Wohnhaus

Oberländer Ufer 170 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8156
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Oberländer Ufer 170, 50968 Köln
Baujahr1937 bis 1938
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 09.09.1997
Stadtteil Marienburg

Erbaut 1937/38; Architekt: Josef Dräger; Bauherr: Fritz Deutz; Doppelhaushälfte des zweigeschossigen Gebäudes Oberländer Ufer 170 - 172; Erdgeschoßniveau liegt höher als Straßenniveau; Putzfassade mit Bruchsteinsockel; profiliertes Traufgesims; vorkragendes Walmdach; ausgebautes Dachgeschoß; Fenster erneuert (Kunststoff); Fensterrahmung durch schmale Putzstreifen;

Straßenfront: vor das Kellergeschoß (ebenerdig zur Straße, mit Garage (Tor erneuert)) und das Erdgeschoß gesetzter, etwa zwei Drittel der Hausbreite einnehmender Vorbau mit Flachdach und abgerundeter Ecke; 3 Fensterachsen (annähernd quadratische u. querrechteckige Fensterformen); zwei Gauben; Seitenfront: Bruchsteinplattenweg zum Eingang; vor das Erdgeschoß gesetzter Eingangsvorbau mit horizontalen Streifen im Putz, Flachdach und vorkragender Eingangsüberdachung; Werksteineingangsrahmung mit abgerundeter Laibung; originale Holztür mit Glasfüllung und Gitter; Obergeschoß: hohe Rundbogenblende (wohl zugesetztes Fenster) darin rechteckiges Fenster;

Gartenfront: Kellereingang (längs vor dem südwestlichen Gebäudebereich gelegen); Erdgeschoß: erneuerte Terrassentür, Fenster; Obergeschoß: Balkon (fast über die gesamte Gebäudebreite) mit mittiger Vorwölbung, Metallbrüstung; zwei Balkontüren, zwei Fenster; eine Gaube; Dachluken;

Im Inneren original erhalten: Grundriß weitgehend erhalten; teilweise Holzboden; Holzwohnungstüren mit Glasfüllung; Treppenhaus: Holzstufen (später verkleidet), Holzhandlauf, Geländer mit viereckigen Hölzern; Wohnungen: hölzerne Türrahmen, teilweise Holztüren; Erdgeschoßwohnung: Wohnzimmer: Verbindungsschiebetür, Leisten und Hohlkehle als Deckenübergang; Keller: Betonboden, teilweise Backsteinwände, Betondecke, Stahltür zur Garage, Luftschutztür;

Der Garten (Rasen), der Vorgarten mit Treppe (Werksteinstufen) vom Straßen- zum Erdgeschoßniveau, der Bruchsteinweg zum Eingang sowie die Einfriedung sind Bestandteil des Denkmals.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. In den 1870er Jahren wurde auf Initiative von Ernst Leybold in Marienburg mit der Villenbebauung begonnen. Dank der unterschiedlichsten hier wirkenden Kräfte ist Marienburg nicht nur eine "englische Gartenstadt", sondern vielmehr auch so etwas wie ein "lebendiges Architekturmuseum", in dem auserlesene Beispiele die verschiedensten Strömungen einer über 100jährigen Architekturgeschichte erläutern.

Das Haus Oberländer Ufer 170 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Am selben Ort stand bis zum Jahre 1927 die zur Maschinenfabrik und Kesselschmiede "Kyll & Nienhaus" gehörige, 1872/73 errichtete Villa Kyll. Nach dem Abriß der Fabrik im Jahre 1910 wurde das Gelände neu parzelliert. Es umfaßte die heutigen Grundstücke Oberländer Ufer 166 - 172 sowie Parkstraße 1 - 5 und 2 - 10. Die Villa stand auf dem Gelände Oberländer Ufer 168 und wurde 1910 zum Cafe umgebaut. Die rheinseitige Einfriedungsmauer ist noch zum Teil erhalten.

Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs sind die Nachfolgebauten der Villa Kyll u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil sie den Weg vom Historismus zur Moderne, d. h. zum sachlicheren, funktional gestalteten "Neuen Bauen" der 20er und 30er Jahre dokumentieren. Die gleichzeitige Unterordnung unter das Gesamtbild des Villenvorortes (vgl. die Dachformen) ist typisch für Marienburg und gab dem Stadtteil seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Oberländer Ufer 170 - 172 ist in seiner Gesamtkonzeption und der Detailausführung von künstlerischer Qualität und Bedeutung. Unter weitgehendem Verzicht auf dekorative Elemente hat Josef Dräger hier ein Bauwerk geschaffen, das in seiner Betonung der Horizontale sowie dem teilweisen Auslaufen der Linien in Kreissegmentformen als spätes Beispiel für das Fortleben der eleganten Architektur des "Neuen Bauen" in der Zeit des Dritten Reichs gelten darf. Dies ist um so bemerkenswerter, als der Architekt Josef Dräger erst in den späten 20er Jahren und dann nur vereinzelt "modernes" Formengut einbrachte. Die zahlreichen Villen der 10er bis 30er Jahre - die Häuser Oberländer Ufer 166 - 172 sind sein letztes großes Neubauprojekt -, die der bereits 1874 geborene Dräger verwirklichen konnte, zeichnen sich vor allem durch den Einsatz klassizistischer und barocker Formen aus. Die Verwendung traditioneller Stilformen wie Bruchsteinsokkel und Walmdach am Oberländer Ufer läßt sich also gut mit den eigenen Vorlieben und konservativen lokalen Traditionen erklären. Andererseits darf die konservative Überprägung der Architektur als für die historische Situation der Entstehungszeit oppertun gelten, ohne deshalb anbiedernd zu wirken. Aus o. g. Gründen ist das Gebäude Oberländer Ufer 170 ein unbedingt zu erhaltenes Baudenkmal.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0