Wohn- u. Geschäftshaus

Spichernstraße 8 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4223
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Spichernstraße 8, 50672 Köln
Baujahrum 1901
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 21.07.1987
Stadtteil Neustadt/Nord

Das Wohn- und Geschäftshaus wurde um 1901 errichtet. Baugeschichtlich dokumentiert das 4-geschossige traufständige Wohnhaus mit abschließenden Gewerbeeinrichtungen in typischer Weise die Betonung der Gegend mit Objekten des reifen Historismus. Trotz der Betonung der Mittelachse durch die zusammengezogenen dreimaligen Fenster, die sich besonders am 2. OG durch Profilierung und Andeutung von kantigen Rippen zur Neogotik bekennen, ist die Fassade asymmetrisch gestaltet. Der Erker-Vorsprung der rechten Achse mit Wohneingang ist nur teilweise durch die linke Balkonachse mit riesiger Einfahrt zu Hofeinrichtungen ausgeglichen.

Die sonst zurückhaltende Beschmückung der Schauseite durch den eingschnittenen Werkstein mit zarter Fugenbänderung, sowie die nicht ausgefüllten Friesenreihen, Brüstungsfelder und andere Ansätze der historisierenden Baustilistik, deuten die aufkommende Moderne an. In dem Hoftrakt sind die ebenfalls 4-geschossigen Wohneinrichtungen erweitert zusätzlich durch das Attikageschoß, sowie die tektonisch anspruchsvoll zergliederte 2-geschossige Gewerbeanlage rein funktionell gestaltet. In dem rekonstruierten Treppenhaus sind Spuren der ursprünglichen Stuckrahmungen zu finden. Auch das Eisengittermuster des Einfahrtstors und andere noch erhaltene architektonische Details erinnern an die letzte Phase des Historismus und an die sich etablierende Jugenstilsprache.

Ortsgeschichtlich ist das o. g. Objekt bedeutend, weil es die Erstbebauung des westlichen Gebietes der ehemaligen Rayonsgebäuden und somit die Entstehungsgeschichte der Kölner Neustadt dokumentiert. Die Bebauung nach dem von J. Stübben und K. Henrici 1881 erstellten Erweiterungsplan erfolgte in mehren Phasen und ließ zwischen dem Mauritiuswall und den preußischen Befestigungen ein Netz von Straßen mit jeweils unterschiedlicher sozialer Bestimmung entstehen. Der Ausbau der Spichernstraße, mit Wohn- und Gewerbeanlagen für Bewohner mit mittleren bis gehobenen Wohnansprüchen, erfolgte einheitlich in der letzten Etappe des Ausbaus der Neustadt. Die einseitige Lage der Straße gegenüber dem Stadtpark und vor dem Bahnübergang verursacht, daß die sonst vorwiegende Wohnstraße von dem durchziehenden Nord-Süd-Verkehr bevorzugt wird.

Städtebaulich steht heute das kunstgeschichtlich noch zu deutende Wohnhaus vereinzelt da. Die Kriegsschäden waren gerade an der Straßenkreuzung zur Venloer Straße und dem Bahnübergang am stärksten. Die ursprünglich einheitlich, mit Anklänge an die deutsche Renaissance und Neogotik gestaltete Fassadenzeile findet sich ihre Weiterführung im Straßenensemble der Häuser Nr. 18 - 24, bzw. von Nr. 30 nach oben.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0