Technisches Denkmal
Mönchsgasse 25 · Weidenpesch
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4051 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Technisches Denkmal |
| Adresse | Mönchsgasse 25, 50737 Köln |
| Baujahr | 1921 bis 1923 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.01.1989 |
| Stadtteil | Weidenpesch |
Die 1921 - 23 nach Plänen des Kölner Architekten Wilhelm Riphahn erbaute Straßenbahnwerkstätte besteht aus Werkhalle, Lagergebäude, Verwaltungshaus und Lagerhalle. Architektur- und kunstgeschichtlich wichtig ist die Werkstätte durch die damals absolut moderne Architekturauffassung für eine funktionsorientierte, fabrikähnliche Bauanlage. Im Gegensatz zu vergleichbaren Nutzbauten der Vorkriegszeit fehlen alle Zitate der klassischen Architektur. Kompromißlos wird die Funktion zum Ausgangspunkt der Gliederung und Staffelung der Baukörper gemacht; nicht eine nur nach außen orientierte verfremdende Ästhetik oder rein repräsentative, überhöhende Symbolik wie in der Gründerzeit. Wichtiges Leitmotiv sind die Erfordernisse des Hauptzwecks, die effektive Zuordnung von Lager, Werkstätte und Verwaltung, die logische, optimale Organisation von Arbeitsabläufen. Es sind die konsequent umgesetzten Lehren des Werkbundes, nur sechs Jahre nach der Kölner Werkbundausstellung (1914), wo die Ideen des Funktionalismus zuerst formuliert und realisiert wurden (Gropius u. a. ).
Trotz aller Funktionalität wird aber - in der harmonischen und proportionierten Gruppierung und (um den Vorplatz) nahezu symmetrischen Anordnung der Bauten - auf künstlerisch anspruchsvolle Gestaltung Wert gelegt. Die Ästhetik, die Riphahn hier entwickelt, beruht auf neuem Einsatz fundamentaler architektonischer Elemente: Konstarstierung unterschiedlicher Wandtypen wie Backsteinmauerwerk und Stahlbetonskelett mit Großfenstern (Verwaltungsgebäude und Zwischentrakt, heute weitgehend verputzt); rhythmische Fensterkomposition zur Gliederung großer Backsteinmauerflächen (unterschiedliche Fenstergruppen am viergeschossigen Lagergebäude und Treppenturm). Wichtige gestaltliche Qualität vermitteln auch (durch Stahl und Stahlbeton möglich) Großöffnungen (Lagerhaus, Einfahrttrakt, Lagerhalle), die Zusammenstellung der stark kubisch angelegten Baukörper, die sehr flachen Walmdächer und die verglasten Paralleldachkonstruktionen der Hallendächer. Kompositorisch von überaus großer Bedeutung ist der im Zentrum stehende, wehrhaft-wuchtig wirkende TreppenTurm an der Ecke des breitgelagerten, massiven Lagerhauses mit überdachter Laderampe. Trotz aller Zweckhaftigkeit der baulichen Organisation gewinnt die Gesamtanlage dadurch nahezu die Qualität einer historisch gewachsenen, zentrierten Gebäudegruppe mit starkem inneren Beziehungs- und Gestaltungsgefüge.
Im Hinblick auf die Geschichte des Menschen und der Stadt Köln macht die Straßenbahnwerkstätte des Jahres 1921 wichtige, grundlegende Aussagen: Mit dem raschen Wachstum der Stadt, dem Zuzug vieler Menschen in das entstehende moderne Ballungszentrum, mit dem Ausgreifen der Stadt in das Umland (Eingemeindungen, Stadtrandsiedlungen u. a.) wird ein effektives öffentliches Verkehrssystem unumgänglich. Es ist ein zentraler Faktor der Stadtentwicklung im modernen Sinne: Es ermöglicht die räumliche Ausdehnung und Erweiterungsfähigkeit der Stadt durch Bündelung, auch Verkürzung der Transportwege und Einschränkung des Individualverkehrs. Es ist Voraussetzung für die zunehmende räumliche Differenzierung von Wohngebieten und Produktionsstätten - also letzlich für die heutige Stadtgestalt. Für Bedeutung und Entwicklungsstand dieses Verkehrssystems in diesem Sinne ist daher auch die umfängliche Werkstätte gewichtiges Dokument. Daß der Bauherr - die Stadt Köln sie von einem schon relativ renommierten Architekten erbauen läßt, zeugt von der Bedeutung, die auch die Stadt selbst dem Verkehrssystem und seiner Funktionstüchtigkeit beimißt.
Städtebaulich aufschlußreich ist der damals auf freiem Felde außerhalb des eng besiedelten Stadtraumes angelegte Komplex wegen seiner nicht auf Nachbarbauten oder Fluchtlinien orientierten gestalterischen Eigengesetzlichkeit. Zudem wird das neuartige städtebauliche Konzept der Verlagerung größerer Werkstätten und Fabriken an den Stadtrand verdeutlicht, ein Konzept, das erst durch die (hier an einem Baudenkmal faßbare) schnelle Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs überhaupt in großem Umfange denkbar geworden ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0