Wohnhaus
Düsseldorfer Straße 41 · Mülheim
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3945 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Düsseldorfer Straße 41, 51063 Köln |
| Baujahr | 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 30.10.1986 |
| Stadtteil | Mülheim |
Das Wohnhaus ist inschriftlich datiert auf 1905. Baugeschichtlich aussagefähig ist das Wohnhaus, da es in seiner heutigen Form den Übergang zwischen dem Baustil des Historismus und dem um 1905 aufkommenden sogenannten Heimatstil verkörpert. Über einem breiten Haussockel aus Naturstein erheben sich die Fassaden mit zum Teil unregelmäßig gestalteten Achsen und Geschossen. Zur Portalzone mit ornamentiertem Türgewände und zwei mit Masken besetzten Konsolen der ehemaligen Türverdachung führt eine Außentreppe mit umlaufender Begrenzungsmauer (ebenfalls aus Naturstein). Die einfachen und doppelten Kreuzstockfenster in verschiedenen Formen (gerade Form, Rundbögen) und Größen, zum Teil mit Fensterbankgesimsen, sind mit Quadersteinen gerahmt. Ein flacher, einachsiger bis zur Traufe reichender Risalit sowie ein polygonaler Risalit mit separatem Eingang an der Seitenfront des Hauses gliedern und beleben die Straßenfassade; die rückwärtige Rheinfassade wird durch einen zweigeschossigen Risalit mit Balkonaufsatz sowie einen ursprünglich offenen, mit Arkaden versehenen Gewölbevorbau mit Balustradenabschluß gegliedert. Die Bauzier des Hauses besteht weitgehend aus rechteckigen, meist über Fenster oder Tür ausgebrachten Relieffeldern, die teils ornamentiert, teils mit Früchtekorb u. ä. sowie einem Bandrelief mit der Inschrift: "Zur Mühle" versehen sind. Alle Haustüren sowie ein großer Teil der Fenster sind noch in ihrer originalen Substanz erhalten und vervollkommenen die ästhetische Einheit der Fassaden. Die entstellend veränderte Dachzone (ehemals Giebelgeschoß) beeinträchtigt zwar den Gesamtcharakter des Hauses, die Fassaden als konstruktive Teile des Hauskerns verdeutlichen jedoch Proportion, Geschoßgliederung und Höhe des Gebäudes. Das Grundstück mit altem Baumbestand ist mit einer verputzten Steinmauer umgeben. Zwei ornamentierte Begrenzungspfeiler markieren die Toreinfahrt. In der rückwärtigen Gartenanlage ist eine Steinbank mit zwei halbplastischen Masken erhalten.
Insbesondere die Innenausstattung der Villa repräsentiert die Wohnkultur großbürgerlicher Lebensweise der damaligen Zeit. An originalen Ausstattungsteilen (insbesondere im Erdgeschoß) sind erhalten: Eine Holztreppe mit geschlossenem, gedrechseltem Geländer nebst reich geschnitztem Antrittspfosten, Wand- und Deckenvertäfelungen in Kassettenform; weitgehend Parkettfußböden in den Wohnungen, zum Teil in individuell gestalteten Mustern; Stuckdecken; Kassettentüren, kapitellartige Türrahmungen mit Klötzchenfries und Kanneluren sowie Messinggriffe in typischem Jugendstildekor; ein großes bleiverglastes Fenster mit Weinranken und künstlerisch gestalteten Engelsfiguren; im Herrenzimmer eine Holzbalkendekke mit ornamentierter Deckenmalerei in den Zwischenfeldern, ein gedrechselter Kamin aus geschliffenem intalienischem Marmor mit verzierter Gitterverkleidung; in der Küche ein ornamentierter gußeiserner Heizkörper mit Wärmeschrank; außerdem eine Garderobe mit einem Marmorwaschtisch sowie eine Toilette mit originalem Toilettendeckel und Wandfliesen im Rankendekor.
Ortsgeschichtlich bedeutsam ist das Bauwerk als einstige Villa des belgischen Fabrikanten Theodore Lammine, Betreiber einer Dampfkessel- und Hochofenfabrik in Mülheim, da sie in ihrer offenen Einzelbauweise, mit starker Durchgrünung ihres Stadtortes an der Rheinseite der Düsseldorfer Straße den gestiegenen Repräsentationsanspruch für den großbürgerlichen Wohn- und Baustil nach der Jahrhundertwende dokumentiert. Sie kennzeichnet damit einen wesentlichen Aspekt der Entwicklung der bis 1914 freien, wohlhabenden Stadt: die Industriealisierung, die gefördert durch äußerst günstige Verkehrsmöglichkeiten (Eisenbahn, Schiff, Straße) und Raumangebot, der Stadt zu schnellem Wachstum verhalf und ihr Ortsbild individuell prägte.
Städtebaulich bedeutend ist das o. g. Objekt als Beispiel für die Herausbildung einer Villenkolinie mit exponiertem Standort direkt am Rheinufer, wo sie einem Bestandteil einer nur geringen Anzahl von noch erhaltenen Bauwerken im Villenstil bildet (Nr. 27, 29 sowie auf der gegenüberliegenden Straßenseite Nr. 28 und in der Münsterer Str. 1 - 7). In Verbindung mit den Mietstockwerkbauten in unmittelbarer Nachbarschaft (Nr. 44, 46 und 56 - 62) trägt das historische Erscheinungsbild in diesem Teil der Düsseldorfer Straße auch dem sozialgeschichtlichen Aspekt Rechnung.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0