Wohnhaus
Oberländer Ufer 172 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3969 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Oberländer Ufer 172, 50968 Köln |
| Baujahr | 1936 bis 1937 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 24.11.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Haus Oberländer Ufer 172 ist 1936/37 als Doppelhaus zusammen mit der Haushälfte Nr. 170 für den Kaufmann Ludwig Kaspers errichtet worden.
Über einem Sockel aus Bruchsteinmauerwerk erhebt sich der 2-geschossige Putzbau, der sich zur Straßenseite in 6 Fensterachsen gliedert. Ein 1-geschossiger, an den Ecken abgerundeter Risalit betont die 4 mittleren Achsen und nimmt den höhergelegenen Hauseingang mit Metallgeländer der Haushälfte Nr. 172 auf. Alle Fenster - im Erdgeschoß horizontal ausgerichtet und im 1. Obergeschoß quadratisch - werden durch einen schmalen Putzstreifen gerahmt.
Die Horizontale wird außerdem durch ein vorkragendes Vordach über der Eingangstür, das den Schwung des Vorbaus wiederholt und durch ein breites Traufgsims betont. Ein schiefergedecktes Walmdach mit Dachhäuschen zur Belichtung des ausgebauten Dachgeschosses überfängt den gesamten Baukörper.
Die Seitenfassade wird von einem Altan mit Brüstungsgeländer, das sich über die ganze Breite der Hausseite erstreckt, beherrscht. Eine Garage befindet sich im Sockelbereich; die zum Teil originale Einfriedung faßt das Grundstück mit Vorgarten ein.
Im Inneren des Hauses zeugen Holztreppe, Zimmertüren mit Beschlägen, Parkett im EG, aufwendige Heizkörperverkleidungen sowie Holhkehlen an den Zimmerdecken an der Wohnkultur zur Erbauungszeit. Die Haustüre ist erhalten geblieben, wogegen die Fenster - darunter ein bleiverglastets im Treppenhaus - nach altem Vorbild erneuert worden sind.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhälntnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einer der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig einer der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.
Das Haus Oberländer Ufer 172 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch die Vielzahl der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterodnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Haus Oberländer Ufer 170/172 ist in seiner Gesamtkonzeption und der Detailausführung von künstlerischer Qualität und Bedeutung. Unter weitgehendem Verzicht auf dekorative Elemente hat der Architekt hier ein Bauwerk geschaffen, das in seiner wohlproportionierten Gliederung und der Betonung der Horizontalen Ideen des Neuen Bauens der 20er Jahre verarbeitet, jedoch durch Verwendung traditioneller Stilformen wie Bruchsteinsockel und Walmdach der lokalen Architektur verbunden bleibt.
Für den Erhalt dieses Gebäudes sprechen neben den künstlerischen auch wissenschaftliche Gründe, denn als Beispiel der Architekturentwicklung Mitte der 30er Jahre gilt diesem Haus auch das besondere Interesse der Bauforschung und Architekturgeschichte der Stadt Köln.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0