Wohnhaus
Berliner Straße 108 · Mülheim
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_4295 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Berliner Straße 108, 51063 Köln |
| Baujahr | um 1860 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 05.10.1987 |
| Stadtteil | Mülheim |
Das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus, nach dem Umbau des Erdgeschosses jedoch nur noch als Wohnhaus genutzte Gebäude, ist zweigeschossig und zeigt mit fünf Achsen die Breite ländlicher Anwesen um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Allerdings besitzt das traufständige, in geschlossener Zeile stehende Haus eine Stuckfassade, die Stilmerkmale eines frühen vereinfachten Historismus aufweist. Durch ein Scheinrisalit wurde die ehemalige Ladentür mit dem darüberliegenden Geschoßfenster hervorgehoben, im allgemeinen beschränkt sich der Stuck jedoch auf die Horizontalgesimse und die Rustizierung des EG's. Fenster und Haustüre wurden erneuert, auch im Innern wurden nicht unerhebliche Umbauten vorgenommen.
Zu den rückwärtigen ehemaligen Wirtschaftsgebäuden führt eine Tordurchfahrt, deren Steinplattierung erhalten geblieben ist. Teilweise sind auch noch die Bodenfliesen des alten Ladeneinganges sichtbar. Die Hofbebauung ist eingeschossig und verputzt, sie wurde fürher gewerblich genutzt.
Das Haus Berliner Str. 108 ist bedeutend für die Geschichte des Stadtteils Mülheim, der 1914 in die Stadt Köln eingemeindet wurde. Die ehemalige Kreishauptstadt eines nordöstlich Kölns gelegenen Landkreises wurde bereits 1098 urkundlich erwähnt und stieg unter den Bergischen Grafen bald zu einer sog. "Freiheit" auf. Die weitere Entwicklung, insbesondere die in den kriegerischen Zeiten notwendige Umwallung, wurde von der Freien Reichsstadt Köln gewaltsam verhindert. Mülheim gewann erst im 18. Jahrhundert aufgrund der freien Religionsausübung im Bergischen einige Bedeutung, als die Seidenfabrikation unter der Familie Andreae sich entwikkelte. Im 19. Jahrhundert siedelten sich, gefördert durch den Bau von Eisenbahnen und Straßen, bedeutende Industrieunternehmen auf dem Stadtgebiet an. Das kleinmaßstäbliche Straßengeviert erweitert sich schnell nach Osten an den Ausfallstraße ins Bergische, wo das gründerzeitliche Bürgertum Wohnbauten für die kräftig wachsende Bevölkerung errichtete. Die Berliner Straße ist als alter Feldweg nach Dünnwald schon früh besiedelt worden. Für die Erhaltung des Objektes sprechen kunsthistorische und städtebauliche Gründe.
Städtebaulich ist das Objekt bedeutend im Zusammenhang mit der ebenfalls frühen gründerzeitlichen Bebauung der Häuser 110 bis 114, deren Entstehnung mit dem Bau der Märkischen Eisenbahn um 1855 zusammenfällt. Das Haus ist als Dokument der ersten Bautätigkeit in der Nähe des Güterbahnhofes unter städtischem Einfluß bedeutend. Dieser Bahnhof war für die weitere Entwicklung Mülheims wichtig und führte zur Erschließung des nördlichen Vorortbereichs. Aus dem gleichen Grunde ist die ortsgeschichtliche Bedeutung gegeben, die sich auch in der niedrigeren Geschossigkeit gegenüber der späteren Bebauung der Berliner Straße ab Haus Nr. 116 ablesen läßt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0