Wohnhaus
Alte Forststraße 2 · Rath/Heumar
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4118 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Alte Forststraße 2, 51107 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 23.04.1987 |
| Stadtteil | Rath/Heumar |
Im Hause hat sich eine Büste des Bildhauers Möst erhalten, dessen Arbeiten vor allem noch heute auf Melaten anzutreffen sind (s. Josef Steimel, Kölner Köpfe). Zwei Statuen, in der naturalistisch-klassischen Tradition von Malliol und Meunier, waren im Atelierhaus eingebaut und sind vom jetzigen Besitzer freigelegt und restauriert worden.
Das Atelierhaus ist mit dem Hauptbau durch einen Arkadengang verbunden, dessen eine Säule ebenfalls von Josef Möst bildhauerisch gestaltet wurde. Typisch für ihn sind auch die mit facettenartigen Ausnehmungen ornamentierten Konsolen, die sich an mehreren Stellen finden und ihr Gegenstück in halbrunden Nischengruppen haben, die wohl auch einmal Plastiken bargen. Einige davon sollen sich noch im Besitz von Prof. Wimmer befinden, der das Gebäude bis 1987 bewohnte. Der Arkadengang wurde etwa in der Mitte durch eine Reiterplastik akzentuiert, ebenfalls Eigentum des Vorbesitzers.
Die Arkaden enden am Atelierhaus, ein scheunenartiger Bau mit biberschwanzgedecktem Satteldach dessen Giebelseiten turmartige Aufbauten zur Straße hin haben und mit Fachwerk verkleidet sind. Nach Norden ist zwischen den Seitentürmen das Dach verglast, nach Süden ist ein schoßwalmüberdachter Torbau als Werkstor in die Fassade gesetzt. Rechts und links vom Gipsraum, der halbkreisförmig überwölbt ist, befinden sich noch heute kleine Geräteräume.
Fenster und Haustüre des Hauptbaues sind original erhalten. Die durchgestaltete Haustüre ist wohl als Gemeinschaftswerk des Architekten und des Bildhauers Möst anzusehen. Die hinter dem kleinen Windfang liegende Diele besitzt noch die originale Balkendecke; auch der Kamin ist, zumindest der Form nach, weitgehend erhalten geblieben. Die originale Eichentreppe mit relativ schlichtem Geländer führt in das obere Schlafgeschoß mit originalen Füllungstüren. Im Erdgeschoß schließen sich an die Diele ein Speisezimmer und die Küche an, deren Decke mit großer Einfühlung in die zeitgenössische Ornamentik neugestaltet wurde. Der Boden des Speisezimmers ist später eingebracht worden. Die Buntverglasung der Speiseraumtür ist ebenfalls neu. Gemäß den alten Fotos des Innenraumes sind nur die Takenplatten eines Ofens verloren gegangen.
Leider ist der großzügige Park, der ehemals die Gebäude umgeben hat, teils durch die Bahntrasse, teils durch Parzellierung und Bebauung im Westen nicht mehr vollständig erhalten. Dennoch dokumentiert die verbliebene noch weitläufige Fläche mit altem Baumbestand die ursprüngliche Atmosphäre des teils weiträumigen teils dicht bewachsenen Geländes, der das Pittoreske des gesamten Anwesens vollständig unterstreicht. Einige Grundlinien bleiben im wesentlichen erhalten. Der jetzige Besitzer will auch den Teich wieder herstellen.
Das Haus Forststr. 2 ist bedeutend für die Geschichte des Stadtteils Rath und der Stadt Köln, da es sich um ein Werk des Kölner Baumeisters Franz Brantzky handelt. Das Gebäude ist im engen Zusammenhang mit dem Schloß Röttgen in Heumar zu sehen, an dessen Grenze es steht, und mit dem von der Familie Mülhens erbauten Gut Maarhausen.
Rath/Heumar ist ein Doppelort der 1975 nach Köln eingemeindet wurde. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Dorf um die Burg Rath und die großen Höfe außerordentlich weiträumig entlang der Rösrather Straße, der Forststraße und der Eilerstraße, es blieben jedoch größere Waldgebiete um das Schloß Röttgen und auf der Hochterrasse im ehemaligen Königsforst erhalten. Hier finden sich auch noch vorchristliche Hügelgräber. Die Besiedlung des Ortes wird noch heute stark von dem Waldreichtum der Hochterrasse geprägt.
Die 1907 für den Bildhauer Josef Möst erbaute Villa verkörpert wie nur wenige der in Köln noch erhaltenen Bauten, die Träume und ideale mitteleuropäischer Kultur, deren Ende mit dem Tode seines Erbauter, 1914, sich abzeichnete. Der Bau ist ein charakteristisches Werk des Kölner Architekten Franz Brantzky (1871 bis 1945), dessen malerische Baukompositionen bis in die 20er Jahre dieses Jahrhunderts - nicht zuletzt durch zahlreiche gewonnene Wettbewerbe - sich großer Beliebtheit und Anerkennung erfreuten. Allerdings geriet der Architekt in den 30er Jahren durch das Vordringen einer sachlichen, rationalen Architektur mehr und mehr in Vergessenheit, er starb schließlich verarmt 1945 in Dinkelsbühl. Lebensdaten und Sterbeort sind charakteristisch für das Schicksal des Architekten. Ein wesentlicher Teil seines Formen- und Stilrepertoirs stammt aus Süddeutschland, das er in den Jahren 1895 bis 97 bereiste. So verweist das überhöhte, mit Biberschwänzen eingedeckte Dach des Wohnhauses eher nach Süddeutschland, mittelalterlich muten auch die daraus sich ergebenden hohen Giebel und das Schopfwalmdach an, während andere Details - kleinteilige zu horizontalen Bändern verbundene Fenster - dem englischen oder niederländischen Bauen entlehnt erscheinen. Aus beiden Kulturbereichen stammt der Gebrauch des Fachwerks, das hier jedoch nur halbsteinstark als Verblendung dekorativ eingesetzt wird. Die rauhgefugte Backsteinfläche des Hauses wurde weiß geschlämmt. Die Einrahmung der Fenster mit Holzbalken ist ebenfalls in den Niederlanden häufig anzutreffen, hier jedoch mit einer Bleiverwahrung des Sturzbalkens.
Vom tiefergelegenen Garten hin, in dem früher der noch auf dem Gebiet des Schlosses Röttgen, allerdings wird heute dieser Blick durch die um 1920 angelegte Bahntrasse versperrt, die auch den im Walde gelgenen See vom Grundstück des Anwesens abgetrennt hat. Die Beziehung zwischen Schloß Röttgen und dem Hause Möst waren nicht zufällig, Peter Mülhens bezog Schloß Röttgen im Jahre 1909, also zwei Jahre nach Erbauung des o. g. Wohnhauses. Der nach dem Tode von Josef Möst (1914) im Hause wohnende Bildhauer soll einen großen Teil der Plastik an dem von den Architekten Paffendorf für die Familie Mülhens erbauten Gut Maarhausen ausgeführt haben. Peter Mülhens selber war bis 1919 Gemeinderatsmitglied in Rath, durch den politischen Umbruch kühlte sich jedoch das Verhältnis zur Gemeinde ab, so daß die Familie Mühlens stärker als Stifter auftrat. Auch der Architekt des Gutes Maarhausen, wo seit 1924 das berühmte Gestüt Röttgen untergebracht war, ist wohl mehr dem konservativen Baumeistern zuzurechnen.
Das Haus ist kaum als Beispiel des Jugendstils anzusehen, dessen Höhepunkt 1907 war und dessen internationale Bedeutung sich gegen 1910 abschwächte. Die daraus sich entwikkelnden Stilrichtungen - die ins Neoklassizistische sich steigernde Neue Sachlichtkeit einerseits und ein mitteleuropäischer Heimatstil andererseits, der in anderen europäischen Ländern jeweils landschaftsbezogene Ausprägung erhielt - wurden sichtbar in der Werkbundausstellung in Köln 1914, die einen letzten Höhepunkt mitteleuropäischen Bauens vor dem 1. Weltkrieg darstellte. Zeitgenossen haben Brantzky, der dem sog. Werdandibund nahestand, germanisierende Tendenzen unterstellt. Näher den Tatsachen kommt die Bemerkung, "daß er ein Traditionalist in der Tradition eines Schinkels und Klenze gewesen sei und nicht rational, sondern emotional gedacht habe" (Käthe Menne-Thomé: Franz Brantzky, Köln 1980). Die fast gegensätzlichen Leitmotive: "Das Subjektive ist das Allgmeine" und "Rückzug in das zeitlos Schöne" versinnbildlichen den großen Spannungsbogen, unter dem das Werk Franz Brantzky schon von seinen Zeitgenossen gesehen wurde. Das in der Nähe stehende Hotel Königsforst in ebenfalls im Kern von diesem Architekten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0