Wohnhaus

Oberländer Ufer 168 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8582
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Oberländer Ufer 168, 50968 Köln
Baujahr1937 bis 1938
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 11.06.2002
Stadtteil Marienburg

Bauherr: Alfred Maß

Architekt: Josef Dräger

Baujahr: 1937/38

Südöstliche spiegelbildliche Doppelhaushälfte von Oberländer Ufer 166, über rechteckigem Grundriss mit Vorbauten errichtet.

Zwei Geschosse und ausgebautes Dachgeschoss, seitlich abgewalmtes Dach mit zwei Gauben. Putzbau mit Keller-/ Sockelgeschoss in Bruchstein.

Vorderfassade: In der rechten Fassadenhälfte Vorbau mit im Viertelrund seitlich vorkragendem Flachdach über im Anbau befindlichem Hauseingang (Tür mit Rundbogen original);. In der südlichen Außenachse Balkon auf Konsolen mit originalem eisernem Geländer.

Kellergeschoss mit Garageneinfahrt unter Balkon, im EG große verglaste Öffnung zum Balkon mit Fenstertür, daneben ein schmales hochrechteckiges und ein rundes Fenster mit originalen schmiedeeisernen Gittern, im OG vier mittlere hochrechteckige schmale Fenster mit originalem Gitter flankiert von je einem annähernd quadratischem Fenster.

Profiliertes Traufgesims,; Fenster teilweise erneuert.

Seitenfassade: nördlich Vorbau mit großen querrechteckigen Fenster übereck.

Rückfassade: im EG Fassade seitlich leicht vortretend, hier noch ein flachgedeckter eingeschossiger Vorbau mit horizontalen Streifen im Putz; OG leicht zurückgesetzt, davor Balkon (Beton) mit originalem Gitter, der auch die Flachdächer der Vorbauten umfasst; wenige Fensteröffnungen, Fenster erneuert.

Eine Besichtigung des Innern wurde nicht ermöglicht.

Im Inneren original erhalten (vermutlich): originaler Grundriss, Treppenhaus, Parkett- und Fliesenboden, Türen, Fensterbänke, Heizkörper, sowie weitere Teile der Ausstattung.

Die von der Vorgängerbebauung (Villa Kyll, 1872/73) stammende straßenseitige Einfriedung (original), die Treppenanlage zum Hauseingang und die Gartenflächen sind Bestandteil des Denkmals.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln. In den 1870er Jahren wurde auf Initiative von Ernst Leybold in Marienburg mit der Villenbebauung begonnen. Dank der unterschiedlichsten hier wirkenden Kräfte ist Marienburg nicht nur eine "englische Gartenstadt", sondern vielmehr auch so etwas wie ein "lebendiges Architekturmuseum", in dem auserlesene Beispiele die verschiedensten Strömungen einer über 100jährigen Architekturgeschichte erläutern

Das Haus "Oberländer Ufer" 168 ist ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen Ensembles "Villenvorort Marienburg". Am selben Ort, in bevorzugter Lage mit Blick zum Rhein, stand bis zum Jahre 1927 die zur Maschinenfabrik und Kesselschmiede "Kyll & Nienhaus" gehörige, 1872/73 errichtete Villa Kyll. Nach dem Abriss der Fabrik im Jahre 1910 wurde das Gelände neu parzelliert. Es umfasste die heutigen Grundstücke "Oberländer Ufer" 166-172 sowie Parkstraße 1-5 und 2-10. Die Villa stand auf dem Gelände "Oberländer Ufer" 168 und wurde 1910 zum Café umgebaut. Die rheinseitige Einfriedungsmauer ist noch zum Teil erhalten.

Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs sind die Nachfolgebauten der Villa Kyll u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil sie den Weg von einer bis in die 20er Jahre hinein vor allem historistisch geprägten Architektur zur Moderne, d.h. zum sachlicheren, funktional gestalteten "Neuen Bauen" der späteren 20er und 30er Jahre dokumentieren. Die gleichzeitige Unterordnung unter das Gesamtbild des Villenvorortes ist typisch für Marienburg und gab dem Stadtteil seine spezifische Ausprägung.

Das Haus "Oberländer Ufer" 166/168 ist in seiner Gesamtkonzeption und der Detailausführung von künstlerischer Qualität und Bedeutung. Unter weitgehendem Verzicht auf dekorative Elemente hat Josef Dräger ein Bauwerk geschaffen, das in seiner wohlproportionierten Gliederung, der Betonung der Horizontalen und dem teilweisen Auslaufen der Linien in Kreissegmentformen als spätes Beispiel für das Fortleben der eleganten Architektur des "Neuen Bauens" in der Zeit des Dritten Reiches gelten darf. Dies ist um so bemerkenswerter, als Josef Dräger erst in den späten 20er Jahren und dann nur vereinzelt "modernes" Formengut einbrachte. Die zahlreichen Villen der 10er bis 30er Jahre - die Häuser "Oberländer Ufer" 166-172 sind sein letztes großes Neubauprojekt -, die der bereits 1874 geborene Dräger verwirklichen konnte, zeichnen sich vor allem durch den Einsatz klassizistischer und barocker Formen aus. Die Verwendung traditioneller Stilformen wie Bruchsteinsockel und Walmdach am "Oberländer Ufer" lässt sich also sowohl aus den eigenen Vorlieben als auch aus der konservativen lokalen Tradition erklären. Andererseits darf die konservative Überprägung der Architektur als für die historische Situation der Entstehungszeit opportun gelten, ohne deshalb anbiedernd zu wirken.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0