Wohnhaus

Gutenbergstraße 74 · Ehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_4297
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Gutenbergstraße 74, 50823 Köln
Baujahr1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 07.10.1987
Stadtteil Ehrenfeld

Das Gebäude wurde 1890 errichtet. Baukünstlerisch bedeutend ist das 3-achsige, 2-geschossige, mit Giebelgeschoß versehene Traufenhaus als Beispiel einer Backsteinbauweise mit Stuckgliederungen aus dem reichen Formenapparat der Renaissance. Die Fassade wird vertikal gegliedert durch einen flachen Mittelrisalit mit Eingang und einem mit Skulpturen dekorierten Ädikulafenster, das das 1. OG als sogenannte Belétage ausweist.

Die Fensterformen sind im Erdgeschoß rundbogig und mit Löwenköpfen als Schlußstein dekoriert, im Giebel mit Klotzfries gerahmt ebenso wie die geraden Fenster der Außenachsen im 1. OG, die durch rundbogige, maskenverzierte Bekrönungsfelder die Form der Fenster des Erdgeschosses aufgreifen. Eine horizontale Gliederung der Fassade ergibt sich aus den unterschiedlich strukturierten Fassadenteilen (Rauhputz im Sockel, breit profilierter Fugenschnitt im Erdgeschoß, Backsteingesims, Traufgesims mit Klotzfries und Konsolen). Die Brüstungsfelder des Erdgeschosses sind durch vegetabilischen Dekor betont, die des 1. Obergeschosses durch Zierbalustraden mit diamantierten Abschlußsteinen.

Das schiefergedeckte Dach mit 2 originalen Dachgauben in geschnitzter Holzausführung, die teilweise noch erhaltene Fensterteilung, die Kellergitter sowie die historische Haustür vervollkommnen die ästhetische Einheit der Fassade, die als konstruktiver Teil des Hauskerns Proportion, Geschoßgliederung und -höhe des Gebäudes veranschaulicht. Die Rückfront des Hauses aus roten Feldbrandziegeln mit gelben Backsteingliederungen weist einen Erker mit Zickzackfries und Balkonabschluß, einen weiteren Balkon (zum Teil verändert) sowie verschiedene Gesimsformen auf. Eine Backsteinmauer umgrenzt die Gartenfläche.

Das Innere des Hauses ist noch vollständig erhalten und entspricht der aufwendigen Fassadengestaltung: farbiger Fliesenfußboden, Holztreppe mit gedrechseltem, umlaufenden Geländer nebst Antrittspfosten, Holztäfelung, Stützbogen, Dekken- und Wandstuck, Gesimsabschlüsse über den Wohnungstürabschlüssen im Erdgeschoß, teilweise Kassettenrahmung der Türen, Zimmertüren, teilweise noch mit Messinggriffen, Deckenstuck in verschiedenen Räumen.

Ortsgeschichtlich bedeutend ist das Wohnhaus, da es die Erstbebauung dieses Stadtteils dokumentiert.

Ehrenfeld entstand 1845 durch eine spekulative Initiative von Köln aus als erster linksrheinischer Vorort (unter Mitwirkung von Stadtbaumeister Weyer), da innerhalb der Mauerumwallung Köln die Bauplätze knapp wurden. Durch industrielle Ansiedlungen gewann der Ort schnell an Bedeutung und besaß kruzzeitig bis zur Eingliederung nach Köln Ende des 19. Jahrhunderts die Stadtrechte. Das Haus ist ein geschichtliches Dokument städtischer Erstbebauung nach der Eingemeindung Ehrenfelds. Neben Wohnhäusern erschließt sie Gewerbebauten, auch kleinere Industriebetriebe.

Städtebaulich bedeutend ist das o. g. Objekt als Bestandteil einer für diesen Straßenzug charakteristischen und weitgehend erhaltenen historischen Bebauung in Ziegelmauerwerk. Mit seinen Stuckgliederungen und -verzierungen weist sich das Haus zudem als unverzichtbares Dokument für die Einheit zwischen Dekoration und städtischem, gehobenerem Wohnanspruch aus.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0