Wohnhaus

Marienburger Straße 47 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3965
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Marienburger Straße 47, 50968 Köln
Baujahrum 1908
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 19.11.1986
Stadtteil Marienburg

Das zweigeschossige Haus mit hohem geknicktem Giebel bildet mit dem unmittelbar anschließenden Nachbarhaus eine bauliche Einheit, die in einer nur von geringen Abweichungen sich unterscheidenden spiegelbildlichen Architektur sichtbar wird. Errichtet wurde das Doppelhaus laut Grevens Adressbuch 1910 von der Kölner Immobilien Gesellschaft, einer Aktiengesellschaft, die durch Erschließung und Bebauung maßgeblich zu der Entwicklung des Villenvorortes beitrug. Das Haus Nr. 47 wurde schon 1911 an dem Kölner Kaufmann H. Petzall veräußert. Die hellverputzte Fassade der Halbvilla Marienburger Str. 47 wird zur Straße durch einen seitlich angeordneten risalitartigen Vorbau dem zusätzlich im Erdgeschoß ein halbrunder Erker in Werkstein vorgesetzt ist und der dominanten Giebelarchitektur tektonisch gegliedert. Zusammen mit dem an der Seite des Hauses weit vorgesetzten Treppenhaus, dessen Überfangung die geknickte Giebelform der Straßenseite wiederholt und deren nochmalige Wiederholung an der Rückseite des Hauses wird bewußt ein malerischer Eindruck evoziert, der in der Wahl heimischer Stilelemente in Verbindung mit Prinzipien des englischen Landhausstils zu sehen ist. Dieses malerische Erscheinungsbild wird noch durch die vielfältigen Verschneidungen des schiefergedeckten Daches lebendig verstärkt. Die Fenster schneiden mit leicht abgesetzten Putzrahmen scharfkantig in die Fassaden ein und zeigten ursprünglich in den Oberlichtern eine vertikale Sprossenteilung, wie sie für den Jugendstil typisch war. Auch die Giebelspitzen sind mit Stuckreliefs dieser Stilrichtung geschmückt. Das Innere des Hauses beherrscht ein bemerkenswert repräsentatives Entrée aus Marmorfußboden und Schwingtüren mit facettiertem Glas von dem ein großzügiges - ebenfalls sehr gut erhaltenes - Holztreppenhaus aufsteigt. Durch teilweise Umnutzungen zu einem Büro sind geringe Grundrißveränderungen vorgenommen worden (u. a. die Erweiterung des rückwärtigen Wintergartens), die jedoch den ursprünglichen Charakter des Hauses nur unwesentlich beeinträchtigen. Dazu trägt bei, daß die reiche Stuckdecke im ehemaligen Speisezimmer, die Parkett- und Pitchbinefußböden, die Eingangstür mit ihrer Farbverglasung und mehrere Türen noch original vorhanden sind. Die ursprünglichen Fenster sind bis auf die im halbrunden Erker durch Kunststoffenster ersetzt, die Schlagläden des Obergeschosses beseitigt worden.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Marienburger Str. 47 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Halbvilla Marienburger Str. 47 ist in ihrer Gesamtkonzeption als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. In den malerischen und ausgewogenen Proportionen zueinanderstehenden Baumassen, der Verwendung sogenannter "ehrlicher" Materialien, im Gegensatz zum Stuck, gehört die Villa zur Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende, die, vom Deutschen Werkbund beeinflußt, eine Abkehr von der stukkierten Bauten des 19. Jahrhunderts bedeutete. Ziel dieser Architekturrichtung war es, das Bauwerk, unter Verwendung traditionell lokaler Bauformen, aus sich selbst heraus sprechen zu lassen, was hohe Anforderunen an die Detailgestaltung beinhaltete. An allen Details des Hauses ist diese Forderung des Deutschen Werkbundes nach qualitätvoller, funktionsgerechter Verwendung der Baumaterialien ablesbar. Es entstand so eine Villa, die ein hervorragendes Zeugnis der Architekturentwicklung vor dem 1. Weltkrieg darstellt, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0