Kartäuserkirche u. ehem. Klostergebäude (Klaustralgebäude)

Kartäusergasse 7 · Altstadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_0917
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungKartäuserkirche u. ehem. Klostergebäude (Klaustralgebäude)
Adresse Kartäusergasse 7, 50678 Köln
Baujahr2. Hälfte 14. Jahrhundert
Eigentumkirchliches Eigentum
Eingetragen seit 18.01.1982
Stadtteil Altstadt/Süd

Kartäuserkirche: 2. Hälfte 14. Jahrhundert erbaut unter Leitung eines Meisters Konrad, 1393 geweiht (Nachkriegswiederaufbau 1949 - 53); langgestreckter, 7achsiger Saalbau aus Tuff und Werkstein mit seitlichen Strebepfeilern und auf der Ostseite über 5/8-Schluß des Chores abgewalmtem Satteldach mit Dachreiter; durch Kaffgesims abgeschlossene Sockelzone, zweibahnige spitzbogige Maßwerkfenster; Westfassade mit barockem Portal mit Werksteinrahmung und bekrönender Figurennische, darüber spitzbogiges vierbahniges Maßwerkfenster (ursprüngliches von 1480), Giebel mit bekrönender Kreuzblume; Treppenturm an der Südwestecke; im Inneren einschiffig, 7 kreuzrippengewölbte Joche, rundbogige Wandnischen und seitliche Marmorportale der barocken Ausstattung.

Auf der Nordseite westlich fluchtende langgestreckte Saalanbauten:

Westlich vierachsige Engel- und Marienkapelle mit Satteldach, 1425 und 1426/27 erbaut (Wiederaufbau 1946/47), Werkstein und Backstein, seitliche Strebepfeiler, dreibahnige Spitzbogenfenster, Eingang auf der Nordseite im westlichen Joch; im Inneren einschiffig, 4 kreuzrippengewölbte Joche, Skulpturenzyklus des sog. Meisters des Saarwerden-Grabmals im Kölner Dom (2 Schlußsteine und 12 Konsolfiguren).

Im östlichen Anschluß etwas niedrigere dreiachsige Trau- und Taufkapelle (Neue Sakristei) mit über dreiseitigem Chorschluß abgewalmtem Satteldach, 1510/11 erbaut (Wiederaufbau 1946/47), Werkstein und Tuff (anteilig Backstein), Strebepfeiler, dreibahnige Spitzbogenfenster; im Inneren einschiffig (heute im offenen Anschluß an die Engel- und Marienkapelle), 3 Joche mit Stern- bzw. Netzgewölbe.

Auf der Südostseite Anbau des ehemaligen Kapitelhauses: 1453 - 55 erbaut (Wiederaufbau 1982 - 84), 2 Geschosse mit Walmdach, 3:2 Achsen, Backsteinfassaden mit Anteilen älteren Mauerwerks (im Sockel) aus Basalt und Backstein, Strebepfeiler, polygonaler Treppenturm auf der Nordseite, spitzbogige zweibahnige Maßwerkfenster auf der Ost- und Südseite, auf der Westseite Spitzbogenblenden.

In westlichem Anschluß ehemaliger östlicher Kreuzgangflügel des sog. Kleinen Galiläa: 2. Hälfte 15. Jahrhundert erbaut (Wiederaufbau 1955), 1 Geschoß mit Pultdach, Backstein mit Werksteingliederungen, 4 Achsen, Strebepfeiler, Spitzbogenöffnungen.

Südlich daran im rechten Winkel nach Westen anschließend ehemaliger südlicher Kreuzgangflügel des sog. Kleinen Galiläa und parallel verlaufend westlicher Teil des ehemaligen nördlichen Kreuzgangflügels des sog. Großen Galiläa: Ende 15. Jahrhundert erbaut (Wiederaufbau als Gemeindesaal 1954/55), 1 Geschoß mit Walmdach, Backstein mit Werksteingliederungen, 7 Achsen, Strebepfeiler, Spitzbogenöffnungen; im Inneren heute räumlich verbunden.

Backsteinmauer mit spitzbogiger mittlerer Toröffnung als Verbindung zwischen Kirche und südlichem Kreuzgangflügel (Ersatz für den ehemaligen westlichen Kreuzgangflügel des Kleinen Galiläa).

Im westlichen Anschluß an den südlichen Kreuzgangflügel ehemaliges Priorat: 15. Jahrhundert erbaut, im 17. Jahrhundert umgebaut (Wiederaufbau als Pfarrhaus 1949/50), 2 Geschosse mit 2 parallelen nordsüdlich verlaufenden Satteldächern (auf der Südseite untereinander verbunden und abgewalmt), auf der Nordseite 2 Giebel, Backsteinfassaden mit Werksteingliederungen, rechteckige Fensteröffnungen mit Klappläden, Hauseingang auf der Nordseite, südwestlich eingeschossiger Anbau.

Westlich anschließende Backsteinmauer mit rundbogiger Toröffnung; südlich davon in südöstliche Richtung verlaufendes Stück einer Backsteinmauer (Rest einer im 19. Jahrhundert nachweisbaren Einfriedung) (Grenze zu Flurstück 0134/000). Südöstlich des Kreuzgangbereichs gelegenes Küsterhaus: 1950/51 erbaut, 1 Geschoß mit Satteldach, Backsteinfassaden mit Werksteingliederungen, auf der nördlichen Giebelseite Hauseingang mit Außentreppe, rechteckige Fensteröffnungen mit Klappläden.

Ursprüngliche Umfassungsmauern des ehemaligen Klosters (teilweise Wiederaufbau 1948) entlang der Kartäusergasse im Anschluß an Haus Nr. 5, Backstein und Basalt mit Anteilen aus Tuff, am nordwestlichen Ende polygonal zurückspringend mit 3 werksteingerahmten Toröffnungen (mittlere Öffnung spitzbogig, seitliche jeweils rechteckig).

Die folgenden Bauteile sind nicht Bestandteil des Denkmals: Der Kindergarten in baulichem Anschluß an das Küsterhaus, das freistehende Kindergartengebäude, die freistehende Garage und die südliche Backsteinmauer an der Grenze zu Flurstück 0114/000.

Die Gründung des Kartäuserordens geht auf den Hl. Bruno zurück, der 1084 in Chartreuse (Cartusia) die erste - namengebende - Kartause eingerichtet hatte. Im Jahre 1334 wurde die Kölner Kartause von Erzbischof Walram von Jülich (1332 - 49) gestiftet, der den Orden in Frankreich kennengelernt hatte. Aus Mainz, wo seit 1330 bereits ein Kartäuserkloster bestand, kamen die ersten Mönche. Der Baugrund für das Kölner Kloster lag in der damals noch sehr einsam gelegenen Gegend unmittelbar an der mittelalterlichen Stadtmauer. 1338 konnte das neue Kloster, in dem ein erstes, der Hl. Barbara geweihtes Oratorium gebaut worden war, dem Orden inkorporiert werden. Mit Unterstützung des Kölner Patriziats entstand in der Folgezeit allmählich eine Anlage, die im ausgehenden 14. und 15. Jahrhundert ihre Glanzzeit erlebte und bis ins 18. Jahrhundert baulich erweitert wurde. Im Jahre 1794 wurde die Kartause durch französische Truppen besetzt, die Mönche zur Räumung der Gebäude veranlaßt und in diesen ein Militärlazarett eingerichtet. Unter preußischer Militärverwaltung seit 1816 wurde das gesamte Klosteranwesen weiter als Garnisonslazarett genutzt, die Kirche als Depot und Wagenremise. Alle für diese Zwecke nicht notwendigen Bauten wurden beseitigt, v. a. Wirtschafts- und Konventgebäude. So folgte auf den bereits 1808 bis auf den Südflügel abgebrochenen Kleinen Kreuzgang in den Jahren nach 1827 der Abbruch des Großen Kreuzgangs bis auf Teile des westlichen Nordflügels. Nach der Entmilitarisierung der Rheinlande 1919 wurden die überlieferten Bauteile des mittelalterlichen Klosterbezirks an die evangelische Kirchengemeinde Alt-Köln überwiesen und wiederhergestellt. Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wurde als Finanzamt eingerichtet. Nach schweren Beschädigungen der ganzen Anlage im Zweiten Weltkrieg wurde der bis dahin noch vorhandene Komplex in seinen historischen Formen weitgehend wiederaufgebaut. Den barocken Gebäudebereich nutzt seitdem der Evangelische Stadtkirchenverband als Verwaltungsgebäude.

Die heute noch bestehenden bzw. wiederaufgebauten Gebäude der ehemaligen Kölner Kartause umfassen die wichtigsten funktionellen Teile des Klosterbezirks und veranschaulichen in ihrer Anordnung die ursprüngliche Situation und das bauliche Schema der Kartäuserklöster, das zugleich die innere Gliederung des Ordenslebens spiegelt. Grundsätzlich waren Kartäuserklöster nur mit einer geringen Zahl von Mönchen (Patres) besetzt - Idealzahl war 1 Prior und 12 Mönche in der Nachfolge Christi und der Apostel -, die sich vorrangig der Kontemplation widmeten, zurückgezogen in einzelnen, um einen Kreuzgang angeordneten Zellen lebten und sich auf diesen engeren Klausurbereich beschränkten. Die Bewirtschaftung des Klosters übernahmen die Laienbrüder (Fratres oder Conversen), die gemeinsam in einem Klostergebäude lebten. Die Kölner Kartause umfaßte im zentralen Bereich um den Kleinen Kreuzgang die von den Mönchen gemeinschaftlich genutzten Räume: im Norden die Kirche, im Osten das Kapitelhaus mit Bibliothek und Kapitelsaal, im Westen das Refektorium (baulich nicht überliefert). An einem sich im Süden anschließenden großen Kreuzgang lagen die Zellen der Mönche, die als Reihung separater kleiner Häuschen mit Gärten angelegt waren. Die Bauform brachte die eremitische Lebensweise der Mönche innerhalb der klösterlichen Gemeinschaft, die für den Kartäuserorden charakteristisch ist, zum Ausdruck. Am westlichen Rand, als Bindeglied zum Bereich der Laienbrüder, lag das Haus des Priors, der als einziger der Patres den Klosterbezirk verlassen durfte. Das Gebäude der Konversen und die Wirtschaftsbauten für die Versorgung des Klosters schlossen sich weiter westlich an.

Mit der Kartause war ein völlig neuer abendländischer Klostertyp entstanden. Die Verbreitung des Ordens in Europa vollzog sich relativ langsam, bedingt auch durch die extrem eingeschränkte Lebensform der Mönche. Durch die vorgeschriebene absolute Konzentration auf den Immunitätsbezirk war im Vergleich zu anderen Orden ein von der Öffentlichkeit abgeschiedenes Leben und damit die Anlage des Kartäuserklosters auch innerhalb des umwehrten engeren Stadtgebiets von Köln möglich. Dieser Klosterbereich umfaßte zum Zeitpunkt seiner größten historischen Ausdehnung die gesamte Fläche, die vom Straßengeviert Kartäusergasse, Brunostraße, Kartäuserwall und Ulrichgasse begrenzt wurde. Durch den Straßenzug "Kartäuserhof", der im 19. Jahrhundert parallel zur Brunostraße neu angelegt wurde und den zum Kloster gehörigen namengebenden Kartäuserhof durchtrennte, wurde der Klosterbezirk auf ein Gebiet beschränkt, wie es bereits vor der Einbeziehung des Kartäuserhofes um 1600 bestanden hatte. Von den ursprünglichen Umfassungsmauern des Klosters, die an den vier Ecken jeweils mit Andachtsnischen geschmückt waren und die historische Ausdehnung des Klosters dokumentieren, sind diejenigen entlang der Ulrich- und der Kartäusergasse erhalten. Die Ecksituation wird durch die qualitätvolle Bildnische mit der Skulptur der Pietà in barocker architektonischer Rahmung geprägt, die zu den wenigen bedeutenden Sakralplastiken Kölns gehört, die sich im Straßenraum erhalten haben. Die ursprüngliche Grenze zum Kartäuserhof bezeichnet die östliche Mauer, die rückwärtig der heutigen Gebäude an der gleichnamigen Straße verläuft. Sie ist mit ihrem charakteristischen Knick auf historischen Plänen seit der Stadtansicht Mercators von 1571 nachzuweisen, die auch die äußeren Immunitätsmauern wiedergibt. Zeugnisse der historischen Entwicklung des Klosters und seiner Reduzierung im 19. Jahrhundert sind auch die heute als Südgrenze des Geländes in Ost-West-Richtung verlaufenden bzw. im spitzen Winkel nach Südosten abzweigenden Mauern, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (im östlichen Teil) bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts (im westlichen Teil) nachzuweisen sind und als Restbestand oder Wiederaufbau erhalten sind.

Die Kölner Kartause besaß innerhalb des ganzen Ordens und darüberhinaus großes Ansehen, begründet in der der Mystik und der Scholastik verpflichteten Lebensweise der Mönche. Das ehemalige Kartäuserkloster gehört zu den bedeutendsten Gebäudegruppen des Mittelalters und der Barockzeit in Köln. Die 1393 geweihte Klosterkirche entspricht in ihrem Anspruch auf Einfachheit in der Bauweise mit Beschränkung auf Einschiffigkeit und einen Dachreiter der schlichten Ordensgewohnheit. Auf der Nordseite wurden im 15. und 16. Jahrhundert drei ehemals voneinander getrennte, heute räumlich miteinander verbundene einschiffige Anbauten errichtet: 1425 wurde im Westen die ursprünglich zweijochige, als Grab- lege des Stifters Jakob von Bernsau gedachte Engelkapelle geweiht, östlich anschließend die ursprünglich zweijochige Marienkapelle für die Laienbrüder gestiftet und 1427 von Erzbischof Dietrich von Moers geweiht. Im weiteren östlichen Anschluß liegt die 1511 geweihte Neue Sakristei, die eine ältere des späten 14. Jahrhunderts ersetzte und sich besonders durch ihr reiches netzartiges und für die Rheinlande ungewöhnlich kompliziertes Rippengewölbe auszeichnet, das die Kriegszerstörungen weitgehend unbeschadet überstand. In der Engel- und Marienkapelle sind als besonders hervorragende Beispiele spätgotischer Skulptur des "Weichen Stils" in Köln die Konsolfiguren des Gewölbes hervorzuheben, die dem sog. "Meister des Saarwerden-Grabmals" im Kölner Dom zugeschrieben werden. Kirche und Anbau bilden ein homogen wirkendes Baugefüge, das den Kern der gotischen Klosteranlage ausmachte und trotz der zwischenzeitlichen Umnutzungen und Kriegszerstörungen wesentliche Substanz bewahrt hat und das ursprüngliche Erscheinungsbild repräsentiert. Die wiederaufgebauten Teile des ursprünglichen Ensembles - Kapitelhaus, Kreuzgangflügel, Priorat - kennzeichnen die für die mittelalterliche Kartause typische geschlossene bauliche Anlage. Als Vorgänger des spätgotischen Großen Kreuzgangs vom Ende des 15. Jahrhunderts kann für das Jahr 1340 ein erster hölzerner Kreuzgang bereits mit steinernen Zellen erschlossen werden. Nach seinem fast vollständigen Abbruch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war vom ehemaligen Großen Galiläa nur der westliche Teil des Nordflügels erhalten geblieben. Als Wiederaufbau erinnert dieser Teil heute an die ursprünglich weiträumige Anlage des Klausurbereichs. Das 1950/51 in historisierenden Formen neu gebaute Küsterhaus nimmt in seiner Bauflucht auf den ehemaligen Kreuzgang Rücksicht. Die westlich angrenzende Rasenfläche, die die Ausmaße eines Viertels des Großen Galiläa besitzt, weist ebenfalls auf dessen ehemalige Existenz hin.

Von der Bedeutung der Kartause noch im 18. Jahrhundert zeugt die große spätbarocke Dreiflügelanlage, die als Wohngebäude für die Laienbrüder und Wirtschaftshof neu errichtet wurde. Das Bildprogramm des prächtigen spätbarocken Torbaus an der Kartäusergasse mit den Figuren des Hl. Bruno und der Hl. Barbara weist auf das Ordenspatronat und die Patronin der Kölner Kartause hin. Der zweigeschossige Komplex des Konversengebäudes mit schlichten Putzfassaden integriert auf der Südostseite ältere Bestandteile eines zweigeschossigen spätmittelalterlichen Gebäudes, in dessen Erdgeschoß vermutlich die Küche des Klosters untergebracht war. Der fälschlich als "Refektorium der Patres" bezeichnete Bau hatte über eine Verlängerung des ehemaligen Nordflügels des Kleinen Galiläa offenbar Verbindung zum eigentlichen Herrenrefektorium, das sich westlich an den Westflügel dieses Kreuzgangs anschloß, an den heute nur noch die Verbindungsmauer zwischen Kirche und südlichem Kreuzgangflügel erinnert.

Die unter verschiedensten Gesichtspunkten für Köln bedeutende Anlage dokumentiert gleichermaßen das ursprüngliche mittelalterliche Erscheinungsbild wie die historische Entwicklung des Kartäuserklosters und ist daher in allen Teilen unverzichtbar und als Denkmal zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0