Wohnhaus

Stadtwaldgürtel 32 · Lindenthal

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7811
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Stadtwaldgürtel 32, 50931 Köln
Baujahrum 1925
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.03.1996
Stadtteil Lindenthal

Erbaut um 1922; zweigeschossige Halbvilla mit Mansardwalmdach (einseitige Abwalmung; Wiederaufbau mit 2 Gauben) und Werksteinfassaden (mit verkröpften Gesimsen) auf nahezu quadratischem Grundriß.

Fassade: 4 Achsen; Werksteinfassade mit an barocker Palastarchitektur orientierter Gliederung: risalitartige Vorstufung der drei linken Achsen mit mittigem Eingang (portalartig gerahmt, halbrund vorgelagerte Freitreppe); Pilastergliederung im OG; Betonung der rechten Achse durch halbrunden, eingeschossigen Standerker mit separater Verdachung; Mansarddach; Horizontalgliederung durch verkröpfte Gesimse; Eingangstür mit Vergitterung/ Fenster 50er Jahre.

Rückfront: 4 Achsen (linker Hand 2 Achsen risalitartig vorgestuft: EG geschlossen mit seitlicher Tür und erneuerter Treppe zum Garten; OG offen als Loggia; DG mit neuem Balkon); verputzt (Fensterrahmungen leicht vertieft); 4 Gauben, bzw. Fenstertür; Kastenrinne um den Vorbau verkröpft; verkröpftes Traufgesims; Fenster 50er Jahre.

Innen original: EG: Parkett/Deckenstuck im Entree/Anmeldung (Grundriß nachträglich wohl verändert); Parkett im Erkerzimmer (im Erkerbereich erneuert); Türrahmen im EG; weitgehend Grundrisse; Eingangs- und Windfangtür 50er; hölzerne Treppenanlage; zweiläufige Treppe zum Dachgeschoß mit Solnhofener Platten; OG: Türrahmen/-laibungen; einfache Stuckleisten (Absetzung zwischen Wand- und Deckenbereich).

Veränderungen: Dachstuhl/Dachhaut nach Kriegsschäden instandgesetzt; Ausbesserungen des Holzwerkes der Türen/Fenster; z.T. erneuerte Fenster; Grundrisse zunächst 1953 leichtfügig verändert (Umnutzung zu Galerieräumen); ehemaliger Anbau mit Garage ebenfalls leicht verändert; 1957 Aufstockung des Garagenanbaus (s. Photomontage/heutiger Zustand); 1974 erneuter Umbau des Anbaus.

Bestandteil des Denkmals sind auch die straßenseitige Freitreppe mit zwei flankierenden Kugeln, der Vor- und rückwärtige Garten und die zweiseitige Gartenmauer. Nicht Bestandteil des Denkmals ist der ehemalige Gargenanbau (durch mehrere, z.T. umfangreiche Umbaumaßnahmen völlig verändert).

Der schon 1888 eingemeindete Kölner Stadtteil Lindenthal hat seine Entwicklung zu einem geschlossenen Vorort ähnlich wie z.B. Sülz oder Ehrenfeld zwar dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zu verdanken, geht in seinem dörflichen Ursprung jedoch bis an die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert zurück.

Die eigentliche, neuzeitliche Entwicklung des Gebietes, das heute Lindenthal heißt (das einstige Dorf Lind lag zwischen dem Stadtwald und dem heutigen Krankenhaus Hohenlind) zu einem Kölner Vorort ist den Kölner Bürgern Fühling und Thelen zu verdanken, die in den 1840er Jahren an der Dürener Straße ein etwa 40 Morgen umfassendes Areal erwarben und durch Wege und Straßen zuerst für Schrebergärten und ab 1846 dann für Wohnhäuser - das erste Haus wurde in der Falkenburgstraße gebaut - erschlossen. Dank der günstigen Bodenpreise war schon von Anfang an eine starke Durchgrünung bestimmend, die zusammen mit der Tatsache, daß es hier kaum Industriebetriebe und Ziegeleien gab, dazu führte, daß sich in Lindenthal auch wohlhabende Kölner Bürger niederließen. So setzte in Lindenthal schon vor der Eingemeindung nach Köln eine Villenbebauung ein, die ihren ersten Höhepunkt kurz nach der Jahrhundertwende hatte. Eine weitere wichtige Bebauungsphase folgte dann in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts und steht in direktem Zusammenhang mit umfangreichen städteplanerischen und -baulichen Aktivitäten.

Der Stadtwald - heute Inbegriff der Grünen Lunge Kölns - wurde 1895 nach einem Entwurf von Gartenbaudirektor Adolf Kowallek als erster Kölner Großpark angelegt. Der älteste Teil des Stadtwalds war der Park der alten Kitschburg, am Beginn des Stadtwaldgürtels/Ecke Dürener Straße gelegen. Bis 1898 wurde der Stadtwald angelegt und bis 1910 sukzessive erweitert und umgestaltet.

Unter Konrad Adenauer (1917-1933 Kölner Oberbürgermeister) schuf dann der berühmte Bremer Architekt und Stadtplaner Kurt Schumacher ein umfassendes System von Grünanlagen als Teil eines Generalbebauungsplanes, das weite Teile des Kölner Stadtraumes mit einem Inneren und Äußeren Grüngürtel umgibt. Möglich geworden war diese großflächige Durchgrünung aufgrund der Umnutzung der weiten Freiflächen der ehemaligen Rayons. Adenauer setzte für das keilförmige Gebiet zwischen Aachener und Dürener Straße, Innerer Kanalstraße und Stadtwaldgürtel die Villenklasse als Bauvorschrift durch. Diese grüne Schneise war für die Bebauung mit repräsentativen Villen geradezu prädestiniert. Als eines der typischen Beispiel dieser großzügig angelegten Bauten kann das o.g. Objekt gelten.

Fassadengestaltung, -gliederung, -material und die Dachform belegen in ihrer Ableitung vom barocken Schloßbau bereits den außerordentlich hohen repräsentativen Anspruch der Erstbewohnerschaft. Hinzu kommt die großzügige Innenraumgestaltung, die auf den vom Bauherren erwarteten Wohnkomfort hinweist und auch im Inneren einen hohen repräsentativen Anspruch belegt. Diese, den Bau in seiner Grundhaltung charakterisierenden Merkmale sind im Wesentlichen erhalten und am Gebäude ablesbar geblieben, weshalb das o.g. Objekt als integraler Bestandteil der Villenbebauung in Lindenthal ein unverzichtbares bauliches Dokument darstellt und unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0