Wohnhaus

Sachsenring 30 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4105
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Sachsenring 30, 50677 Köln
Baujahr1886 bis 1887
Architekt / PlanungAdolf Nöcker
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 08.04.1987
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude Sachsenring 30 wurde 1886/87 mit zwei Geschossen und mit Sockel- und Giebelgeschoß als mittlerer Teil einer ehemals dreiteiligen Villengruppe erbaut. Das dreiachsige Gebäude ist an seiner Straßenseite mit einer Backsteinfassade samt Stuck- und Werksteingliederungen, mit Erker, Balkon, Freitreppe und Vorgarten ausgestattet. Das Haus wurde nach den Plänen des in Köln lebenden und tätigen Architekten Adolf Nöcker errichtet, was sein Name auf dem Gesims zwischen Erdgeschoß und erstem Obergeschoß und die Anfangsbuchstaben seines Namens neben den Fenstern des Dachgeschosses belegen. Diesen mittleren Teil der Villenanlage baute er zu eigenem Bedarf und richtete sowohl Wohn- als auch Büroräume ein. Vom Architekten und Eigentümer wurde das Haus 1899 an die Eheleute Siegen verkauft, deren Enkelin, Frau Helga Muths noch heute Eigentümerin ist. Der baukünstlerisch bedeutende Bau gibt trotz der Zerstörung der seitlichen Teile der Villengruppe einen hinreichenden Eindruck von der Pracht der gesamten Anlage wieder. Die Freitreppe, die Postamente und Säulen des Einganges, die mit Zahnschnitt versehenen Werksteineinfassungen der Fenster des Erdgeschosses, die Brüstungsfelder der Fenster des ersten Obergeschosses, die Pilaster als Rahmungen dieser Fenster, die Fensterüberdachungen, die Loggia über dem Erker, Balustradenabschnitte zwischen den Fenstern des Dachgeschosses (Fenstergiebel) mit Krabben und vasenartigen Bekrönungen, Voluten neben diesen Fenstern und die aus verschlungenen Motiven bestehende Steinbalustrade der Loggia bilden den Schmuck des Gebäudes. Hinzu kommen die vielfaltigen, meist im Stil der Renaissance gehaltenen Ornamente, welche weite Bereiche der Fassade bedecken. Die Fassade, die als konstruktiver Bestandteil des Gebäudes Geschoßgliederung, Geschoßhöhe und Hausproportion wiedergibt, weist trotz des reichen Schmucks eine übersichtliche Gliederung auf. Die dreiachsige senkrechte Gliederung wird durch eine Mittelachse betont, die aus dem von Säulen umstandenen Eingang, dem Erker und der unter dem Spruch "Gott schütze dieses Haus" befindlichen Loggia besteht. Einen Ausgleich erfährt diese Gliederungsweise durch die Stockwerkgesimse in der Waagerechten. Die Rückseite des Gebäudes besteht aus Backstein. Die Fenster sind hier, im Gegensatz zu denen der Vorderseite im Erdgeschoß und ersten Obergeschoß, nicht vom ursprünglichen Bestand. Die Eingangstüre, die Hinterhoftüre, die Türe zum ehemaligen Architektenbüro, die dortige Wandvertäfelung in Holz und zwei Köpfe als Träger eines Sturzes, mehrfarbige Bodenfliesen, Wand- und Deckenstücke im Bereich des Eingangsflurs, die Holztreppe samt Antrittspfosten, Geländer und Handlauf sind original und deuten die ehemalige reiche Ausstattung an. Dem erhaltenen Reichtum im Inneren entsprechen im Äußeren der Reichtum der Fassade und der verhältnismäßig großzügige Vorgarten mit noch originaler Einfriedung und Freitreppe.

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Architekten Karl Henrici und des Kölner Stadtbaumeisters Josef Stübben durchgeführt. Dabei wurden die Ringstraßen als erste und in einem Zuge erstellt. Sie bildeten eine Wohnstraße allerersten Ranges, die den Bewohnern und Bewohnerinnen aus höheren Einkommensschichten vorbehalten war. Als Randbebauung des breit angelegten alleeartigen Sachsenringes waren Villen vorgesehen. Das betreffende Gebäude ist ein Zeugnis für die Erstbebauung des Sachsenringes, es besitzt somit ortsgesschichtliche Bedeutung.

Von dem betreffenden Gebäude und Vorgarten aus läßt sich die dazu quer verlaufende Grünanlage des Sachsenringes überblikken. Ein wenig nordwestlich des Gebäudes steht noch ein Turm mit Resten der mittelalterlichen Stadtmauer: die Ulrepforte. In Verbindung mit der Grünanlage des Sachsenringes und mit der Ulrepforte ist das Gebäude Sachenring 30 auch in städtebaulicher Hinsicht von Bedeutung.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0