Wohnhaus

Stadtwaldgürtel 35 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3756
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Stadtwaldgürtel 35, 50931 Köln
Baujahrum 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 08.10.1986
Stadtteil Lindenthal

Die zweigeschossige, von einem hohen, geschweiften Mansardwalmdach überfangene Villa ist 1911 von dem Architekten Eduard Endler in einer neubarocken Formensprache für den Kölner Regierungsrat Kramer entworfen worden. Ein leicht vorspringender Mittelrisalit mit gestaffelt vorgezogenem Säulenportikus und darüberliegendem, vergittertem Balkon sowie ein mächtiges Zwerchhaus mit geschweiftem Giebel gliedern repräsentativ die siebenachsige Straßenfassade. Diese auf die Symmetrieachse konzentrierende Architektur wird von einer breit geschwungenen, den Straßenraum anbindenden Freitreppe unterstützt. Dichte, die Achsenzone flankierende Fensterreihungen gliedern mit ihrem Sprossennetz und Schlagläden ruhig die verputzten Fassadenflächen. Auf der Rückseite erfolgt die Anbindung an den Garten über einen säulengestützten, halbrunden Vorbau, dessen transparenter Raum von der dahinter konkav gebrochenen Wandfläche subtil erweitert wird.

Durch Brandbomben verlor die Villa im 2. Weltkrieg das für ihr Proportionen und ihre Achsenbetonung so bedeutende Mansardwalmdach mit seinem Zwerchhaus und ihre Innenarchitektur. Die Wiederherstellung nach dem Krieg hat die historischen (Dach-) Formen nicht wiederholt, sondern dem Bauwerk - entsprechend dem vorherrschenden sachlichen Architekturverständnis - ein unregelmäßiges Staffelgeschoß, das mit einem überkragenden, flachen Walmdach abschließt, aufgesetzt. Auch hat die nun veränderte Nutzung des Gebäudes als Mehrfamilienhaus die ursprünglichen Etagengrundrisse verändert.

Der Kölner Stadtteil Lindenthal ist aus einer Vielzahl unterschiedlich großer Dörfer hervorgegangen, die sich zum geschlossenen Vorort durch die symmetrische Erschließung um die Dürener Straße seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts entwickelten. Die Villenbebauung setzte in Lindenthal schon vor der Eingemeindung von Köln ein und hatte kurz nach der Anlagung des Stadtwaldes in den Jahren 1895 - 1898 ihren Höhepunkt. Trotz der baulichen Beeinträchtigung ihres ursprünglichen Aussehens ist die große Villa städtebaulich noch immer ein bemerkenswertes Beispiel Lindenthaler Villenarchitektur aus der Zeit kurz vor dem 1. Weltkrieg. Sichtbezüge ergeben sich zu der 1914 von Schreiterer und Below etwa gleichzeitig errichteten Nachbarvilla, die den ehemaligen Villencharakter Lindenthals am Stadtwald noch rudimentär ablesbar machen.

Die Villa Stadtwaldgürtel 35 ist in ihrer großzügigen Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Kölner Architekt Eduard Endler hat unter Rückgriff auf eine barocke Formensprache ein äußerst repräsentatives Herrschaftshaus errichtet, das dem damaligen Stilempfinden des gehobenen Bürgertums entsprach. Die ehemals als Anspruch sich manifestierende Architektur der Gründerzeit mit ihrer Dekorfülle wich vor dem 1. Weltkrieg einer sich sozusagen selbstverständlich präsentierenden Gestaltung, die den Stolz des gut situierten Bürgertums über das Erreichte widerspiegelte. Der Architekt Eduard Endler (1860 - 1932) hat vor allem den Kirchenbau im Rheinland maßgeblich beeinflußt, der durch die Stadterweiterungen und -verdichtungen zu Ende des vorigen Jahrhunderts notwendig wurde. Die Kirchen St. Michael in der Neustadt, St. Mechtern in Ehrenfeld, St. Joseph in Porz und mehrere andere sind Kölner Werke Endlers. Daneben gerieten seine wenigen Villenbauten - meist in neubarocken Formen - zu vornehmen Baukunstwerken. Charakteristischerweise erfolgte der Umbau der Villa nach dem 2. Weltkrieg nicht in der historisch überlieferten Form, was sie zu einem wichtigen und typischen Beispiel des Wiederaufbaus der zerstörten Stadt Köln macht. Die erhaltenen, wie die veränderten Gebäudepartien lassen heute so für jedermann die Geschichtlichkeit von Architektur - hier der Wandel von einer herrschaftlichen Bürgervilla zum Mehrfamilien-Miethaus - deutlich sichbar werden.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0