußt, eine Abkehr von den stuckierten Bauten des 19. Jh. bedeutete, Ziel dieser Architekturrichtung war es, das Bauwerk aus sich selbst heraus sprechen zu lassen, was hohe Anforderungen an die Detailgestaltung beinhaltete. An allen Details des Hauses ist diese Forderung des Deutschen Werkbundes nach qualitätsvoller, funktionsgerechter Verwendung der Baumaterialien ablesbar. So entstand eine repräsentative Villa, die ein hervorragendes Zeugnis der Architeturentwicklung vor dem Ersten Weltkrieg darstellt, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0