Wohn- u. Geschäftshaus
Burgunderstraße 28 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4243 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Burgunderstraße 28, 50677 Köln |
| Baujahr | um 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 03.08.1987 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1890 als viergeschossiges, zweiachsiges Wohn- und Geschäftshaus mit einer Stuckfassade errichtet. Die Fassade besteht aus zwei in sich selbständigen Teilen: Vom Erdgeschoß als Fassadensockel und der vertikal zu einer Einheit addierten Obergeschosse. Die Gliederungen beider Elemente sind jedes für sich unterschiedlich zur gemeinsamen, vertikalen Mittelachse spiegelbildlich geordnet. Der Sockel öffnet sich zur Straßenebene mit zwei seitlichen Hauseingängen und einem Triumpfbogenfenster in der Mitte, die Obergeschosse dagegen sind mittig durch einen breiten Fensterpfeiler geschlossen. Der Sockel gibt seiner tragenden Funktion mit einem glatten Erdsockel, einer gequaderten Rustika, Halbkreisbogen über den Hauseingängen, einem Korbbogen über dem Triumphbogenfenster, und einem abschließenden Sockelgesims Ausdruck. Die Obergeschosse grenzen sich gegenseitig mit durchlaufenden Fensterbankgesimsen ab. Ihre Horizontalität wird durch die balkenförmigen Überdachungen der Zwillingsfenster am ersten und zweiten Obergeschoß ergänzt. Die Fassadenhälften der Obergeschosse weisen symmetrische Unterteilungen auf, mit Achsen auf den Pfeilern der Zwillingsfenster im ersten und zweiten Obergeschoß. Ihr entsprechen die zentralen Schmuckaufbauten auf den Überdachungsbalken am ersten und zweiten Obergeschoß, das jeweils mittlere der beiden Zwillingsfenster am dritten, einem Attikageschoß und je eine Dachgaube. Die optische Überhöhung der Fassade wird durch Verringerung der Gliederungsdichte und durch Verkleinerung der Maße ihrer Elemente erreicht. Das dritte Obergeschoß nimmt mit den Dreierkombinationen schmaler Fenster und abschließenden Halbkreisbogen Bezug zum Erdgeschoß und zur Auflast der Trauf- und Dachzone. Der nach einmaligem, unverwechselbarem Konzept entwickelte Entwurf wurde mit Gestaltungsmitteln der Renaissance, dem Ausdrucksmittel seiner Zeit entsprechend ausgeführt.
Der Dekor des Flisenbodens im Hausflur besteht aus vielfarbiger Mosaikimitation in schwarz, weiß, hellblau und einer Reihe von Brauntönen. Das Dekorelement, bestehend aus einem quadratischen Muster, das seine kreisrunde Mitte mit zentraler Blüte umschließt, setzt sich aus vier quadratischen Fliesen mit gleichen Dekorvierteln zusammen. Den Bodenspiegel umgibt ein Band aus Blüten gleich denen der Dekorzentren des Bodenspiegels und eine dunkelbraune Randrahmung. Die Wände des Hausflures tragen einen Holzsockel, der sich aus profilierter Fußleiste, senkrecht stehenden Brettern mit profiliertem Stoß und einer abschließenden Gesimsleiste zusammensetzt. Der Wandsockel verläuft über die Wandvorlagen des Stützbogens hinweg weiter ins Treppenhaus. Der Stützbogen bildet einen Halbkreisbogen auf beidseitigen Mauervorlagen. Das Bodenfeld unter dem Bogen trägt eigenen Dekor in Dunklbraun und Weiß. Der Treppenhausboden trägt denselben Dekor wie der Hausflur. Die gerade, zwei- und gegenläufige, rechtwendende Holztreppe mit gerahmten Wangenflächen trägt ein Holzgeländer mit gedrechseltem Antrittspfosten. Vom ursprünglichen Ausbau der Wohnungen sind einzelene, gefelderte Türen und Türfutter erhalten.
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die 4. Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als 1. große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.
Im Bereich der eingeengten Bebauungsfläche zwischen dem Salier-, Sachsenring und Volksgartenstraße, Bahngelände übernimmt die Burgunder Straße die mittlere Längserschließung.
Vor der Stadterweiterung war die Burgunder Straße Teil des Glacisweges der preußischen Befestigungsanlage. Die Norwestflucht war durch die Bebauung der Sternkreuzung von Trierer-, Pfälzer- und Burgunder Straße (heute zur Luxemburger Straße hin offen), die Südostflucht durch die Baumallee und Richtungsänderung der weiterführenden Elsaßstraße jenseits der Eifelstraße geschlossen. Die überwiegende Neubebauung stellt den Querschnitt des ursprünglichen Straßenraumes durch Übernahme der ursprünglichen Traufhöhe her. Das Haus Nr. 28 ist Teil der Hausreihe Nr. 20, 22, 24 (ohne Stuck), 26 und 28 der nur mit wenigen Objekten erhaltenen Erstbebauung. Zur gegenüberliegenden Straßenseite besteht optischer Zusammenhang mit den ursprünglichen Fassaden der Häuser Nr. 33 (Stuck am Erdgeschoß teils erhalten) und 49.
Die vorliegende Beschreibung zeigt die Bedeutung des Gebäudes im Sinne des Denkmalschutzgesetzes auf, insbesondere aufgrund seiner städtebaulichen Einbindung, seiner künstlerischen und wissenschaftlichen Werte und hinsichltich der Geschichte des Kölner Bürgers in Bezug zu seiner Stadt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0